ZEUS Ich bin Zeus. Zeus ist unglücklich, mein griechisches Volk leidet. Hallo. Könnten Sie etwas leiser� donnern? Wir müssen arbeiten. Wer wagt es? Was ist denn das für ein halbstarker? Fehlt bloß noch die Lederjacke. Wie redest du mit mir? Ich bin Gott! Ja, ja. Und wir sind die Troika. Wir sind Götter. Aber Sie können auch gerne Institutions zu uns sagen. Sagen Sie mal, Zeus, sind Sie überhaupt noch im Amt? Also laut meinen Daten ist er seit 2000 Jahren im Ruhestand. Bei vollen Bezügen? Typisch Grieche. Die Zahlen sagen ganz eindeutig, dass sich Griechenland den Olympen nicht mehr leisten kann. Was? Sehen Sie, Sie mit hunderten von Göttern produzieren Sie ein Produkt, das Ihnen keiner mehr abkauft. Ja, ein Gott für ein Wein, einer fürs Meer und eine Göttin des nierlöschenden Herdes. Wissen Sie, was das Strom kostet? Vielleicht haben Sie es schon mal mit Monotheismus versucht? Mono, was? Ich werde euch lehren! Wieso geht das nicht mehr? Wir haben den Strom abgestellt. Was soll ich denn jetzt machen? Ich kann doch nichts anderes. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Gut, dann verwandle ich mich jetzt in einen Stier und schicke Europa! Womit? Zeiss, das ist leider nicht möglich. Das ist unser Job. Hopp! Handel! Passt! Und los! Ah ja, die Herren von der Troika, auch mal wieder in Griechenland. Kalispera, was kann ich Ihnen anbieten? Musaka, alles frisch? Nein, ich brauche keine Musaka. Ich brauche keine Musaka. Ich brauche keine Musaka. Ich brauche keine Musaka. Ich brauche keine Musaka. Ich brauche keine Musaka. Nicht alle Musaken? Musaka? Alles frisch? Nein, das ist gestrichen. Ja, frisch gestrichen. Ach ja, stimmt, habe ich nicht mehr. Okay, vielleicht Tzatziki? Tzatziki ist auch aus. Dann Souvlaki. Herr Sou skalayin! Das hier ist ihre neue Speisekarte! Akzeptieren Sie unsere Bedingungen und kriegen sofort die nächste Tranche aus. Was? Maultäschle, Sauerkraut und Trollinger? Das ist doch in Griechenland keiner freiwillig. In Österreich auch nicht, und bei uns gibt's Blunzen größtens. Ja, aber das passt nicht, weil die Taverne heißt Dionysos. Was? Moment schön. Der Gott des Weines und der Freude. Herr Simonschulos, wir hatten doch ganz eindeutig ausgemacht, sie heißen ab sofort Austeros. Ach, nee. Austeros, das ist altgriechisch und das heißt Trockenheit auf der Zunge oder schwierige Umstände. Ja. Was ist denn das für ein Kneipenname? Es will doch niemand in schwierige Umstände kommen. Sie müssen unsere Hilfe natürlich nicht annehmen. Ja, Ihre Hilfe, die hat's nur noch schlimmer gemacht. Ach, jetzt sind wir wieder schuld. Ja, letztes Mal haben Sie mir den Wein gestrichen. Das war alternativlos. Ich bin ein Weinlokal, jetzt hab ich keinen Umsatz mehr. Dafür haben Sie einen absolut ausgeglichenen Haushalt. Ja, ich hab keine Ausgaben, aber ich hab auch keine Einnahmen mehr. Sehen Sie, ausgeglichener geht's kaum. Verstehen Sie nicht. Nein. Ohne Wein keine Wirtschaft. Das hätten Sie sich überlegen müssen, bevor Sie Schulden machen. Ja, die hab ich von meinem Vater geerbst. Das hätten Sie sich überlegen sollen, bevor Sie sich diesen Vater ausgesucht haben. Ja, so mundschlos. Was sehen Sie da? Lauter unbesetzte Stühle. Was ist das? Richtig, totes Kapital. Ja, und was machen wir da? Richtig, Strukturreformen. Ja, die Stühle werden abgebaut. Was? Wo sollen denn dann die Gäste sitzen? Hallo, das ist mein Tafelsilber. Da müssen wir leider privatisieren. Was bringt das? Hier, 10 Cent fürs Tafelsilber dürfte genug sein. 10 Cent, was soll ich denn damit? Schauen Sie, Sie zahlen Schulden, wecken Vertrauen, locken Investoren wieder an und schon kommt der Aufschwung. Da, schauen Sie, da kommt schon der erste Gast. Nee, das ist mein Koch. Ah, was? Also, ich könnte schwören, den kenne ich. Das ist Ihre Zeussflatte. Mit Maultaschen. Wohlbekomm's. Was verdient der Mann? Zu viel. Was machen wir da? Strukturreformen. Der Mann muss abgebaut werden. Hallo, da bin ich ja ganz alleine. Na, Sie schaffen das schon. Ist dann eh nur noch eine Stehknappe. Außerdem, da will keiner mehr essen. Also, ich würde ja gern was anderes probieren. Wie wäre es mit Blunzengröstl? Nein, nein, nein. Also, wenn ich die 20 Cent behalten dürfte, dann könnte ich... Herr Simon, was hatten wir ausgemacht? Ach, nee. Ja, Regeln sind Regeln. Schulden müssen, kann ich nicht lesen. Wer zahlt werden? Keine Tricks. Ja, aber wissen Sie, das war hier vorher ein Weinlokal. Und da wurde getanzt und getrunken. Und es gab eine Sonnenterrasse. Und es gab Schulden. Ja, dann sind Sie gekommen und haben das Inventar privatisiert. Und dann haben Sie meine Sonnenschirme verkauft und aus der Sonnenterrasse haben Sie einen bezahlten Parkplatz gemacht, auf den keiner mehr fahren will, weil es keine Sonnenterrasse mehr gibt. Moment mal, man kann hier im Sommer draußen essen? Oh, googeln Sie mal die Wetterdaten. Es ist heiß hier. Das können Sie auch gar nicht beurteilen. Sind Sie Metrologe? Und meiner Kneipe geht es beschissen. Ich will doch nur meiner Wirtschaft helfen. Ach, sehen Sie, Herr Sommunschelos, das wollen wir doch auch. Allerdings halt zu unseren Bedingungen. Sauerkraut im Stehen ohne Sonne in Griechenland? Sie können es auch mit Blunzengrößl probieren. Also gut, ich nehme Ihr Angebot an und akzeptiere Ihre Auflagen. Sehr vernünftig. Willkommen in der Realität, Herr Sommunschelos. Na, was werden Sie denn jetzt mit dem Geld machen? Den Koch wieder anstellen. Was? Er will die Reformen zurückdrehen. Wohltaten verteilen. Ich bin fassungslos. Nein, nur Gäste anlocken. Herr Sommunschelos, vor den Gästen werden erst mal die Schulden bedient. Warum darf ich denn nicht in meine Wirtschaft investieren? Herr Sommunschelos, jetzt reden wir doch offen. In eine Wirtschaft Geld versinken, wenn man keine eigenen Stühle, eigenes Besteck oder einen eigenen Koch hat. Jetzt nicht persönlich nehmen, aber Ihr Griechen kapiert das nie. Ich bin gar kein Grieche! Ich bin Türke! Ich habe mal eine Frage. Wie viele von Ihnen hier haben eigentlich ein Haus auf Pump gebaut? Und machen sich jetzt in die Hose, dass Sie es nicht mehr abbezahlen können? Jeder zehnte Deutsche, der sich jetzt in die Hose legt, jeder zehnte Deutsche ist verschuldet. Fast sieben Millionen. Das sind 75 Prozent der griechischen Bevölkerung. Nur sagen Sie es schöner. Nachhaltig zahlungsunfähig. Also tun Sie jetzt nicht so, als ob Sie ihm recht wären. Die Deutschen, die machen jetzt einen auf dicke Hose. Obwohl Sie selbst vor ein paar Jahren den Stabilitätspakt in Maastricht einfach ignoriert haben. Was mir an den Griechen auf den Senkel geht, ist, dass man sie seinerzeit uns Türken als Europäer vorgezogen hat. Und warum? Angeblich wegen mangelnder Demokratie und Verletzung der Menschenrechte. So ein Quatsch! In Wirklichkeit haben Sie Angst gehabt, dass wir Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen und Ihr christlich-jüdisches Wertesystem mit unserer Döner-Diktatur unterwandern. Dabei sind die meisten von uns doch schon hier. Und die Asozialsten noch dazu. 3,5 Millionen Türken sind mittlerweile Deutsche. Die Deutschen sind inzwischen Salafisten. Und die Griechen tanzen Sirtaki auf den Nasen Europas. Was wollen Sie den Griechen eigentlich noch in den Arsch schieben? Oder wollen Sie zahlen? Wirtschaftswachstum in der Türkei, letztes Jahr 3 bis 4 Prozent. Griechenland seit fünf Jahren Rezession. Arbeitslosenzahl in der Türkei 10 Prozent. Griechenland über 26 Prozent. Durchschnittliche Penislänge in der Türkei... Okay. Lassen wir das. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie überlassen uns die Abwicklung der leidigen Griechen. Und dafür kriegen wir Türken Lesbos. Den Euro können Sie behalten. Und da wir schon dabei sind, nehmen wir auch noch Moldawien, Polen, Tschechien, Italien, Zimbabwe, Österreich und den ganzen Dreck dazu. Dann haben wir endlich mit ein bisschen Wartezeit nach ein paar hundert Jahren genau das erreicht, was wir wollten. Ein Großosmanisches Reich. Ein Großosmanisches Reich vom Kaukasus bis an die Donau nach Wien. Sozusagen als Puffzone zwischen ISIS und EU. Danke. Das ist doch Wahnsinn. Das ist unverständlich. Man kann das überhaupt nicht beschreiben. Dieser blau-weiße Provinz-Depp. Dieser gierige Griechen. Ach was, Markus Söder. Weißt du, wie der da rumlümmelt bei Günther Jauch? Und dann sagt er, die Griechen hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Das fällt auch auf uns zurück. Wer hat denn die ganze Arbeit gemacht in Griechenland? Das waren doch wir von der Troika. Wir haben den Griechen alles abgenommen. Die Arbeit und die Löhne und die Demokratie. Kein europäischer Staat hat in der Nachkriegszeit die öffentlichen Ausgaben so runtergefahren wie Griechenland. Was ist der Dank dafür? Leute stellen sich immer so einfach vor mit dem Kürzen. Aber schließen Sie mal ein Drittel der Krankenhäuser. Ohne jeglichen vernünftigen Grund. Wir haben es trotzdem gemacht. Als wir die Polykliniken geschlossen haben, dachte ich erst, das bringt nichts. Aber als ich dann gelesen habe, die Malaria kommt zurück, da wusste ich, die Reformen wirken. Ah, erinnert ihr euch an den Tag, an den wir den öffentlichen Rundfunk entlassen haben? 1.500 Leute auf einmal. Das war eindeutig illegal nach griechischem Recht. Aber eins sage ich euch, ich würde es wieder tun. Und wenn ich dafür in den Knast gehen müsste? Musst du gar nicht. Wir genießen doch diplomatische Immunität. Vielleicht sollten wir dann das nächste Mal, wenn wir in Griechenland auftreten, etwas diplomatischer auftreten. Wissen Sie noch, wie wir auf den Tisch gehauen haben und zur griechischen Regierung gesagt haben, dass wir ein System einführen, wo er auch die Reichen besteuert. Sonst kriegt er die nächste Tranche nicht. Nein. Dann haben wir das wohl nicht gemacht. Dank unserer Arbeit ist jeder dritte Grieche ohne Krankenversicherung. Seitdem achten die Griechen auch viel mehr auf ihre Gesundheit. Sehen Sie, wir wissen doch, wofür wir das alles machen. Zeigen Sie doch noch mal die Daten. Das sind die Wirtschaftsdaten der Wirtschaftsentwicklung von Griechenland in den letzten Jahren seit dem eingreifende Drohiger. Moment, falscher Knopf. Das Chart steht am Kopf. So, jetzt passt es. Oh, oh. Das ist ja ... Oh, einen schlimmeren Einbruch hat man nur in Kriegszeiten. Nur wenn eine ganze Armee irgendwo in ein Land einfällt. Wahnsinn. Und wir waren nur zu dritt. Meine Herren, Respekt, beachtliche Performance. Danke schön. Vielleicht sollte die Troika ihre His-Projekte Russland anbieten. Was? Warum das? Das ist deutlich besser als Wirtschaftssanktion. In Griechenland verfolge ich das in meiner Presse. Ich lese Zeitungen, das machen die wenigsten, obwohl das ein abhörsicheres Medium ist. Ich lese jeden Tag die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das sinkende Flaggschiff des deutschen Qualitätsjournalismus. Diese Frankfurter Allgemeine kaufe ich schon aus Solidarität. Weil junge Menschen können die Schrift gar nicht mehr lesen. Junge Menschen haben wahnsinnige Probleme mit dem Medium Zeitung. Man sieht das immer wieder, wie die da rüberwischen. Und sich wundern, warum das nicht umblättert. Das ist die Papierlose Generation. Die haben das Taschentuch als App auf dem Handy. Ich weiß gar nicht, wie die auf dem Klo klarkommen. Das ist das Kleinkarierte. Wenn Sie es größer haben wollen, nehmen Sie diese Zeitung. Wir sind überhaupt nicht ausländerfeindlich. Dann erst mal zu Penny. Das ist schon mal der richtige Weg. Dann haben wir sogar auf Griechisch empfangen. Griechisch heißt Bildblät. Das ist auch wieder sehr sprechend. Diese Zeitung hat uns vor Wochen mitgeteilt, war Griechen reicher als wir. Das muss man sich mal vorstellen. Wir zahlen Milliarden und die geben uns noch ein Uso aus. Das stand hier schon vor 4 Jahren. Nehmt den Griechen den Euro weg. Wie? Haben die noch einen? Die Griechen sind einfach eine beispiellose Misswirtschaft. Sie sollen endlich aufhören zu heulen und ihre Hausaufgaben machen. Dann sollen sie sich mal angucken, wie wir arbeiten. Zum Beispiel beim Berliner Fluchhafen. Was sollen wir denn noch machen? Wir geben Millionen aus. Das ist jetzt nicht aus der Bildzeit. Das ist ein Bild aus der Realität. Wir zahlen mit der EU Millionen an Abwrackprämien, damit die Griechen ihre alten, bunten Holzfischerboote verschrotten. Deswegen müssen sie nicht hungern. Sie können den Fisch billig kaufen. Von Captain Iklu, der den mit seinen Fabrikfangschiffen vor Senegal fängt. Wir wissen auch von Nana Muskuri, die Mädchen aus Piraeus lieben den Hafen, die Fische und das Meer. Und das Lächeln der Matrosen. Deswegen haben wir Ihnen dicke, schicke, moderne U-Boote verkauft. Jetzt können Sie den Fisch unter Wasser angucken. Und können auch den ein oder anderen Somalier beobachten, wenn er von Afrika aufgebrochen ist und im Mittelmeer abgetaucht ist, um zu gucken, wo seine Fische sind. Wir machen Griechenland modern. Die Griechen sind trotz Krise Deutschlands drittbester Waffenkunde. Wir haben mit Hunderten von Leos dafür gesorgt, dass die Griechen heute die größte Panzerarmee Europas haben. Ihr Griechen, ihr könnt so froh sein. Ihr habt mehr Panzer als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Das ist doch was. Und die Geschäfte, ja, schwacher Beifall von links. Ihr Griechen, ihr könnt mit diesen Panzern keine Fische fangen. Aber vielleicht Brunnen bauen, wie wir das mit der Bundeswehr in Afghanistan versucht haben. Jedenfalls bringt es nichts, wenn ihr den Stinkefinger zeigt, gefakt oder nicht. Das hat schon Pierre Steinbrück bei der letzten Bundestagswahl erlebt, dass man damit nicht dagegen anstinken kann. Es ist einfach so, Angela Merkel ist die stärkste Frau der Welt, direkt nach Lady Gaga. Aber den wahren Druck macht doch heute Euro-Bankchef Mario Draghi. Mit den vielen Millionen, Billionen, die er gerade druckt. In Frankfurt steht die neue EZB-Zentrale. Das ist Europas größter Stinkefinger. Herr Uthoff. Was? Was machen Sie da? Sie haben doch die Bild-Zeitung gelesen. Ich hol mir mein Geld zurück, bevor die gierigen Tzatziki-Griechen es verprassen. Was heißt denn, Sie holen Ihr Geld zurück? Sie haben doch noch gar nichts bezahlt. Wissen Sie, was den deutschen Steuerzahler, die Euro-Krise bisher gemacht hat? Ich habe mich umsonst aufgeregt. Umsonst wäre in diesem Fall der richtige Begriff. Hören Sie mal, ich zahle doch immer und werde dafür beschimpft. Sie zahlen doch gar nicht, Sie leihen. Das sind Kredite. Ich dachte, das sind Hilfsprogramme. Wenn Ihnen Ihre Bank Geld gibt für Ihr Haus, ist das dann ein Hilfsprogramm? Was? Natürlich nicht, zahle doch Zinsen. Ja, sehen Sie, wie die Griechen uns, die haben uns bisher schön brav 360 Mio. Euro Zinsen gezahlt. Wir verdienen mit an der Krise. Wir verdienen an der Krise, der ist gut. Herr Utthoff, Deutschlands ging es finanziell noch nicht so gut. Die Krise hat ihren Anteil daran. Sie meinen das ernst, oder? Da muss ich vollkommen bei Null anfangen. Herr Utthoff, wer leiht einem Staat Geld? Die heißen Investoren. Sie spielen jetzt mal ein, das dürfte Ihnen nicht schwerfallen. Sie haben offensichtlich zu viel Geld. Sie wollen es bei mir anlegen, beim deutschen Staat. Geben Sie mir Ihr Geld und ich gebe Ihnen dafür eine Staatsanleihe. Moment mal, ich gebe Ihnen mein Geld und kriege dafür ein Stück Papier. Das ist vollkommen unseriös. Das ist die Basis unseres Wirtschaftssystems. Hier steht, ich kriege mein Geld in 10 Jahren wieder. Wovon soll ich denn in der Zwischenzeit leben? Von den Zinsen, die ich Ihnen dafür bezahle. Zinsen? Grausartig! Wieso so wenig? Wenn Sie Ihr Geld bei mir in Deutschland anlegen, können Sie sicher sein, dass Sie Ihr Geld wieder kriegen. Sie können Ihr Geld anlegen, Spanien, Portugal, Griechenland. Da sind die Zinsen wesentlich höher. So ist eben Marktwirtschaft. Allerdings steigt auch das Risiko, dass Sie Ihr Geld nie wieder sehen. Risiko? Oh mein Gott, bloß kein Risiko. Alles auf Deutschland. Stopp! Das wollen natürlich jetzt alle. Wissen Sie was? Ich glaube, ich zahle Ihnen nur noch so viel Zinsen. Jetzt mal bald muss ich Ihnen was zahlen, dafür dass Sie mein Geld nehmen. Tja, das ist eben Marktwirtschaft. Sie sind gemein! Und Sie! Und Sie sind wie die Finanzmärkte, hysterisch. Verstehen Sie nicht, Deutschland hatte was von der Krise? Dank der Krise musste Deutschland für Zinsen 80 Milliarden Euro in den letzten Jahren weniger aufwenden. 80 Milliarden? Das ist ja fantastisch! Das heißt ja eigentlich, dass die Krise in den südlichen Ländern schäubles schwarze Null überhaupt erst möglich gemacht hat. Könnte man sagen. Aber was ist denn, wenn die Griechen jetzt doch pleite gehen? Also rein finanziell betrachtet kostet das vielleicht 70, 77 Milliarden Euro. Den Griechen geht es halt dabei furchtbar. Moment! Da bleiben mir ja noch 3 Milliarden übrig! Fantastisch! Dann kann man also sagen, die Griechen zahlen und werden dafür beschimpft. Also damit kann ich leben. Hören Sie doch! Das geht Ihnen das aus, wenn Sie versuchen, in Gesprächen über Griechenland zu argumentieren, differenziert zu argumentieren. Sie kommen sich vor wie ein Hausarzt bei der Masernparty. Grundökonomische Zusammenhänge, Grundkenntnisse. Das ist für viele Deutsche inzwischen so was wie Kohlehydrate. Okay, aber wenn es sich vermeiden lässt. Unser ganzes Geld haben die Griechen, weiß der Bildzeitungsleser. Aber gut, wer Bildzeitung liest, um sich zu informieren, der trinkt ja auch Schnaps, wenn er Durst hat. Und zwar auch bei vielen Informierten heißt es, wir haben die Griechen gerettet. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, die Griechenlandhilfe war sehr effektiv. 89% dieser gesamten Euro-Rettungsgelder, also über 200 Milliarden, die sind da gelandet, wo sie am dringendsten benötigt wurden. Im Banken- und Finanzsektor. Ja, schauen Sie mal, von dem gesamten Geld, was wir jetzt haben, sind 89% direkt in den Finanzsektor geworden, zum privaten Gläubiger. Da wurden Schulden gezahlt, Zinsen. Nur ein Bruchteil von dem gesamten Geld ist überhaupt im griechischen Staatshaushalt angekommen. Das heißt, wir können sagen, die Griechen haben von unserem Geld so viel gesehen wie Gastarbeiter in Sochi von den Olympischen Spielen. Jetzt werden Sie sagen, dann hätte man das Ganze ja auch Bankenrettung nennen können. Hätte man, aber das wäre ja dann ehrlich gewesen. Also wie... Applaus Wie hätte das auch geklungen, 2010 kurz nach der ersten Bankenrettung rund um Lehman Brothers, wenn die Politiker sich hätten hinstellen müssen und sagen müssen, wir müssen solidarisch sein mit dem Bankensystem. Banker hört die Signale. Das Finanzsystem war nicht ganz so solidarisch mit den Griechen. Irgendwann wollte niemand mehr griechische Staatsanleihen kaufen, also mussten EU-Rettungsschirme einspringen. Was folgende Entwicklung ausgelöst hat, am Anfang der Krise 2010, also davor eigentlich, waren 100% von den griechischen Staatsschulden in Händen privater Gläubiger. Also deutscher Banken, französischer Banken, griechischer Banken, Commerzbank, Lebensversicherungen etc. Jetzt sind es nur noch 20%. Der Rest, 80% von den Schulden, wird von öffentlichen Institutionen gehalten. Was ist passiert? Die Risiken aus den Büchern der Banken wurden langsam übertragen auf die Schultern des europäischen Steuerzahlers. Deswegen stehen die Banken jetzt auch da und sagen, sie sind für einen Grexit gut gerüstet. Das ist immer wieder das Gleiche. Banken stehen am Abgrund und haben so eine Schnur in der Hand und da dran so ein tonnenschwerer Tresor, der in die Tiefe stürzt und sie weinen bitterlich, unser Geld, unser Geld. Sie sagen, hey, was ist denn los? Sie sagen, gut, dass du da bist. Kannst du kurz halten. Jetzt werden sie sagen, okay, wir haben offensichtlich das Bankensystem gerettet, aber wir haben nichts bezahlt. Ja, wer hat denn dafür bezahlt? Die griechischen Haushalte haben inzwischen 86% ihres Einkommens verloren. Griechische Mütter lassen offensichtlich nach der Geburt immer öfter ihre Kinder in Krankenhäusern liegen, weil sie Angst haben, sie können sie nicht ernähren. Und während in denselben Krankenhäusern auch keine Antikrebsmedikamension mehr auffindbar ist, weil er im Gesundheitssektor gespart werden muss, heißt es aus Brüssel und Berlin, Schulden müssen zuerst bezahlt werden. Ja klar, wenn sie mal über ihre Verhältnisse gelebt haben, dann müssen wir sie kürzen, notfalls auch an der eigenen Lebenszeit. Das sind die europäischen Werte, die wir derzeit verteidigen. Sehen Sie, aber so ist das eben. Die Deutsche Bank hat gerade verkündet, dass allein letztes Jahr ihre Top-Investment-Bänker ein Gehalt von 2 Milliarden Euro bekommen haben. Sollte auch irgendjemand bezahlen. Mensch, er ist so mundschulos. Ich bin sehr enttäuscht von ihm. Wir haben doch gesagt, alles in die Schuldentilgung. Es wird alles privatisiert. Das heißt, der Stuhl da, der muss auch noch weg. Ach, Frühling, Frühling. Erst da spüren Sie da auch, der Frühling. Überall Sicherheitskräfte schlagen aus. Spekulationen blühen. Hans-Werner Sinn schießt ins Kraut. Und schon reagiert man allergisch. Und das ist so. Und das ist so. Und das ist so. Und das ist so. Und das ist so. Und das ist so. Und das ist so. In Frankfurt haben sich die diebischen Eltern von der EZB ein neues Nest gebaut. Wütend protestieren die Rotkehlchen und zünden die Polizeiautos der Blaumeisen an. Das freut so manchen gemeinen Journalisten Gimpel. Denn wenn er sich über brennende Autos aufregen kann, dann muss er nicht darüber nachdenken, um wie viel schlimmer die Gewalt der EZB ist, die sie in den südlichen Ländern den Menschen überaus übt. Aber das Rauschen im Blätterwald, in diesem Frühling, es gilt vor allem natürlich dem gemeinen Griechen Zipras, Zipras, heißt der lustige Singvogel, den die Mauerseglerin Angela Merkel bald im Auftrag der Arsgeier der Hedgefonds rupfen wird, weil er sich der neoliberalen Agenda verweigert. Da muss ein neues Feindbild her. Und alle durften mitmalen, natürlich auch die Vollmeisen aus den Redaktionen. Die Welt, die Tageszeitung Die Welt, also die Bildzeitung für Vermieter, hat gegräht, dass die Griechen 800 Milliarden Euro Schwarzgeld in der Schweiz gebunkert haben. Und wenn die Schmierfinken so was schreiben, ist die Empörung bei den Schnapsdrosseln an den Stammtischen vorprogrammiert. 800 Milliarden Euro, das ist aber ganz schön viel. Das sind ja mehrere Fußballfelder von der Größe des Saarlands. Wo leben wir denn eigentlich? Da kann ich jetzt weiterhelfen. Wir leben in einem Land, in dem Günther Jauch ungestraft die Berufsbezeichnung Journalist tragen darf. Die Welt hat die Zahl dann noch korrigiert und geschrieben. Es waren gar keine 800 Milliarden. Sondern, wenn man es zusammenrechnet, vielleicht gerade mal 800 Millionen. Aber zu spät, die anderen Zeitungen hatten es schon gedruckt. Denn eins ist ganz klar, in der Deutschen Journalistenschule ist Abschreiben erlaubt. Ein weiteres Hauptfach in der Journalistenschule, das Ausblenden der Realität. Dabei muss man Teile der Realität so lange ausblenden, bis die Wirklichkeit mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmt. Denn eins ist klar, wir haben im Bereich Griechenland deutsche Politiker und Journalismus in vielen Bereichen die Vernunft längst hinter uns gelassen. Wir warten knietief in der Esoterik und im Spirituellen, wenn die Ikone der schwäbischen Hausfrau den Einwohnern des Südens als heiligen Bildchen an den Rückspiegel gehängt wird. Wie irrational das Ganze ist, zeigt die Grundlage der Sparpolitik, die eine Theorie ist. Und das ist kein Witz. Die EU-Politik basiert tatsächlich auf der Theorie der rationalen Erwartung. Und die besagt, ob und wie viel wir Konsumenten ausgeben, hängt von der Entwicklung des Bundeshaushalts ab. Wenn die Regierung eine Sparpolitik macht, die bei uns das Vertrauen in künftige Steuererleichterungen weckt, dann kommt dieses erwartete Steuereinnahmen dazu, dass wir in der Gegenwart jetzt schon mehr Geld ausgeben. Und das kennen Sie doch alle, oder? Wenn man im Supermarkt steht an der Kasse und sich überlegt, die Biotomaten sind aber teuer. Aber wenn jetzt die Regierung es schafft, bei der Gesundheitsreform die Leistungen zu kürzen, die Steuersätze stagnieren und die kalte Progression abgeschmolzen wird, dann könnte sich bei gleichbleibender Preisentwicklung mein künftiges Einkommen in Zukunft um 16 Euro erhöhen. Wissen Sie was? Ich nehme die Biotomaten. Sie. Gegen die ökonomische Vernunft der schwäbischen Hausfrau ist die Jungfrauengeburt reine Naturwissenschaft. Ah, die schwäbische Hausfrau, ein bisschen spät. Ich habe es dir schon 20-mal gesagt, ich gehöre gar nicht hierher, ins Museum der ausrangierten Religionen. Das ist doch Humbug, die Sparpolitik ist keine Religion. Das ist ganz vernünftig. Scharfe, scharfe Häusle bauen, verstehst du? Grundverkauf ist selber, Bele. Wer in der Krise kürzt, der hat halt in Zukunft höheres Wachstum. Jaja, genau. Und sexuelle Enthaltsamkeit führt zu Bevölkerungswachstum. Ah, das ist so typisch. Das ist typisch für dich und deinen Olymp dem Schweinkram. Verstehst du, ich möchte gar nicht wissen, wenn dieser Götterweg da einen Gott mit ihm ab... Wenn Sie mir bitte folgen wollen... Einmal Kehrwoche und der Augierstall wäre sauber gewesen. So, wir kommen nun zum nächsten Raum. Auf der einen Seite eine voraufklärerische Religion. Mit geradezu kindischer Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert. Und auf der anderen Seite eine Statue von Zeus. Ah, das muss die schwäbische Hausfrau sein, oder? Bitte bleiben Sie hinter der Absperrung, danke. Da soll eine Frau sein? Ja. Schaut schon recht verhärmt aus. Das ist korrekt, aber Selbstkastellung und Leid waren damals, das galt als modern. Das ist ja eine Heilige, konnte die Wunder bewirken? Ja, sie konnte zum Beispiel Wein in Wasser verwandeln. Und die Wirtschaft gesund beten. Stimmt eigentlich das Gerücht, dass wenn man sich damals im Leben zu Tode geknausert hat, dass einem nachher im Paradies 72 Sparbüchsen erwartet haben? Das ist interessant, dass Sie das sagen, denn ganz Europa hat daran geglaubt. Ja klar, sicher glaubt man. Wieso? Na ja, Sie haben dran glauben müssen. Also nach der Krönung von Angela I. zur Königin von Europa hat sie die Sparpolitik zur Allgemeinen Staatsreligion erhoben. Wissenschaftler sprechen hier auch vom finsteren Mutti-Alter. Aber warum hat man die Sparpolitik geglaubt, wenn sie nicht funktioniert hat? Man hat immer geglaubt, nächstes Jahr wird es besser. Die Orakel hatten das prophezeit. Ah, das Orakel von Delphi? Nein, so präzise Instrumente hatte man damals nicht mehr. Man musste sich auf Wirtschaftsinstitute verlassen. Aber wenn Sie mir nun folgen wollen in den nächsten Raum, dort sehen wir dann ein Gemälde von der Abdankung Angela Merkels im Jahre 2112. Ja, was jetzt europaweit ein großes Thema ist, ist immer Arbeitsplätze schaffen. Arbeitsplätze schaffen, das sagen alle Politiker. Doch die Arbeitsplätze werden doch ständig übernommen, ständig, und zwar von der Technik. In der modernen Landwirtschaft, zum Beispiel in Europa, mäht, jettet und melkt alles von selber. Haben Sie gewusst, dass das nicht der Fall ist? Nein, das ist nicht der Fall. Die Europäische Kühe haben jetzt schon Beschleunigungsbänder mit einer SIM-Karte. Und wenn die fruchtbare Kuh sich anders bewegt, aufgrund der Fruchtbarkeit, dann schickt die Kuh über die SIM-Karte ein SMS an ihren Bauern. Das ist schon witzig. Die fruchtbare Kuh schreibt ihren Bauern ein SMS. Da habe ich mich auch gefragt, was schreibt die da? Wahrscheinlich ruft die Bullen. Wahrscheinlich schreibt sie doch in Klammer, bitte die ohne Mütze, weil da müsste der Kommissar schon sehr motiviert sein. Aber man muss das offen mal sagen, so eine moderne Kuh ist eine arme Sau. Wenn die Zölibar der leben will, dann kann man ja auch ein Funkloch suchen. Heutzutage wird alles automatisiert. Das haben Sie auf der IFA gezeigt. Es braucht ja keine Menschen mehr. Weil das Klo der Zukunft, wenn man dort hinein uriniert, entnimmt das Klo von selber eine Urinprobe, ist der pH-Wert Zuckergehalt außerhalb der Norm. Schickt das Klo von selber ein E-Mail an den Computer vom Internisten, den Arzt braucht es da auch nicht mehr. Ich schicke das Klo an meinen Kühlschrank. Mein Kühlschrank schickt ein Bestell-SMS an den Supermarkt. Das größte ist, das passiert alles, bevor ich den Hosenschlitz zugemacht habe. Das ist schon eine starke Leistung. Der Europäer der Zukunft wird verwöhnt. Im Garten fährt der Rasenmäher-Roboter, im Schwimmbecken der Pool-Cleaner, auf die Maschine. Ich vermute, ich werde irgendwann am Sofa sitzen und mir denken, mach mir jetzt Fahrt. Vielleicht werde ich aus Verzweiflung den Sauer-Roboter fragen, ob ich mal kurz selber wischen darf. Er wird dann wahrscheinlich sagen, Finger weg. Ich glaube, wenn das so weitergeht, die menschliche Existenz läuft ja bald unter dem Begriff, betreut es, vegetieren. Ich habe keine Lust. Die Arbeit ist bedroht, aber auch die politische. Das ist ja vielleicht ein Glücksfall. Mittlerweile die politische auch vom Jenseits. Haben Sie das gelesen, in einer italienischen Kleinstadt wurde ein Verstorberner zum Bürgermeister gewählt. Die Wähler haben gesagt, wir haben uns die Genkandidaten angeschaut, die haben gesagt, in dem steckt mehr Leben drin. Vielleicht ist das die Zukunft. Ein toter Politiker ist ein guter Politiker. Wenn das die Zukunft ist, muss ich als Österreicher schon sagen, da hat der Jörg Heider schon wieder einen Trend erkannt. Aber es ist ja interessant, tote Politiker wählen. Jetzt habe ich eigentlich den Satz verstanden, dass man bei der Wahl sagt, dass man seine Stimme in eine Urne wirft. Da war ja die Sprache der Realität wieder voraus. Ich glaube, wenn in Zukunft Tausende Menschen zum Friedhof gehen, da ist nicht mehr Allerheiligen, da ist Europawahl. Ich glaube, wenn in Zukunft Tausende Menschen zum Friedhof gehen, da ist nicht mehr Allerheiligen, da ist Europawahl. Freundchen, jetzt ist Feierabend, okay? Also gut, dann zahle ich halt. Was macht es denn? 332 Milliarden. Entschuldigung, ein Trollinger und ein Uso? Nee, aber hier. Was? Was soll denn das sein? Moment mal, Kriegsschäden, Reparationszahlungen. Das ist ja der Deckel von meinem Opa. Da habt ihr Deutschen es so richtig krachen lassen, was? Also gut, bar habe ich es jetzt nicht bei mir, aber ich bin gleich wieder da, ja? Die Deutschen, die kommen immer wieder. Guten Tag, Sie, bin ich hier bei Ihnen richtig? Ich brauche eine Schuldberatung. Ich stecke bis über beide Ohren in Schuld. Ja, selbstverständlich sind Sie beim Auswärtigen Amt ganz richtig. Schauen Sie, ich habe erfahren, dass wir Deutschen in Griechenland ganz schön gewütet haben. Ich wusste davon ehrlich nicht. Ja, sehen Sie, wir haben seit 1939 so viele Länder überfallen, da kann man schon mal eins vergessen. Wir haben 10.000 Juden ermordet, 10.000 Zivilisten massakriert, 300.000 Menschen verhungern lassen. Die Wirtschaft ruiniert, das ist doch ein riesiger Schuldenberg. Da haben Sie vollkommen recht, aber eins nach dem anderen. Schauen Sie mal hier her. Sehen Sie, wir haben doch auch was auf der haben Seite. Als die Wehrmacht aus Griechenland 1944 abgezogen ist, hat sie in Athen einen Kranz niedergelegt. Na ja, um zu zeigen, Deutschland ist nicht als Feind gekommen. Ich glaube, die Bundesrepublik Deutschland auch überzeugt zu sagen, für solche Reparationsforderungen stellt man doch solche alten Freundschaften nicht in Frage. Moment mal, die Griechen erheben diese Reparationsforderungen schon seit Kriegsende. Sicherlich, aber damals haben wir Ihnen ganz deutlich zu verstehen gegeben, jetzt ist es gerade schlecht. Aber bei der Londoner Schuldenkonferenz 1953, wurde vereinbart, dass die Reparationszahlungen aufgeschoben werden Dann hätten wir doch nach der Wiedervereinigung zahlen müssen. Der 2 plus 4-Vertrag bei der Wiedervereinigung ist doch ein Friedensvertrag. Nein. Aber in der Präambel steht doch, gewidmet den Völkern, die seit 1945 in Frieden leben. Ja, aber wenn man schon im Frieden lebt, dann braucht man ja auch keinen Friedensvertrag mehr. Aber es steht doch alles drin, was in einem Friedensvertrag drinstehen muss. Korrekt, der Vertrag ersetzt einen Friedensvertrag. Sie vermeiden nur das Wort Friedensvertrag, um sich vor Reparationen zu drücken. Im 2 plus 4-Vertrag war doch von Reparation überhaupt nicht die Rede und die Griechen haben das auch unterschrieben. Aber die waren doch gar nicht dabei. Sie haben nachträglich davon Kenntnis genommen. Aber von Reparationen stand doch gar nichts drin. Richtig, sie haben nachträglich davon Kenntnis genommen, dass von Reparation nicht mehr die Rede ist. Sie haben also immer gesagt, später, später, später, später, später. Und 89 haben gesagt, zu spät. Und das gilt auch für den Zwangskredit, den die Nazis den Griechen 1941 abgepresst haben? Ach, sehen Sie, da möchte ich Ihnen die offizielle Sprachregelung entgegenhalten. Die Frage von Reparationen und Entschädigungszahlung ist rechtlich und politisch abgeschlossen. Aber hören Sie mal, die Nazis haben den Kredit selbst anerkannt und die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger drückt sich vor ihre Verantwortlichkeit. Na, wir haben eben konsequent mit unserer Vergangenheit gebrochen. So, fühlen Sie sich jetzt schuldfrei? Nein! Vor allem, weil keiner der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden ist. Kein einziger deutscher Kriegsverbrecher, der in Griechenland gewütet hat, ist vor Gericht gestellt worden, obwohl die Griechen uns erlaubt haben, diese Leute in Deutschland anzuklagen. Ja, sicherlich, aber das war damals nicht möglich. Die haben geschrieben, das würde die deutschen Justizbehörden aufs Schwerste belasten. Ist aber auch belastend für die Täter, wenn man immer wieder an die eigenen Taten erinnert wird. Sehr richtig. Sehen Sie, deswegen haben wir einen Gegenvorschlag gemacht. Wir haben gesagt, Athen könnte doch einfach eine Generalamnestie für alle Nazitäter schaffen. Was? Moment mal, wir Deutschen haben großzügig das Angebot gemacht, dass die Griechen alle unsere Gräueltaten einfach vergessen? Dann stellen Sie sich vor. Also haben wir gesagt, okay, wir schauen uns mal diese Akten an. Was Sie genau gesagt haben, steht. Sie haben geschrieben, Zitat, äußerstenfalls könne man die Vorgänge einlagern. Schließlich sei es gleichgültig, ob nun 100 oder 500 Akten in einem Aktenschrank verwahrt werden. Sehen Sie, wir mögen den Zweiten Weltkrieg verloren haben, aber die Nachkriegszeit haben wir gewonnen. Es ist ja nicht so, dass wir gar nichts getan hätten. 1960 haben wir nach Griechenland 115 Mio. DM überwiesen, nur für die Menschen, die Opfer der Rasseideologie der Nazis geworden sind. Und was ist mit den anderen Tausenden von Opfern bei dem Massaker? Schauen Sie sich mal hier zum Beispiel, in Distomo, einem kleinen griechischen Ort, da hatte eine SS-Einheit eine Aktion durchgeführt, die haben einen Tag lang gewütet und aber über 200 Menschen, unschuldige Zivilisten, Unbewaffnete umgebracht, schwangere Frauen, Kinder, Alte. Und dieser Junge hier, damals 4 Jahre alt, der hat bei dem Angriff nicht nur 30 Verwandte, sondern auch seine Mutter und seinen Vater verloren. Sehen Sie, solches Leid lässt sich in Geld nicht bemessen. Vielleicht kann man es ja mal versuchen. Sehen Sie, das ging nicht. Ich habe irgendwo die Akte dazu. Damals hat er um Entschädigung gebeten. Dann hieß es in der deutschen Botschaft in Athen, das Massaker in Distomo sei als eine Maßnahme, im Rahmen der Kriegsführung zu werten. Und somit bestehe kein Anspruch auf Entschädigung. Wollen Sie damit behaupten, dass das Abschlachten von Frauen und Kindern für die Bundesregierung eine normale Kriegshandlung war? Na ja, 1996 war es eine normale Kriegshandlung. Das ist sehr freundlich. Ein Uso. Vielen Dank, wir hatten aber keinen bestellt. Die sind von dem Herrn da drüben auch. Vielen Dank. Kennen wir uns? Ja, mein Name ist Sargiris Vuntouris. Ich bin der kleine Junge da. Der 1944. Der 1944. Ich habe 1944 meine Eltern verloren und bin an der Hand meiner Schwester aus dem brennenden Haus geflohen. Das trifft sich eigentlich ganz gut, Herr Vuntouris. Weil dann können wir Sie einfach mal persönlich fragen. Das, was wir da gerade vorgelesen haben, das war die offizielle Begründung, die die Botschaft in Athen Ihnen geschrieben hat auf Ihre Forderung nach Entschädigung. Ja, genau. Und das hat die Botschaft im Auftrag des Auswärtigen Amtes gemacht, der die Distomo-Lüge der Täter, die sie geschildert haben, darauf genommen hat nach 50 Jahren. Und Sie haben nie Entschädigung bekommen? Nein, im Gegenteil. Deutschland hat alles unternommen, um uns keine Entschädigung zu zahlen. Ist sogar bis zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegangen. Gab es von deutscher Seite mal so etwas wie eine Entschuldigung? Ja, nach 70 Jahren ist Bundespräsident Gauck nach Griechenland gekommen und hat um Entschuldigung gebeten und hat festgestellt, dass die Deutschen damals Raub und Mord und Terror nach Griechenland gebracht haben im Auftrag Berliner Beamten. Und dann hat er noch hinzugefügt, er sei nicht Vertreter der Regierung. Deshalb könne er nicht von Entschädigungen sprechen. Die sind sowieso nicht mehr vorhanden. Herr Sontouris, was könnten wir jetzt als Deutsche tun? Die Regeln anwenden. Regeln sind Regeln. Schulden müssen bezahlt werden. Und keine Tricks. Herr Sontouris, vielen Dank, dass Sie da waren. Vielen Dank, das war die Ansteig. Heute mit unserem Kollegen Arnold Rathing, Klaus Enkel und Serdar Fomunzur. Danke. Bis zum nächsten Mal. Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank.