Sie sind also der berühmte Detektiv Sherlock Holmes, dann kombiniere ich mal. Sie sind sein Assistent Watson. Ich sage Ihnen gleich, ich habe nichts gegen schwule Detektive, solange es sich im Rahmen der Gesetze, also die Kinder, solange die alle auf einem Bierdeckel, ich glaube ich brauche dringend Hilfe. Können Sie das vielleicht etwas präzisieren? Es geht um die Zukunft Deutschlands, in dem sich immer mehr Menschen daran gewöhnen, nichts zu tun, vor allem in meiner Partei. Wer zur Hölle ist das Sherlock? Der Mann heißt Friedrich Merz und möchte der nächste Kanzler Deutschlands werden. Ja, das wird mir auch gelingen. Werden Sie mir dabei helfen, die Steine aus dem Weg zu räumen? Und wenn ich sage Steine, meine ich natürlich Probleme und wenn ich sage Probleme, meine ich natürlich Konkurrenten. Wir sollen für Sie Jens Spahn und Armin Laschet beseitigen. Die erledigen sich schon selbst. Konkurrent ist für mich nur, wer neben aller Unfähigkeit noch eitler und ehrgeiziger ist als ich selbst. Sie bitten uns Markus Söder zu beseitigen. Das ist absolut unmöglich. Wie sollen wir das tun? Lassen Sie es wie einen Unfall aussehen. Sollen wir ihm im Rahmen des Raumfahrtprogramms Bavaria One zwei Zünder in den Hintern stecken und als menschliche Rakete in den Orbit schießen? Wäre das möglich? Langweilig. Watson, kommen Sie, mich interessiert nicht welches Würstchen bei den Krauts demnächst Kanzler wird. Es gibt größere Verbrecher, um die wir uns kümmern müssen. Wirklich? Aber der hätte bezahlt. Kommen Sie, das Spiel! Watson hat begonnen! Wo sind wir hier, Sherlock? Ist das der größere Verbrecher? Moment. Sagen wir es so, es ist mein Bruder. Sherlock, wer ist das? Watson, mein neuer Assistent. Watson, Sie gehen raus. Wie lange? Bis Sie wieder Text haben. Und ja, das kann dauern. Mycroft, ich möchte, dass du deine Beziehungen bei Regierung und Geheimdienst spielen lässt, damit er bald wieder sicher in Freiheit leben kann. Er? Von wem sprichst du? Nun, die Zeitungen sind voll von ihm. Die Staatsmacht zittert vor seinen Enthüllungen und gewisse Kreise versuchen alles, um ihn loszuwerden. Sherlock, mein kleiner Bruder, dass ich das noch erleben darf, du und ich im Einsatz für dieselben Werte? Der Mann schwebt in Lebensgefahr. Ich hörte es gegen ihn wieder besser. Aber Sie werden nicht aufhören, bis Sie ihn haben. Ich weiß, diese Kriegsverbrecher mögen es nicht, wenn ihre Missetaten ans Licht gezerrt werden. Tja, welcher Kriegsverbrecher mag das schon? Man hat ihn unter fadenscheiniger Begründung verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Ich weiß, ich habe die Bilder gesehen. So will die Staatsmacht Kritiker Mundtot machen. Aber unsere Geduld ist am Ende, Sherlock. Wir denken über starke Sanktionen nach. Ist das dein Ernst, Mycroft? England will Sanktionen verhängen gegen die USA? Sherlock, hast du dein Frühstück wieder mit einem Strohhalm durch die Nase gesaugt? Sanktionen gegen Russland natürlich. Wegen Assange? Wegen Navalny. Aber ich bin wegen Assange hier. Oh, diesen Verräter, der auf Wikileaks geheime Informationen hochgeladen hat. Ich dachte, du bewunderst die Enthüllung von Regierungsverbrechen. Natürlich. An Russland. Und im Westen? Das kann man nicht vergleichen. Weil man sonst merken würde, dass es fast dasselbe ist. Assange wird im Gegensatz zu Navalny nicht mit dem Tode bedroht. Wieso? In den USA steht auf Geheimnisverrat auch die Todesstrafe. Ja, aber er wird noch ausgeliefert, wenn sie nicht durchgeführt wird. Dann ist Russland humaner. Dort gibt es gar keine Todesstrafe. Tja, deswegen müssen die Russen ihre Regime-Kritiker ja auch vergiften. Grässliche Sache, nicht? Was wäre dir lieber? Vergiftung durch Novichok oder Hinrichtung durch Pento Babital? Wenn wir töten, Bruder, dann tun wir das aus guter Absicht. Wir mögen vielleicht Verbrechen begehen, aber wir sind keine Verbrecher. Hier ist der Beweis. Machst du bitte? Du weißt, dass ich keine Bilder vergesse. Das ist der Anfang des Videos, das Assange und Wikileaks veröffentlicht haben. Wenn es keine Verbrechen zeigt, wieso trägt es dann den Titel Collateral Murder? Vielleicht, weil sich dann mehr Menschen anschauen. Mir scheint, du bist nicht ganz unvereingenommen, Sherlock. Na ja, dann zeigen wir das Video jemandem, der unbedarfter ist als ich. Watson. Watson, was sehen Sie hier? Und Watson, was sehen Sie? Zivilismus. Zivilisten werden ohne Vorwarnung geschossen. Das ist ein Kriegsverbrechen. Brilliant, Watson. Sie sollten irgendwas mit Detektiv machen. Ich habe lediglich wahrgenommen, dass es hier um die Aufnahme einer MG-Bordkamera eines Apache-Kampfhubschraubers, Typ Youth A-64, der US-Truppen handelt. Einsatzgebiet Irak, Ajahida, östliches Bagdad, Zeitpunkt nach dem Schattenwurf am 12. Juli 2007, 9.50 Uhr. Er beschießt aus 400 Meter Entfernung eine Gruppe von Zivilisten, darunter zwei Reporter der Agentur Reuters, mit 30 Millimeter panzerbrechender Munition, obwohl es sich augenscheinlich um Menschenleben handelt. Oder um es mit den Worten meines Assistenten zu sagen? Ein Kriegsverbrechen. Was möchtest du noch wissen? Die Wurzel aus 9? 3. Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache. Nicht 3? Wie kann es sich um Kriegsverbrechen handeln, wenn die Täter US-Soldaten sind, die nie bestraft wurden? Ihr urteilt nach einem kleinen Ausschnitt. Aber entscheidend ist doch der Kontext. Würde man vom zweiten Weltkrieg nur Hiroshima zeigen, was wäre dann der Atombombenabwurf? Ein illegaler Angriffskrieg der USA und daher ein Kriegsverbrechen. Der Kontext. Ich vergaß den Kontext. Wie war der noch gleich im Irak-Krieg? Ein illegaler Angriffskrieg der USA. Hab ich schon Kriegsverbrechen gesagt? Ein Verbrechen an einem Verbrecher. Es kein Verbrechen. Es war ein Befreiungskrieg gegen einen Despoten. Aber der Krieg gegen Hussein war doch schon 2003 beendet. Mit welchem Recht massakriert vier Jahre später eine Hubschrauberbesatzung elf Zivilisten? Die befreien gegen Nahtlos in einem Bürgerkrieg über, in dem immer wieder auch mal tragischerweise unschuldige Mütter, Geschwister ums Leben kommen. Und wenn einer mitfühlen kann, wie es ist, wenn einem Bruder etwas angetan wird, dann ich, Sherlock. Mycroft, lieber würde ich ein 30-Millimeter-Geschoss in mir spüren als dein Mitgefühl. Hier handelt es sich nicht um Kollateralschäden. Völlig zurecht trägt das Video schließlich den Titel Collateral Murder. Die US-Soldaten befanden sich in einer gefährlichen Gefechtssituation. War das so? Laut Protokoll bestand dieses Gefecht darin, dass irgendjemand in der Nachbarschaft 30 Minuten vorher Gewehrfeuer gehört hatte. Ah ja? Zwei dieser Zivilisten trugen offenbar Waffen. Nur zwei von zehn? In Texas wäre das eine Friedensdemonstration. Im Irak war es Zivilisten gestattet, Waffen zu tragen. Das ist der Vorteil, wenn man von den Amerikanern befreit wird. Außerdem handelt es sich bei der zweiten Waffe um eine Canon EOS, Digitalkamera des Reuters-Journalisten. Das hätte ebenso gut eine Panzerfaust sein können. Nein, das kann nicht sein. Es war viel zu klein. Deswegen schießen die Amerikaner auch aus so großer Entfernung, damit man das mal verfechseln kann. Aber dass es sich um Bastarde handelte, konnten Sie aus dieser Entfernung eindeutig erkennen? Natürlich. Bastarde erkennen die Amerikaner daran, dass sie sie erschießen. Waren die Reuters-Journalisten auch Bastarde? Ja, weil sie keine Anstrengungen unternommen haben, sich kenntlich zu machen. Was hätten Sie tun sollen, den Presseausweis hochhalten? Der Hubschrauber war einen halben Kilometer entfernt. Einer der Journalisten hat ja überlebt. Ein paar Minuten, bis ein Van kam, um ihn zu bergen. Sie wissen schon, wie man das nennt, wenn man auf Verletzte schießt. Sagen Sie es, Watson. Kriegsverbrechen. Das ist es aber nicht, wenn in dem Wagen Waffen vermutet werden. Aber es waren zwei Kinder drin. Ja, hätte man Kinder drin vermutet, hätte man ja nicht schießen dürfen. Der Fahrer war auf dem Weg zur Schule mit den Kindern. Es kann ja nun schlecht jeder US-Pilot jeden Schulweg in Baghdad kennen. Aber es war nicht so, als wäre der Fahrer auf dem Weg zur Schule mit den Kindern. Es kann ja nun schlecht jeder US-Pilot jeden Schulweg in Baghdad kennen. Michael Hofdalheim, bei diesem Angriff wurden elf Zivilisten getötet. Sherlock, dem US-Militär ist es gestattet, pro Angriff bis zu 30 Zivilisten zu töten. Low collateral damage. Und wer hat das dem US-Militär gestattet? Das US-Militär. Ich wollte es nur noch mal von dir hören. Und ohne Assange und die Veröffentlichung von Wikileaks wüssten wir doch gar nichts von dieser bizarren Logik. Wikileaks hat unsere geheimen Kriegsregeln enttarnt und damit Menschenleben gefährdet. Aber die Iraker waren doch schon tot. Amerikanische Menschenleben. Wikileaks hat also die Zahl der Kriegstoten steil nach oben getrieben, weil durch die Veröffentlichung der US-Irak-Kriegstagebücher plötzlich 15.000 tote Zivilisten auftauchten, die es vorher gar nicht gab. Genau. Auch diese Toten gehen auf das Konto von Assange. Was ist das nur für ein Mensch? Vielleicht wirken diese Videobilder auch nur deshalb so verstörend, weil wir die Quelle noch gar nicht ausreichend diskreditiert haben. Vielleicht solltest du dich mal lieber mit dem Menschen Assange beschäftigen, Sherlock. Sherlock, hören Sie mal, was hier im Internet steht. Da steht Assange. Hat angeblich vier Kinder auf ebenso vielen Kontinenten. Man schreibt, er war wohl besessen davon, seinen Samen weltweit zu verteilen. Ein Superspreader. Nach der Veröffentlichung des Wikileaks-Videos 2010 geht er nach Schweden. Ja, weil er nur dort mit seinen Servern vor den Amerikanern sicher ist. Aber Frauen nicht vor ihm. Innerhalb von drei Tagen schläft er mit zwei Frauen. Mehrfach. Das ist nicht einfach. In München nennt man sowas Oktoberfest, soweit ich informiert bin. Ich schreibe auch einen Blog und veröffentliche brisante Geschichten seit Jahren und weit und breit keine... Grüß Sie, Mr. Watson. Nein! Ich meine, das ist zurzeit viel zu gefährlich. Kommen Sie, Watson. Wer sollte Sie schon vergiften wollen? Ich schon. Was? Tee. Aber gern, Sherlock. Danke, Ms. Hudson. So, Ihr Tee. Und denken Sie daran, ich bin nicht Ihre Haushälterin. Ich wusste es. Novičok? Blasen und Nieren-Tee. Assange hat es sogar geschafft. In der völligen Isolation der äquatorianischen Botschaft. Eine Frau zu... Ich kenne nicht mal das Wort dafür. Wo trifft man die da? In der Teeküche. Es war seine Anwältin. Also hier steht ja, Assange hätte zu einer der Schwedinnen gesagt, ich liebe es, Frauen zu schwängern. Am liebsten Jungfrauen. Der Kerl will wirklich jegliche Information verbreiten. Auch seine Erbinformation. Weitergeben an junge, unberührte Frauen. Sherlock, wie kann man so etwas nur tun? Wie kommt er dazu? Wie macht man so was, Sherlock? Wie? Ich habe Sex nie verstanden. Sie auch nicht? Nein. Schlicht gestrickte Menschen erzeugen ein neuronales Nervengewitter im Gehirn durch die Verkopplung von Körperteilen, die sonst achtlos in Klochschüsseln gehängt werden. Und vorher muss man auch noch Konversation betreiben. Eine der beiden Schwedinnen sagt, er habe im Schlaf mit ihr ungeschützten Sex gehabt. Die andere sagt, er hätte das Kondom manipuliert. Ja, man kann nichts für sich behalten. Bleiben Sie doch mal ernst. Sherlock, für die Staatsanwaltschaft ist das, wie ich hier lese, doppelte Vergewaltigung. Dabei wollten die Frauen eigentlich nur von der Polizei wissen, ob man ihn zu einem HIV-Test zwingen kann. Konnte Assange sich nicht vorher dazu äußern? Zu dem Zeitpunkt noch nicht. Später hat er dann gesagt, ich zitiere, Schweden ist das Saudi-Arabien des Feminismus. Kombiniere. Das schwedische Sexualstrafrecht ist ihm zu pingelig, weil man nicht ungestraft mit bewusstlosen Frauen Sex haben darf. Er sagt, ich zitiere noch mal, er sei in einem Westness des revolutionären Feminismus gelandet. Vielleicht hat er doch einen Stich. Vielleicht, denn er sagt auch, die CIA habe ihn in eine Falle gelockt. Lassen Sie mich raten, schwedische Feministinnen haben ihm im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes mit K.O.-Tropfen eine Erektion verschafft. Schlimmer, die Frau trug laut Assange einen, ich zitiere, Aufschlussreichen Rosa Kashmirpulova und habe mit ihm geflirtet. Sie hat mit dem Kashmirpulova geflirtet? Was weiß ich, ich kenne mich da nicht aus. So wie ich es verstanden habe, begann das Sex einvernehmlich. Aber spätestens, als er dem schlafenden Kashmirpulova beiwohnte, hörte er wohl auf, einvernehmlich zu sein. Kashmir war schon immer eine Konfliktregion. Halten wir fest. Google-Suche, Treffer für Assange Collateral Murder 673.000. Treffer für Assange Frauen etwas mehr. Zum Gleichstellungsbeauftragten würden wir ihn wohl nicht machen. Hier steht geschrieben, er sei nach England geflohen, um sich den Ermittlungen zu entziehen. Wasserwutzen? Nein, immer noch, viel zu gefährlich. Sherlock, ich habe hier Ihre Post. Sie brauchen nicht reinzugucken, ich habe es schon getan. Ihr Post von Wagner ist eine Krankmeldung. Ach so, hier müssten Sie sich kümmern. Das ist eine Mahnung wegen Kosten für Überwachungsmaßnahmen. Da ist noch so ein kleines I in der Mitte. Ich wusste gar nicht, dass Überwachungsmaßnahmen heutzutage noch was kosten. Die meisten lassen sich freiwillig überwachen. Schon allein mit ihren Payback-Karten. Sie brauchen den Menschen nur für 10.000 gesammelte Payback-Punkte einen Eierlöffel zu schenken. Und schon verraten die ihnen freiwillig, wann sie wo waren und was sie gekauft haben. Aus diesen Daten werden Profile erstellt. Die kaufen dann die Banken. Wenn sie dann von ihrer Gewohnheit abweichen, nehmen wir mal an, Sie bringen Ihre Freundin einen Immobilienmagazin mit. Dann guckt sich Ihre Bank das an und denkt sich, ach guck mal, Immobilienmagazin, kauft die doch sonst auch nicht. Tja, will die etwa umziehen. Na ja, dann lässt sie sich wohl scheiden. Dann kriegt man finanzielle Schwierigkeiten. Dann wird die Kreditwürdigkeit gesenkt. Ja, aber dafür hat man ja einen schönen Eierlöffel. Es ist echt so leicht, die Leute zu überwachen. Man braucht ja auch nur mal persönlich vorbeikommen und was anzubieten. Plätzchen, irgendwer? Sherlock, ich bin übrigens nicht Ihre Haushälterin. Hören Sie mal zu. Sherlock, draußen wartet Kundschaft. Soll reinkommen. Wir können jeden Auftrag gebrauchen. Guten Tag, Mr. Holmes. Wer sind Sie? Ich bin SPD-Vorsitzende. Das tut mir leid. Mein Name ist ... Sagen Sie nichts. Sie können also Sigmar Gabriel nicht ausstehen. Woher wissen Sie das? Wer kann das schon? Setzen Sie sich. Was kann ich für Sie tun? Ich habe etwas verloren. Also genau genommen meine Partei. 20 % der Wählerstimmen in den letzten 20 Jahren. Wegen der Agenda 2010. Mit wem wollen Sie nächstes Jahr zur Bundestagswahl antreten? Mit Olaf Scholz. Sie wollen Ihre Partei zur Altersstärke zurückführen zu einer Zeit vor der Agenda 2010. Sie tun das, indem Sie einen Mann zur Bundestagswahl nominieren, der als damaliger Generalsekretär nicht nur als Architekt der Agenda 2010 gilt, sondern diese unvermindert bis heute für einen großen Wurf hält. Wenn Sie das jetzt so formulieren ... Machen Sie, dass Sie rauskommen. Was für ein arroganter Schnösel. Jetzt kann ich ja gleich bei den Parteikollegen bleiben. Langweilig. Watson, lassen Sie uns was spielen. Ja, okay. Scherlock Holmes. Sind Sie jetzt ein Brettspiel? Ich bin darüber hinaus eine Kaffeetasse und eine BBC-Serie. Was ist das Ziel des Spiels, den Assistenten zu demütigen? Es geht darum, einen australischen Journalisten in ein amerikanisches Gefängnis zu bringen. Ich bin Assange und was ist mein Verbrechen? Journalismus? Nein, ich spiele die USA. Ich nenne das Spionage. Aber der Weg führt direkt ins Gefängnis. Da habe ich keine Chance. Das ist ja ein Rechtsstaat. Es gibt viele Gesetze, die Sie mir in den Weg legen können. Los, legen Sie los. Stopp, mir kann nichts passieren. Ich bin unschuldig. Dann schauen wir doch mal. In Schweden liegt eine Anzeige wegen Vergewaltigungen gegen Sie vor. Ich glaube, ich gewinne das Spiel. In Schweden bin ich Ihnen nicht ausgeliefert. Bis jetzt hat Schweden noch jeden an die USA ausgeliefert. Gut, dann gehe ich mal schnell zur Polizei und räume die Vorwürfe der Schwedinnen aus. Sie müssen sich nicht allzu sehr beeilen. Die stehen schon drin. Zwei Stunden, nachdem die beiden Schwedinnen bei der Polizei ausgesagt haben. Für mich nicht, ich kann kein Schwedisch. Aber Assange wollte doch immer Transparenz. Stopp, bevor nicht alle Seiten gehört werden, darf bei Sexualstraftaten der Name des potentiellen Täters nicht in der Zeitung erscheinen. Das ist in Schweden eine Straftat. Das ist aber in Amerika gerne gesehen. Wie sollten wir sonst den Ruf von Wikileaks beschädigen? Das ist doch kriminell. Wer macht denn so was? Schauen wir mal nach. Die Staatsanwaltschaft. Ich räume die Vorwürfe endgültig aus der Welt und gehe zur Polizeiwache zum zuständigen Polizisten. Der ist leider krank. Dann gehe ich zur Oberstaatsanwältin. Die ist leider verhindert. Aber ich kann doch hier nicht ewig Knäcke brunnen. Ich habe Arbeit. Ich muss zu einem Vortrag nach Großbritannien. Tach, vier. Schauen wir mal. Eins, zwei, drei, vier. Ah, europäischer Haftbefehl. Was? Die schwedische Staatsanwaltschaft hat mir gestattet, für einen Vortrag das Land zu verlassen. Ja, aber es liegt ja immer noch keine Aussage von Ihnen vor. Wir deuten das jetzt mal als Flucht. Steht auch so in der Zeitung. Aber ich habe einen Termin angeboten für eine Vernehmung. Der war leider zu spät. Wir glauben, dass Sie sich der Justiz entziehen wollen. Ich will nur nicht an die USA ausgeliefert werden. Dann komme ich. Können Sie mir das nicht garantieren? Das würde ich wahnsinnig gerne tun. Schauen Sie noch mal in die Spielanleitung. Worum ging es bei dem Spiel noch mal gleich? Aber so eine Nicht-Auslieferungsgarantie ist doch vollkommen normal. Ja, aber Sie sind ja nun nicht wirklich normal. Übrigens vertrauen Sie einfach auf die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz. Apropos, wir haben beim Spielaufbau ja völlig was vergessen. Wer sind die denn? Das sind zwei Asylbewerber, die in Schweden in ein Foltergefängnis entführt worden sind. Völlig unabhängig von schwedischen Behörden. Oh ja, nein, nein. Die schwedische Regierung hat das alles abgesegnet. Das hatte alles seine Ordnung. Mist. Was ist los? Ich verliere das Vertrauen in den Rechtsstaat. Das trifft sich gut. Die Briten haben auch das Vertrauen in Sie verloren. Da haben Sie schon mal was gemeinsam. Sie kommen in Auslieferungshaft nach Schweden. Sherlock, was machen Sie da? Ich lege Ihnen eine Fußfessel an. So. Jetzt bin ich dran. 2011, Urteil des Supreme Courts. Der Auslieferungsantrag ist rechtens ab nach Schweden mit Assange. Hören Sie, Watson? Wo ist denn Assange? Keine Ahnung. Schauen Sie doch mal in der Botschaft von Ecuador nach. Was machen Sie denn da? In der Öffentlichkeit sind Sie ein Vergewaltiger auf der Flucht. Dann verhören Sie mich doch in der Botschaft. Ich bin bereit. Bitte Sie an Australien. Er soll von Schweden in der Ecuadorianischen Botschaft auf englischem Boden vernommen werden. Das ist mir etwas zu multikulturell. Das wird dauernd gemacht. Es gibt extra ein Kooperationsabkommen für solche Fälle. Wir können auch sehr gerne ein Verhör per Video machen. Das ist doch nicht zielführend. Ich kann doch keine DVD in Guantanamo waterboarden. 2011, 2012, 2013. Tabletten? Ach, mein Gott, Sie sind ja völlig ins Spiel vertieft. Und ich habe echt schon gedacht, ich hätte einen Tonausfall. Mein Gott, hier sieht es ja aus wie bei Assange unterm Sofa. Ja, bei dem haben Sie ja in der Botschaft alles mit Kameras übermacht. Und mir Mikro abgehört. Rund um die Uhr, jahrelang, auch auf der Toilette. Das muss sich da auch alles jemand angucken. Ich meine, nur feste Kamera, keine Handlung, nur Dialoge. Alle 20 Minuten läuft eine Katze durchs Bild, wie französisches Autorenkino. Ja, gibt halt für alles einen Markt. Vor allen Dingen in Amerika. Ja, Regiegeführt hat ja so eine spanische Sicherheitsfirma. Aber produziert wurde das Ganze dann ja doch von C&A. Also die mit dem I in der Mitte. Als der Assange das gemerkt hat, hat er einen Störsender installiert, damit er nicht weiter abgehört werden kann. Na ja, da hat man halt die Fensterscheiben von außen mit einem Spezialleser abgetastet und konnte über die Vibration des Glases trotzdem weiter mithören. Was für ein Aufwand. Hätte doch völlig gereicht, wenn ab und zu eine Haushälterin reinkommt. Was machen Sie da, Miss Hartzen? Blumen wischen. Ich meine Staub gießen. Ah, danke, Miss Hartzen. Können Sie das bitte noch mal sagen? Mit dem guten Ton sonst zahlt er nicht. Und ich bin nicht Ihre Haushälterin. 2014, 2015, 2016. Hören Sie das? Nein. Das sind die Mühlen der Justiz. Also mir reicht's. Ich will jetzt eine entweder Vernehmung oder Einstellung des Verfahrens. Na, dann schauen wir doch mal. Hey, Sie haben Glück. Die Schweden wollen das Verfahren tatsächlich einstellen. Ja, aber die britische Strafverfolgungsbehörden schreiben einen Brief an die schwedische Staatsanwaltschaft. Ich zitiere, wagte es bloß nicht, kalte Füße zu bekommen. Schicht doch mal eine Gemeinschaftskarte. Was steht da? Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Festnahmen verurteilt die ungewöhnlich lange Dauer der Ermittlungen gegen Assange. Wer redet denn hier von Willkür? Das ist doch geplant. Und was ist mit der Unschuldsvermutung? Schauen wir mal nach. Jedermann hält sie für einen Vergewaltiger. Obwohl es doch gar keine Verhandlung gab. Faszinierend. Eine Ereigniskarte. Guck mal, November 2016. Die schwedische Staatsanwaltschaft kommt zur Vernehmung in die Londoner Botschaft. Und was passiert nach dem Verhör? Ich gratuliere. Jetzt feiern wir 9 Jahre Vorermittlung. Schauen Sie. Ich sitze jetzt seit 7 Jahren in der Ecuadorianischen Botschaft. Die ist ganz winzig. Was glauben Sie, was das mit mir macht? Für uns ist das auch nicht einfach. Diese Doppelbelastung, die wir in den letzten 7 Jahren in der Ecuadorianischen Botschaft haben. Die ist ganz winzig. Was glauben Sie, was das mit mir macht? Für uns ist das auch nicht einfach. Diese Doppelbelastung. Wir führen ja nicht nur Vorermittlungen durch, sondern auch Vorverurteilungen. Lassen Sie uns diese unwürdige Situation einfach beenden. Na endlich! Was machen Sie da? Ich nehme Sie fest. Die britische Polizei geht in eine fremde Botschaft, um einen Flüchtling festzunehmen. Das gab es noch nie. Ecuador hat Ihnen das Asyl entzogen und Ihnen den Pass weggenommen. Haben Sie erfahren, warum Ecuador jetzt umschwenkt? Sie waren unhöflich. Außerdem haben Sie die Katze schlecht behandelt. Ich? Eine Karte. Ecuador bekommt einen IWF-Kredit. Das ist die Karte für Verschwörungstheoretiker. Die nächste wäre für Sie. Was steht da? Sie werden in London zu 9 Monaten Isolationshaft verurteilt. Diese Entscheidung fiel aber nur 15 Minuten. Jetzt geht es mal zügig. Dann ist es Ihnen auch wieder nicht recht. Aber die Flucht in die Botschaft war nur ein Verstoß gegen Kautionsauflagen. Dafür gibt es normalerweise nur Bußgelder. Aber nicht für, ich zitiere mal den Haftrichter, egoistische Narzisten. Noch eine Karte. Gute Nachrichten. November 2019. Schweden stellt die Ermittlungen ein. Ich komme frei. Es gibt keinen Auslieferungsantrag mehr aus Schweden. Leider gibt es da seit Juni 2019 die Auslieferungsbegehren der USA. Sie bleiben solange in Einzelhaft, bis die Sache geklärt ist. Also hier steht, Pinochet durfte seine Auslieferungshaft von 1998 bis 2000 in einer englischen Nobile abverbringen. Sind Sie ein chilenischer Diktator? Nein. Pinochet hat tausende Regime-Kritiker spurlos verschwinden lassen. Sie haben tausende amerikanische Leichen aus dem Keller geholt. Kennen Sie den Unterschied zwischen Assange und Pinochet? Pinochet wurde nicht ausgeliefert. Könnte es sein, dass ich kein faires Verfahren bekomme? Sie meinen, weil die zuständige Richterin Zuwendungen von einer Sicherheitsfirma bekommen hat, deren Machenschaften Wikileaks aufgedeckt hat? Ja. Schauen wir mal. Nein. Schlimmer als Großbritannien kann es ja wohl nicht werden. Sind Sie sicher? Ziehen Sie doch mal noch eine Karte. Ich werde ausgeliefert. Und wenn ich ausgeliefert werde, dann werde ich vor einem geschworenen Gericht im Virginia angeklagt. Das sind doch lauter Laien. Nein, Sie haben Glück. Das sind alles Experten. Das Gericht muss ja die Zusammensetzung der Bevölkerung repräsentieren. Und in dieser Stadt arbeiten 85% der Einwohner bei Geheimdiensten. Das heißt, 85% meiner Richter sind beim Geheimdienst? Toi, toi, toi. Die Anklage erfolgt übrigens nach dem Espionage-Akt. Für ein Kriegsverbrechen kriegt man in Den Haag 45 Jahre. Aber für die Aufdeckung eines Kriegsverbrechens kriegt man 175 Jahre? Wie soll denn da Völkerrecht durchgesetzt werden? Moment, ich schau mal nach. Gar nicht. Schauen Sie, die USA verhängen 2020 sogar Sanktionen gegen die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Weil die auch amerikanische Kriegsverbrechen untersuchen lassen will? 175 Jahre? Das fühlt sich an wie lebendig begraben. Nein, das Gesetz ist ja aus dem Jahr 1917. Seitdem ist die Lebenserwartung doch immens gestiegen. Wenn Sie Glück haben, erleben Sie ein Drittel Ihrer Haftzeit. Vielleicht kriege ich ja doch einen Freispruch. Immerhin arbeiten 15% der Geschworenen nicht beim Geheimdienst. Das ist gut so. Bleiben Sie positiv. Nicht daran denken, dass es immer dieselbe Richterin ist, die entschieden hat und dass es noch nie einen Freispruch gab. Glauben Sie ernsthaft? Ich habe in diesem Spiel so viel Mühe, um Sie dann am Ende laufen zu lassen. Aber warum gibt es da keinen Aufschrei? Also alles, was Sie hier gerade erzählt haben, habe ich noch nie in der Zeitung gelesen. Und ich lese wirklich alles über diesen Typen. Haben Sie an der Tür gelauscht, Miss Hudson? Scholleck, was fällt Ihnen ein? So was macht nur eine Haushälterin. Dieser Raum bergt keine Geheimnisse mehr. Kommen Sie, Watson. Wo wollen Sie hin, Sherlock? Wir brauchen einen Ortswechsel. Und wir haben nicht mehr viel Zeit. Watson. Sie sind schon hier? Öffentlicher Nahverkehr. Aber wo sind wir hier eigentlich? Und warum sind wir hier? Das kann ich Ihnen sagen. Woher wissen Sie das? Ich weiß alles. Mein Name ist Charles Organ. Und ich bin hier. Und ich bin hier. Und ich bin hier. Und ich bin hier. Und ich bin hier. Ich weiß alles. Mein Name ist Charles Augustus Magnuson. Ich bin Medienmogul. Der geilste und abgefeinteste von allen. Sie klingen genau wie Julian Reichelt. Inhaltlich ist da kaum ein Unterschied. Herzlich willkommen in meinem Archiv. Apple Door, Mr. Holmes. Hier sammle ich alle Informationen über alle. Alle Informationen über alle Menschen. Und wo? Na hier, hier drin. Sie haben sämtliche Informationen über die gesamte Menschheit auf Mikrochips gespeichert. Auf Karteikarten. Schauen Sie mal. Das ist analog. Und abhörsicher. Da habe ich alles. Prominente oder hier auch ein Systemkritiker. Sehr bekannt von vor einigen Jahren. Hat Bürgerrechtler und Homosexuelle als senile Trickbetrüger. Quasi liberale Wichser und Schwuchteln bezeichnet. Einwanderer gerne als Barbaren. Organisierte Kriminelle. Kakalaken. Was hat Assange gesagt? Nein, Navalny. Der Navalny? Ja. Ich kenne ihn eher als mutigen Oppositionellen. Er ist auch Rassist, Fremdenfeind und Nationalist. Das liest man eher selten. Weil er gegen Putin ist. Das gleicht das wieder aus. Diese alten Zitate ziehen wir erst dann wieder hoch, wenn er uns nichts mehr bringt. Sherlock, einen Tee? Ja, gern. Öffentlicher Nahverkehr. Haben Sie das schon gelesen? Assange soll in der Botschaft die Wände mit Kot beschmiert haben. Entschuldigung, ich hätte auch gerne einen Tee. Ich bin nicht Ihre Haushälterin. Na gut. Was halten Sie von der Story mit dem Kot? Ich halte Sie für eine meiner plumperen Arbeiten. Vielleicht etwas anderes, etwas weniger fekales? Assange hat seine Katze misshandelt. Das habe ich auch gelesen. Vielleicht hat er sie sogar umgebracht und sich aus ihr einen Bart gebastelt. Das glaubt doch niemand. Was erwarten Sie von einem Mann, der seine Wände mit Kot beschmiert? Stimmt, das passt ins Gesamtbild. Durch seine Informationen kamen unschuldige Informanten ums Leben. Das wurde schon längst widerlegt im Prozess gegen Chelsea Manning. Das stimmt nicht, hat ein CIA-Offizier ausgesagt. Ach, Sie glauben doch nicht wirklich, dass der CIA eine vertrauenswürdige Quelle ist. Sehen Sie denn nicht, Watson, dass der Herr von der USA absurde Behauptungen aufstellt? Und zwar so lange, bis irgendetwas bei den Menschen hängen bleibt. Die Frage ist nur, warum tut er das? Von wem werden Sie bezahlt? Arbeiten Sie für die Amerikaner? Vielleicht. Vielleicht will ich auch einfach nur Zeitungen verkaufen. Vielleicht genieße ich es schlicht und ergreifend, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Aber immer nur Kot und Katzen, das reicht doch gerade für ein Herz für Tiere. Wie wäre es dann hier mit Julian Assange hat mithilfe des russischen Geheimdienstes Daten vom Server der Demokraten heruntergeladen und so Hillary Clinton diskreditiert und Trump geholfen. Und wie haben Sie das herausgefunden? Nun, genau an dem Tag hat man seinen Kontaktmann dabei gefilmt, wie er Assange den USB-Stick in die Botschaft bringt. Schauen Sie mal. Das ist aber ein großer USB-Stick. Oh, ein älteres russisches Modell, zusammengeschraubt aus ehemaligen Bauteilen der Raumstadt. Das haben Sie nicht ernsthaft verbreitet. Doch, lief als Meldung bei CNN. Aber das war kein Spion, sondern ein Kunstmaler, der Assange ein Bild übergeben wollte. Natürlich war das Unsinn, aber es passte uns ins Gesamtbild. Sie bezeichnen das nicht wirklich als Journalismus. Julian Assange und WikiLeaks sind schließlich auch kein Journalismus. Höchstens Informationsmakler. Journalisten handeln ja nicht mit Informationen. Sondern mit Meinungen. Sehen Sie, Mr. Holmes, es ist mir ganz egal, ob Julian Assange ein Held, ein Verräter oder beides oder nichts davon ist. Selbst die größte Lichtgestalt wirft einen Schatten. Und den sammle ich hier. Sie langweil mich. Auch so bleiben Sie doch, Mr. Holmes. Ich arbeite auch schon an einem Nachruf. Junge Welt, der Weinmehrtyrer, die Bild, der gerechte Tod für den Verräter oder vielleicht doch für die Tiere. Julian Assange öffnet eine Capoeira-Schule für Kashmir. Also Sie sitzen hier wirklich auf dem Gipfel der Blödheit im Tal der Idiotie. Das ist eine gute Schlagzeile, die bringe ich als nächstes. Nun Bruder Herz, wie laufen die Ermittlungen? Sehr gut. Ich fühle mich ausgezeichnet in Form. Mit anderen Worten, du hörst nichts. Ich könnte jetzt enttäuscht sein, aber dann hätte ich anderes erwarten müssen. Nun gut, ich möchte deine Fertigkeiten überprüfen. Komm doch mal her. Schau dir das an. Was siehst du? Was haben wir da? Ein Mann, weiß, um die 50, Europäer, vielleicht Commonwealth, unterernährt, trägt Spuren von Verwirrung, Depression, vielleicht gefoltert, ausgestellt wie ein Schwerverbrecher. Es könnte sich um einen Schauprozess gegen einen Journalisten handeln. Vielleicht Moskau ist aber London. Old Bailey, das ist Julian Assange. Er ist es. Warum behandelt man ihn wie Hannibal Lecter? Der Überbringer der schlechten Nachricht wird bestraft. Pausanias, Bruder Herz, Pausanias. Schlechte Botschaft, wohl eher mutige Leistung. Komm schon, Mycroft. Selbst Chelsea Manning, seine Informantin, wurde begnadigt. Chelsea Manning? Ich bevorzuge Chelsea London. Obwohl die wohl auch von den Russen finanziert werden. Was sagt der eigentlich? Ich verstehe ihn gar nicht. Nun, ich verstehe auch vieles nicht, was um mich herum passiert. Akustisch meine ich. Das sind doch Nuancen, Sherlock. Entscheidend ist, dass wir die Meinung von anderen respektieren. Und ich respektiere seine Meinung. Und das, obwohl ich sie gar nicht verstehe. Mehr kann doch Demokratie wohl nicht leisten, oder? Demokratie? Du beliebst zu Scherzen. Der Mann sitzt seit April in einem Gefängnis, das das britische Guantanamo genannt wird. Wusstest du, dass nur ein einziger Journalist zum Gerichtssaal zugelassen ist? Das liegt an Covid. Zum Fußball dürfen teilweise überhaupt keine Zuschauer. Und im Vorraum sitzen fünf Reporter vor einem Bezug auf den Ton von Assange. Und am Ende des Tages berichtet dann der Reporter drinnen, denen draußen mündlich was drinnen passiert ist. Nennst du das freie Berichterstattung? Früher nannte man das stille Post. Kleiner Schaf. Nein, das sind Hygienemaßnahmen. Man will verhindern, dass Assange noch andere Menschen infiziert. Unabhängige Prozessbeobachter sind nicht zugelassen. NGOs wie Amnesty wurden untersagt, das Verfahren per Video zu verfolgen. Ist das auch Covid? Der Link hat sowieso nicht funktioniert. Die Anwälte hatten sechs Monate keinerlei Kontakt zu ihrem Mandanten. Dann wurde die Anklage umgestellt und die Verteidigung bekam gerade mal 30 Minuten, um sich darauf vorzubereiten. In 30 Minuten löst du doch schon so manchen Fall, oder? Das ist doch alles eine Frage der Organisation. Aber Assange kann sich nicht organisieren. Man hat ihm die Lesebrille weggenommen, seine Unterlagen, den Computer. Den Computer natürlich. Der Mann ist Hacker. Drogendealer erhalten in der Haft auch keinen Spritzbesteck. Aber Assange kann einen Blickkontakt zu seinen Anwälten bekommen. Das ist jetzt wirklich Haarspalterei. Sherlock. Ohne Brille sieht der Mann sowieso nichts. Er sitzt in Handschellen, muss sich mehrmals am Tag an- und ausziehen, wird gescannt. Sitzt er nicht doch hier in Nordkorea? Nein, wir befinden uns in England, der ältesten Demokratie der Welt. In dem Zustand befindet sie sich auch. Assange darf seine Kinder nicht sehen, sitzt 23 Stunden am Tag in Isolationshaft. Der UN-Sonderberichterstatter Melzer folter? Ausgeschossen. Wir lehnen Folter entschieden ab. Es kann sich allenfalls handeln um... Um was? Um erweiterte Verhörmethoden. Er sprach von weißer Folter. Oh, beleidige bitte nicht meine Intelligenz. Schwarze Folter, weiße Folter. Ich meine, dieses Schwarz-Weiß-Denken sollten wir nun wirklich hinter uns gelassen haben, oder? Die Pressefreiheit steht auf dem Spiel. Bruder, verstehst du das nicht? Er hatte doch Partner, die New York Times, Guardian, Spiegel. Er sitzt ja allein im Glaskasten. Er sitzt stellvertretend da, damit seine ehemaligen Partner ein Gefühl dafür bekommen, was ihnen blüht, wenn sie Informationen weitergeben, die die Sicherheit des Westens bedrohen. Du meinst amerikanische Kriegsverbrechen? Ich meine gar nicht. Ich habe nur laut nachgedacht. Aber das klappt doch schon nicht, wenn du es leise tust. Hier wird vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein Exempel statuiert. Du meinst die zwei Augen dieses einen Journalisten, der da... Vielleicht protestieren deswegen so wenige Menschen, und da zeichnen so wenige Menschen die Petition von Reporter ohne Grenzen, die eine Auslieferung von Assange verhindern will. Weil wir ihnen erzählt haben, dass das eigentlich Interessante die Person Julien Assanges ist. So wie ich es dir gesagt habe. Die meiste Zeit der Sendung warst du damit beschäftigt, dich mit dem Menschen Assange zu beschäftigen und hast dabei völlig vergessen, dass es gar keine Rolle spielt, was für ein Mensch er ist. Hauptsache, niemand redet mehr von den eigentlichen Verbrechern. Brilliant, Sherlock. Aber wenn wir nicht von den Tätern sprechen, warum reden wir nicht irgendwann mal von den Opfern? Er hat drei Kinder. Er war glücklich mit seiner Familie, mit seinen Kindern. Er ist ein guter Mensch. Er hat ein gutes Herz. Er hilft den Menschen. Obwohl das Video sehr traurig war, aber vielen Dank an dich, dass du es für die Welt erklärt hast, obwohl es sehr einfach ist, dass man in der Welt von den Städten von den amerikanischen Städten verfreien wird. Auch wenn sie in der Regierung 100 oder 170 Jahre lang von dir vertreten sind, das ist deine Ehre, weil du ein Mensch bist. Du überraschst mich, Sherlock. Du bist Romantiker, ohne Realitätsbezug? Ich bin hochfunktionaler Soziopath. Aber ich habe ein anderes Bild von Gerechtigkeit als du. Das will ich hoffen. Willst du es mir zeigen? Es gäbe nichts, was ich lieber täte, Bruder. Ich kann dich leider nicht verstehen. Weder intellektuell, noch akustisch.