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Lieferkettengesetz

Lohn für Kakaobauern in Afrika, Kakaoplantagen, Große Schokoladenkonzerne gegen kleine Schokoladenkonzerne, Handeln des CDU-Wirtschaftsrats und der Regierung, Analyse und Kritik am Lieferkettengesetz

Zusammenfassung KI, aus dem Transkript

Die Episode 'Lieferkettengesetz' in 'Die Anstalt' thematisiert die komplexen und oft problematischen Zusammenhänge globaler Lieferketten. Sie kritisiert die Ausbeutung von Arbeitskräften, insbesondere in der Schokoladen- und Textilindustrie, sowie die Rolle von Zertifizierungsstellen und Social Audits, die oft nur eine Fassade darstellen. Die Satire beleuchtet die Macht von Großkonzernen und Lobbygruppen, die die Gesetzgebung beeinflussen und somit die Durchsetzung von Menschenrechten behindern. Das Lieferkettengesetz selbst wird als unzureichend und wenig wirksam dargestellt, da es die Verantwortung auf Unternehmen mit hoher Mitarbeiterzahl verlagert und somit die eigentlichen Ursachen der Ausbeutung nicht adressiert. Die Episode verdeutlicht die systemische Natur der Ungleichheit und die Notwendigkeit einer umfassenden, verbindlichen Regulierung.

Transkript 5.792 Wörter

Damit das klar ist, Herr von Wagner, noch einmal eine Tafelnummer und ich schreie. Okay, das hatten wir ausgemacht. Keine Tafelnummer. Wie besprochen. Dann ist das ja wenigstens... Was ist das? Von einer Würfelnummer war nie die Rede. Die Tafelnummer Herzlich willkommen in deinem Globalmarkt. Globalmarkt. Wir drücken Lebensmittel. So, Müsli. Hemd. Eier. Kaffee. Snickers. Äh, passt. Kakao. Brauchen wir noch was? Laptop. Schokolade. Hör mal, hör mal. Ich seh die mit den Nüssen gar nicht. Witzig. Ha. Lecker. Kommt. Hör mal, Hilde. Wir sind fertig. Komm. Aber, Herbert. Ich weiß nicht auch manchmal, wo das alles herkommt. Na, von da. Sie wollen wissen, wo Ihre Schokolade herkommt?

Wir hätten eine Sonderaktion. Frische Informationen von Ihrem Marktleiter. Das bin ich. Hör mal. Bist du denn für einer? Darf ich mal? Ich rieche Kakao. Von der Cote d'Ivoire. Sie haben natürlich keine Ahnung, wo das liegt. Nicht wahr? Sag mal, Afrika? Gut. Und wo genau? Kleines Spiel gefällig? Einen Moment. Einfach Stopp sagen. Stopp. Nein, falsch. Kleiner Tipp. Hieß Röhr Elfenbeinköße. Hör mal. Da ist doch vom Gnabry sein Vater Mutterland. Das hab ich nicht verstanden. Hier. Hier ist es. Hab ich doch gesagt. Nein. Und da sitzen jetzt die Schokoladenspezialisten. Die Kakaospezialisten. Zwei Drittel aller Kakaobohnen kommen tatsächlich aus Westafrika. Aus Ghana. Und von der... Cote d'Ivoire.

Fast. Jetzt steht hier aber, dass die Schokolade aus Deutschland kommt. Ja, woher auch sonst? Ich dachte, die tut aus Afrika kommen. Wie denn? Sieht man, in Westafrika, da gibt es gerade mal eine richtige Schokoladenfabrik. Deutschland dagegen ist der größte Schokoladenfabrikant der Welt. Und wieso machen die die Schokolade nicht selber? Jetzt, an der Stelle hätte mal jemand gebraucht, der den Kakaobohren, glaube ich, hätte verkörpern können. Weiße Schokolade. Servus. Servus. Servus. Braucht ihr mich für den Sketch? Nein, auf keinen Fall. Aber ganz lieb, danke. Danke. Ich könnte so einen Kakaobohren spielen. Danke. Ja, voll gerne. Equipment. Okay.

Der Herr hat gerade erklärt, dass die Schokolade geerntet wird in Ghana. Côte d'Ivoire. So ähnlich, Herbert. Der Kakao wird geerntet und bei uns dann veredelt zu Schokolade. Das nennt man das Wunder des Freihandels. Oder Kolonialismus. Wussten Sie eigentlich, dass Edeka für Einkaufsgenossenschaft als Realwarnhändler steht? Warum heißt er dann nicht Edeko? Das Wunder des Freihandels ist doch, dass jeder das macht, was er am besten kann. Und dass am Ende alle davon profitieren. Außer wir Bauern. Wir halten nur 6% des Endpreises der Schokolade. Das heißt, wir ernten und Sie verdienen. Wie gesagt, jeder tut das, was er am besten kann. Und Sie können am besten Kolonialismus. Kapitalismus.

Wir können Kapitalismus. Kapitalismus, der ihn befreit hat und zu einem Marktteilnehmer gemacht hat. Und was ist der Unterschied? Nun, sind Sie im Kolonialismus, da haben die Kolonialherren damals selber die Plantagen betrieben. Das überlassen wir jetzt den Bauern. Mit einem großen Erfolg. 6 der 23 Millionen Einwohner der Côte d'Ivoire leben vom Kakaoanbau. Ja, wenn Sie mit leben meinen, dass wir teilweise nicht mal die Herstellungskosten reinkriegen, dann ja. Ich glaube, dass Sie sich da ein bisschen über Ihren Tisch ziehen lassen, junger Mann. Die Einbauern verkaufen ihren Kakao lediglich an drei Monopolisten. Zwischenhändler. Kagel, Kalbo und Olam.

Aber das ist ja eine wunderbare Position, wenn Sie mit Millionen Bauern gegenüber ... Drei Global Player. Als Bauern. Was glauben Sie, wir da den Preis machen? Der Markt. Die Macht. Der Markt macht den Preis. Der Preis ist zwischen Angebot und Nachfrage an der Börse. Nur kriegen wir ausschließlich Angebote, die wir nicht ablehnen können. Unser Angebot heute. Frische Änderungen in Baerbocks Lebenslauf. Greifen Sie jetzt zu. Morgen sind Sie vielleicht schon schlecht. Sie hätten theoretisch sich auch aus dem Markt zurückziehen können. Das hätte das Angebot verknappt. Und den Preis erhöht. Ja, genau. So wie der Diopek macht.

Die Schokolade wird doch auch nicht schlecht, wenn man es nicht verkauft. Unsere Kakaopflanze schon. Mein Gott, dann machen Sie die Schokolade eben selber. Kleiner Typ von mir, backen Sie ordentlich Nüsse rein. Dann verkauft sich das wie Nussschokolade. Gute Idee. Einen freien Handel verbietet ihn ja auch niemand. Aber wir können doch nicht konkurrenzfähig produzieren gegen diese riesen Schokokonzerne. Sehen Sie, die haben sich eben am Weltmarkt durchgesetzt. Ja, die sind groß geworden in einer Zeit, wo wir uns gar nicht wehren konnten. Weil die nämlich durch Schutzzölle ihre Industrie schützen konnten. Das gebe ich zu, das ist unser Fehler. Wir haben den Freihandel zu spät erfunden.

Aber jetzt ist er ja da. Das finde ich aber unfair. Der Arme hat einen empfindlichen Rohstoff, der ihn erpressbar macht. Keine Chance, eine eigene Industrie aufzubauen und als Handelspartner profitgierige Monopolisten. Die beliebig die Preise drücken können. Schließlich können Gewerkschaften und Streiken immer schön untergeputtert werden. Was? Schämen Sie sich? Der macht Kinderarbeit. Was? Ja, in Westafrika arbeiten ca. 1,5 Millionen Kinder. Teilweise auch als Sklaven. Wirklich? Ja, aber das ist nur eine logische Konsequenz von jedem niedrigen Preisen hier. Bei dem ist der Bauer ja gezwungen, seine Ausgaben zu reduzieren. Aber was denn sonst, wenn der Börsenpreis in den Boden fällt?

Also wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich Ihnen das nicht abgekauft. War denn der Hinweis mit der Kinderschokolade zu subtil oder wie? Hör Sie mal, warum sind Sie denn da so doof am Rumgrinsen? Finden Sie das etwa lustig? Nein, Kinderarbeit ist ein sehr ernstes Thema. Deswegen haben sich die Schokokonzerne auch 2005 verpflichtet, Kinderarbeit endgültig zu beseitigen. Dass Ihnen das wichtig ist, beweist, dass Sie das noch einmal bekräftigt haben. 2008, 2010 und 2020. Was er damit eigentlich sagen will, ist, dass in all den Jahren die Kinderarbeit wieder angestiegen ist. Naja, vielleicht ist das ja Tradition bei Ihnen. Nee, das würde ich nicht sagen.

Sehen Sie die ersten Berichte über Kindersklaven auf den Kakaoplantagen, die gibt es aus dem Jahr 2000. Das war just zu einem Zeitpunkt, wo der Kakaopreis den niedrigsten Stand seit 150 Jahren erreicht hat. Dann müsste man ja einfach nur den Preis für Kakao stabilisieren. Ja, aber Preise müssten schwanken. Sehen Sie, sonst kann man nichts verdienen an der Börse. Man kann eine schlechte Börse hingehen und sagen, na, heute mal nicht so volatil, Mademoiselle. Was hast du zu meiner Hilde gesagt? Nein. Herr Bert, also ich habe gelesen, dass in Deutschland mal ein hoher Festpreis für Schokolade da war. Machen Sie das doch wieder. Hab ich nix gegen. Ruhig auch bei denen mit Nissen.

Wussten Sie, dass bis 1964 in Deutschland eine Tafelschokolade verpflichtend so viel gekostet hat wie etwa, sagen wir, ein Friseurbesuch? Auf der anderen Seite, nationale Alleingänge nützen ja niemanden. Nein, damals gab es sogar weltweit Festpreise für Lebensmittel-Rauschstoffe. Tatsächlich, 1962 wurde unter Schirmherrschaft der UN eine Art OPEC gegründet für Kaffee. Nun, man hat den Bauern einen Festpreis bezahlt. Die Schwankungen des Marktes wurden ausgeglichen. Und den afrikanischen Kaffeebauern ging es so gut wie nie zuvor. Aber... Aber wat?

Die USA haben so einem Abkommen ja nur zugestimmt, weil sie befürchteten, dass verarmte Kaffeebauern sich Kommunisten anschließen, um den Kapitalismus zu besiegen. Und dann? Dann hat der Kapitalismus gewonnen. Dann war mein Wohlstand ein Relikt des Kalten Krieges. Das heißt, wir müssen ja jetzt nur in Russland die journalistische Revolution anzetteln, um die Kaffeepreise in Afrika zu am stabilisieren sein. Hör mal, Herbert, ich weiß nicht, wie du das anstellen möchtest. Du wolltest nächste Woche auch noch den Zaun streichen. Ja, schade. Ich hätte Ihnen da wirklich gerne, aber Sie hören es ja selbst. Aber von Unterdrückung brauche ich Ihnen ja nicht.

Ende des Kaffeeabkommens hat sich der Preis für eine Tonne Kaffeebohnen fast halbiert. Na ja, gut, dass Sie Ihnen Kakao machen. Halbiert. Also, ich wäre schon bereit, etwas mehr für eine Tafel zu bezahlen, wenn die Bauern dafür davon überleben könnten. Wie viel wäre das denn? 5 Cent. 5 Cent, Hilde. Das läppert sich. Für eine gute Sache musst du auch mal Opfer bringen, Herbert. Ja, gut. Aber nicht alle Nüsse sparen, das merke ich. Schokolade ist leider eines der wenigen Produkte, wo sich die Kunden den Preis gemerkt haben. Da können wir nicht ran. 5 Cent. Die könnte doch die Supermärkte zahlen. Sind Sie verrückt? Dann geht Ihnen ja die Marge flöten.

Nein, wir haben ja längst eine marktbasierte Lösung. Sehen Sie, Menschen, die wollen, dass er überlebt. Die greifen zu fairen Produkten. Und Menschen, denen er nicht so wichtig ist, die können weiterhin sparsam einkaufen. Freiheit. Wir Bauern müssen für eine Zertifizierung von fairen Produkten zahlen. Und selbst dann haben wir keine Garantie, dass uns jemand abkauft. Und selbst wenn reicht das nicht für ein existenzsicheres Einkommen. Der Anteil von fairen Produkten liegt weltweit bei unter einem Promille. Meister, aber das heißt doch, früher als es noch Kommunismus gab, da gab es hier noch für alle.

Und jetzt, wo der Kapitalismus herrschen tut, da geht es für eine Hand voll gerade mal ein bisschen mehr als nix. Das gibt mir auf die Nüsse. Los Hilde, wir sind fertig. Vielen Dank für Ihren Einkauf. Das ist eben das Wunder einer fein austarierten Lieferkette. Darf ich fragen, was Sie da machen? Die Leute müssen wissen, was in dieser Blackbox passiert. Nein, es reicht, wenn die Leute wissen, das hier ist eine fein austarierte Wertschöpfungskette. Das ist eine Wertabschöpfungskette. Nein, schnippen Sie doch nochmal. Sie meinen? So, hier. Was ist das? Schauen Sie mal da rein. Na, wenn Sie drauf bestehen, schaue ich dann natürlich. Ein wunderbar idyllisches Dorf.

Sagen Sie, das ist doch in Afrika. Ja, das ist das Dorf Hamdaliye in Guinea. Das sieht ja grauenhaft aus. Was ist denn so grauenhaft an Mangobäumen und gemütlichen Hütten? Was? Ich sehe nur roten Staub, keine Vegetation, kein Schatten. Herr Piers, kommen Sie auf diese Seite der Lieferkette. Hier ist es viel hütscher. Warum ist es bei Ihnen viel hübscher? Weil er auf das Vorherfoto schaut. Sie sehen das jetzige Dorf Hamdaliye. Für die Erweiterung einer Rohstoffmine wurde das Dorf, das er so idyllisch findet, beseitigt. 12 weiteren Dörfer, die sind auch bedroht. Und was wird in der Miene abgebaut? Menschenrechte? Bauxit. Bauxit, Grundstoff für Aluminium.

Aluminium, Grundstoff für Getränkedosen, Blechdosen und George Clooney's Kontostand. Was er wie immer vergisst zu erwähnen, sind die Aarobytes-Plätze, die durch die Erweiterung der Miene gesichert werden. Ach so, also die Bewohner verlassen ihr Dorf für eine Miene, in der sie dann Arbeit finden. Die verlassen ihr Dorf nicht. Die werden zwangsum gesiedelt. In diese öde Marslandschaft. Naja, die bietet viel Platz für Träume von einer blühenden Zukunft. Der Boden ist für die Landwirtschaft vollkommen ungeeignet. Da wächst gar nichts weit und breit. Ich sag ja viel Platz. Naja, aber ich mein, wenn die dann in der Miene Arbeit finden? Noch finden da keine Arbeit.

Moment, Sie haben doch was von Arbeitsplätzen gesagt. Ja, in Stade, bei Hamburg. Bei der AOS, der Aluminiumoxid Stade. Diese Firma bietet immerhin 500 einheimische Arbeitsplätze. Diese Firma ist übrigens eine Tochter der DATCO GmbH. Diese DATCO gehört zum Konsortium, der 51% der CBG gehört eben jenem Konzern, der Ingenieur für Vertreibungen, Land- und Wasserraub Oh, sind Sie schon fertig? Was haben Sie erzählt? Hm, private Firmen sind böse. Das ist mal wieder nur die Hälfte der Wahrheit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn 49% von dieser Firma CBG die gehören ja dem Land Guinea. Also wenn Sie das da nicht mitmachen wollen, würden da... Die müssen das mitmachen. Guinea ist nämlich bettelarm.

Die brauchen das Geld aus dem Bauxitexport. Sehen Sie, nicht die westlichen Länder sind schuld an den Verheerungen dort vor Ort, nicht die westlichen Länder. Arschloch. Hm. Und deswegen hat die Deutsche Bumsregierung auch großzügig den Kredit für die Erweiterung der Bauxite-Miene abgesichert. Moment mal, der deutsche Staat finanziert Zwangsumsiedlungen. Nun, ich würde eher sagen, es ist ein effektiver Umzugsservice. Aber die Leute wollen ja gar nicht umziehen. Na, effektiver wird's nicht mehr. Außerdem geht's den Leuten doch nach der Umsiedlung wesentlich besser. Sagt wer? Na, die deutsche Bundesregierung.

Ok, also wir entziehen dem Menschen ihre Lebensgrundlage, damit wir uns Monster wie den Q7 oder einen Porsche Cayenne vor die Tür stellen können. Ist ja eine feinaustärierte Wertschöpfungskette. Also... Na, das sage ich doch die ganze Zeit. Herr Uthoff? Haben Sie was bestellt? Könnte es ein Weinkühlschrank mit vier Temperaturzonen sein? Äh, nein. Dann will ich... Da steht drauf, es ist an alle. Das ist für mich, das ist für mich das neue Lieferkettengesetz. Ich dachte, das ist für uns alle. Selbstverständlich. Geben Sie her. Ich habe ja gehört, der Hype um dieses Gesetz ist völlig übertrieben. Ein besseres Produkt für die Qualität von Lieferketten werden Sie auf der ganzen Welt nicht finden.

Aber gut, man muss es vielleicht ein bisschen besser präsentieren. So. Hi Leute. Im Internet. Hier das Lieferkettengesetz. Es ist noch nicht im Laden erhältlich, aber ich habe es schon mal. Und ich werde es heute für euch anboxen. Also, im Vergleich zum ersten Entwurf und der Vorgängerversion ist das Paket schon mal viel schlanker und mega leicht. Das wirkt für mich sehr hochwertig. Man sieht da wurde auch intensiv an der Verpackung gearbeitet. Was steht da drauf? Unternehmen müssen für die Einhaltung der Menschenrechte auf der gesamten Lieferkette sorgen. Toll. Ist das die Herstellergaranzi oder der Werbeslogan? Wieso?

Weckt ja doch ziemlich große Erwartungen im globalen Süden, das Ganze, nicht wahr? Und da gibt es ja schon seit Jahrhunderten Lieferschwierigkeiten, was bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen betrifft. Ich bitte Sie. Hersteller ist hier die Anu Begum aus Dakar. Sie arbeitet für eine Textilfabrik und sie glaubt, dass sie durch das neue Gesetz Mutterschaftsurlaub bekommt und Überstunden bezahlt. Dann schauen wir doch mal rein. Hier steht das Gesetz verbietet den Arbeitenden in der Lieferkette angemessene Löhne vorzuenthalten. Das ist ja eine tolle Stimmung am Anfang der Lieferkette, was? Hier ist noch eine Frage aus Indien. Was bedeutet denn angemessen?

Tja, schauen wir mal in die Gebrauchsanleitung. Hier steht, das bedeutet, mindestens den ortsüblichen Mindestlohn. Musik. Aber ein kleines Lied. Das ist ein Lied, aber Ayala aus Mumbai schreibt, 80% des ortsüblichen Mindestlohns würde bei ihr für die Miete einer Wellblechhütte draufgehen. Wie in München. Aber die Leute sagen, sie bräuchten viermal so viel Geld, um halbwegs anständig leben zu können. Wie in München, was ich sagen will. Es kann doch nicht Aufgabe der deutschen Arbeitgeber sein, zu beurteilen, welche Löhne in Indien angemessen sind. Das sollen die dortigen Arbeitgeber die Gewerkschaft vor Ort verhandeln. Sie meinen, die Arbeitgeber die Gewerkschaft ans Gefängnis werfen lassen?

Sie müssen schon die Gepflogenheiten des Gastlandes berücksichtigen. Sie können hier doch nicht deutsche Standards anlegen. Sonst können wir ja gleich zu Hause produzieren. Hören Sie mal, die Menschenrechte gelten doch überall. Und im Artikel 23 steht doch ganz klar drin, dass ein Lohnexistenz sicher sein muss. Tja, das steht da. Die UNO-Arbeitsorganisation ILO hat dieses Recht dem ILO-Übereinkommen 31 doch konkretisiert. Und das Lieferkettengesetz bezieht sich doch explizit auf dieses ILO-Übereinkommen. Ja, das bezieht sich. Aber nicht auf das ILO-Übereinkommen. Mit dem Mindestlohn. Aber das Produkt hat ja noch ganz andere tolle Features.

Der Entwickler Gert Müller hat doch bei der Produktpräsentation sinngemäß gesagt, es gibt zwar kein Geld, aber eine Debatte. Eine Debatte. Das Gesetz wird jetzt über diese unwürdige Bezahlung diskutiert. Das ist doch ein Anfang. Ich dachte, wir wollten die unwürdige Bezahlung mit diesem Gesetz beenden. Ja, und hier ist das Herzstück. Die Lieferkette. Fehlt bei der Kette nicht die Kette? Nein, das ist alles. Übersichtlich. Die ganze Kette im Lieferumfang enthalten. Was das Ganze natürlich viel zu schwer gemacht hat. Als ob man die Verantwortung für die Unternehmen deutlich erleichtert.

Das Unternehmen trägt nur noch die Verantwortung für die menschwürdigen Zustände bei sich und dem direkten Zulieferer. Aber die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, nicht wahr? Die passieren doch hier, am Anfang, bei der Lieferkette, auf den Plantagen, in den Minen, bei den Spinnereien. Das Gesetz ist eben sehr anwenderfreundlich. Dafür muss man Abstriche bei Funktionalität in Kauf nehmen. Oder wie Peter Altmaier sagt, Schutz der Menschenrechte kann nicht bedeuten, dass die Wirtschaft am Ende schwächer dasteht. Ein poet, der Mann. Damit schützt man auch nicht die Menschen an der globalen Lieferkette, sondern nur ein Glied. Wem nützt das? Was das ich? Den Männern in deutschen Chefetagen?

Ui, Zubehör. Guck's mal. Wozu ist das? Was? Wozu ist das? Keine Ahnung. Bedienungsanleitung. Hier steht, die Unternehmen müssen sich nur Menschenrechtsverstöße im Rest der Kette kümmern, wenn sie davon substantiierte Kenntnisse enthalten. Ich dachte, weil alle seit Jahrzehnten schon Kenntnisse von Menschenrechtsverstößen haben, brauchen wir dieses Gesetz überhaupt. Die Unternehmen wollen eben im Einzelfall informiert werden, bevor sie aktiv werden. Die Unternehmen wollen also erst eingreifen, wenn etwas passiert, und nicht bevor etwas passiert. Das ist Vorsorge aller Altmaier. Man sollte vermeiden, Menschenrechtsverletzungen vorzubeugen, die am Ende womöglich gar nicht stattgefunden hätten.

Ui. Noch mehr. Das ist eine Dosierungsanleitung. Ganz wichtig für euch da draußen. Das Gesetz hier, das ist nur für große Unternehmen. Wir machen zu Hause, liebe Kleinen. Warum? Gerade die kleineren Unternehmen importieren häufig Produkte, die unter schlimmen Bedingungen hergestellt werden. Textilien, Spielwaren. Aber wenn man von Kleinen ausgebeutet wird, tut es nicht so weh. Nicht wahr, liebe Eltern? Und für kleine Unternehmen ist es laut Hersteller eine Art unvertretbarer Aufwand, die eigene Lieferkette analysieren zu müssen. Aber diese Lieferkette erst mal aufzubauen, ist nicht zu aufwendig. Nein, weil da lohnt sich's ja. Das ist ein Diebstahl für Menschen unter 1,50.

Einfach straffrei, weil es für die auch so anstrengend ist, ins obere Regal zu greifen. Aber wann ist man denn überhaupt ein großes Unternehmen? Laut Bedienungsanleitung ab 3000 Mitarbeitern. Was? Aber laut Handelsgesetzbuch ab 250. Oh, ja. Aber so betrifft das Gesetz eben nur 600 deutsche Unternehmen. Aha, von 3,6 Millionen. Das heißt, die AOS-Stade müsste ihre Lieferkette gar nicht auf Menschenrechtsverletzungen beim Bauxit-Abbau prüfen, weil die ja nur 500 Mitarbeiter haben. Das macht das ganze Produkt ja so handlich. Da ist noch ein Kommentar. Eine Frau aus Pakistan. Sie fragt, gibt es denn eine zivilrechtliche Haftung? Das ist im Lieferumfang nicht enthalten.

Was sie machen kann, ist, sich eine Art Adapter besorgen. Eine NGO, eine Gewerkschaft. Also Protip. Wenn ihr als Näherin oder so in Pakistan Opfer einer Menschenrechtsverletzung geworden seid, dann kann eine NGO oder eine Gewerkschaft für euch klagen vor einem deutschen Gericht. Und das sogar nach dem Recht von Pakistan. Da wo Arbeiter keine Rechte haben. Ja, aber es gibt ja hier irgendwie noch ein Beschwerdetool beim zuständigen für Ausfuhrkontrolle. Sind das nicht die, die seit Jahren für die Kontrolle von Waffenexporten zuständig sind? Und die auch Peter Altmaier im Bundeswirtschaftsministerium unterstellt sind. Ja, aber vielleicht nicht mehr lange.

Wenn jetzt pakistanische Arbeiterinnen von ihren Vorarbeitern systematisch gedemütigt und geschlagen werden. Ja, dann weiß ich nicht. Schauen wir nach. Die vorgezogene Gewalt und Diskriminierung fällt bei diesem Produkt nicht unter die Garantie. Ihr Produkt garantiert also kein diskriminierungsfreies Umfeld bei der Arbeit. Darauf ist das Produkt gar nicht ausgelegt. Schauen wir mal nach. Sie fahren ja mit ihrem SUV auch nicht ins Gelände. So, als nächstes kommen wir zu Entschuldigung. Ich möchte noch mal über das Gesetz reden. Das hat mich nicht überzeugt. Ich bin mitten in meinem Unboxing-Video. Ja, man hat mir das Produkt auch verkauft, aber ich würde es gern zurückgeben.

Das ist bereits verabschiedet. Ja, aber es ist kaputt. Es ist mir sowieso ein Rätsel, wenn man sowas herstellen kann. Da muss es doch Regeln geben für so einen Herstellungsprozess. Regeln, da steht Made in Germany drauf. Sehen Sie, zu dem Herstellungsprozess, da könnte ich Ihnen ja einige Geschichten ... Aber, wisst ihr, es gibt zwei Dinge im Leben, da möchte man nicht wissen, wie sie gemacht werden. Gesetze und der ZDF-Fernsehgarten. Naja, was soll bei dem Gesetz schon passiert sein? Eine Menge Ditantismus eben. Nein, da ist schon ein bisschen mehr Energie hineingeflossen. So ist es ja nicht, aber reden wir nicht drüber. So was denke ich mir im Freibad aus, zwischen Pommes und Arschbombe.

Jetzt hör sie mal zu. Dieses Gesetz ist ein Kunstwerk. Kunstwerk? Im Sinne von Fix und Foxy? Oder Andreas Caballé? Dieses Gesetz in seiner Entstehungsgeschichte ... Die Entstehungsgeschichte dieses Gesetzes war ... ... von der UN so vorgegeben. 2011 haben die Vereinten Nationen ihre Leitlinien verabschiedet, indem sie die Staaten dazu aufgefordert haben, die Menschenrechte in den Unternehmen zu schützen. Die EU hat ihre Mitglieder dazu aufgefordert, das Ganze in nationale Aktionspläne umzuwandeln. Aus so einem Aktionsplan ist dann so ein Gesetz geworden. Ganz profan eigentlich. Was ich sagen wollte, ist, die Entstehungsgeschichte dieses Gesetzes war ein Meisterwerk. Nicht da. Hier.

Kommen Sie, treten Sie ein. Schließen Sie. Eine der großartigsten Interessensvertretungen in letzter Zeit. Ein Regierungsmitglied, hochrangig, hat tatsächlich gesagt, so einen Lobbydruck wie bei diesem Gesetz hätte es noch nicht erlebt. Willen Sie sich aber nicht zitieren lassen? Nein. Wegen des Lobbydrucks. Sie sagen ja immer, der nationale Aktionsplan, das wäre nur eine Umsetzung gewesen, der ohne Leitlinien ... Aber wichtig ist doch, wer das umsetzt. Wer war Koordinator für den nationalen Aktionsplan im fehlerführenden Auswärtigen Amt? Der Scheuer Andi? Nein. Ein externer Mitarbeiter aus der Wirtschaft von ... Brudos Backstube. Nein, von Siemens. Großindustrie. Kommen Sie, reiner Zufall.

Reiner Zufall. Das denken Sie. 25-mal haben sich die Industrieverbände getroffen mit der Bundesregierung, um den nationalen Aktionsplan zu verwässern. Zusätzlich zu den normalen Treppen. Wissen Sie, wie oft die Bundesregierung sich getroffen hat mit den NGOs in der entscheidenden Phase? 5-mal? 12-mal? Nein. Nicht so oft. Gar nicht. NGO heißt ja auch nicht Regierungsorganisation. Das ist richtig. Aber das ist nicht der Punkt. Was ist denn der Punkt? Steffen Kampeter. Steffen Kampeter ist der Punkt? Steffen Kampeter, Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium. Da erinnern Sie sich.

Der Mann ist doch Hauptgeschäftsführer bei der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände in den BDA. Ja, jetzt. Aber Steffen Kampeter war Staatssekretär im Finanzministerium, das den nationalen Aktionsplan gestoppt hat, obwohl das gar nicht ihr Ressort war. Er hatte den Posten doch schon ein Jahr vorher abgegeben, als klar war, dass er zum BDA geht. Er ist weiter Abgeordneter geblieben als designierter Arbeitgeberschef. Ein Mann mit Wirtschaftskompetenz kümmert sich um seine eigene berufliche Zukunft. Ich finde es eigentlich ganz vernünftig. Ich kenne eigentlich überhaupt keinen Mann im Finanzministerium, der nicht wenigstens designiert ist für irgendwas in der Wirtschaft. Genau.

Außerdem wurde der Aktionsplan in dem Ausschuss für Menschenrechte verhandelt. Ja, ja. Aber wer hat sich auf seinem Weg zum BDA mitten in der Legislaturperiode noch in den Menschenrechtsausschuss gesetzt? Hansi Flick! Nein, wer? Nein, das war der Nagelsmann, glaube ich. Der war da vorher bei Leipzig. Kampeter! Kampeter ist ja nicht rein, um die Räume dichtzumachen. Der ist da rein, um die Position der Arbeitsgebers quasi in den Ausschuss hineinzutragen. Um quasi den nationalen Aktionsplan abzuschießen. Aber er hat es ja nicht geschafft. Und ob. Die Wirtschaft hat es geschafft, der Politik einzureden, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung ausreichend sei. Ja, freiwillig ist immer besser.

Die Wirtschaft macht nie was freiwillig! Ach, und deswegen kam dann der Gesetzentwurf, ja? Ja, und zudem kam der da kam der CDU-Wirtschaftsrat. Das ist übrigens ein Industrie- Lobby-Verband. Ich dachte, das wäre ein Parteiogan. Nicht doch. Sie sollten öfter mal ansteiggucken. Und der CDU-Wirtschaftsrat, also der Haufen Unternehmer, die haben gesagt, dieses linksideologische Projekt namens Lieferkettengesetz müsse gestoppt werden. Verstehen Sie? Linksideologisch! Wenn der CDU-Wirtschaftsrat Menschenrechte linksideologisch findet, was ist dann der CDU-Wirtschaftsrat selber? Rechtsrat... Habe ich nicht nach weiteren vier Treffen von Regierung und CDU-Wirtschaftsrat.

Ja, da hat dann der CDU-Wirtschaftsrat folgendes gesagt. In intensiven Gesprächen haben wir erreicht, dass das Lieferkettengesetz nicht in einem Gesetzentwurf mündet. Ja, wir haben doch jetzt ein Gesetz. Ja, da ist doch fast nichts drin. Ich meine, verantwortlich dafür ist CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Der hat es geschafft, solange an dem Gesetz herum zu vorwerken, bis die Industrieverbände es realistisch genannt haben. Wissen Sie, wie viel man an einem Gesetz für Menschenrechte herum macht, damit die Industrieverbände es realistisch nennen? Das Lieferkettengesetz ist doch dann verabschiedet worden. Aber die Verbände haben sich doch in 100% der Fälle durchgesetzt.

Kommen Sie, die haben doch rumgeheult. Die haben doch gesagt, man könnte die CDU jetzt nicht mehr wählen. Das haben sie doch nur gemacht, weil sonst jeder merkt, dass sie sich durchgesetzt haben. Sie haben sich nicht durchgesetzt. Das Gesetz ging ja laut Verbänden weit über UN-Leitlinien hinaus. Ich brauche den Ruggy. So, hier. John Ruggy. Der hat die UN-Leitlinien mitverhandelt. Und wissen Sie, was der gesagt hat? Der hat gesagt, das Lieferkettengesetz bleibt in fast allen Punkten hinter den UN-Leitlinien zurück und müsse nachgebessert werden. Nachgebessert? Das bedeutet doch eigentlich nur, es muss noch besser gemacht werden.

Aber, Himmel, Arsch und Zwirn, muss man Ihnen denn alles vorspielen. Also, aufgepasst. Das hier ist das Lieferkettengesetz. So, ta-da. Und hier, das, das sind die Wünsche der deutschen Industrie. So, und jetzt, bleiben Sie hier. Staunen Sie, erleben Sie das Wunder des Entstehungsprozesses des Lieferkettengesetzes. Weil nämlich die Industrie in Deutschland ihre Wünsche nicht mehr an die Politik heranreicht. Nein, nein. Sie reicht sie einfach durch. Verstehen Sie? Oh, ist das ein Bilderrätsel? Ja, die CDU ist einfach nur der verlängerte Arm der Industrie. Danke. Das war der Satz, den wir einmal von Ihnen hören wollten. Sie, Sie. Also, Sie wissen was? Ich finde, ja. Sie übertreiben ganz schön.

Was? Ja, durch das Lieferkettengesetz sind die deutschen Unternehmen noch zum ersten Mal dazu gezwungen, sich zu bemühen, ihre Lieferkette einer Risikoanalyse zu unterziehen. Ja, Sie haben recht. Zu 100 Prozent haben sich die Unternehmen wahrlich nicht durchgesetzt. Eben. Aber wer macht die Risikoanalyse? Na, was für Sie? Die Unternehmen wahrscheinlich. Nicht die Unternehmen. Die Social Audit Industrie. Wer? Die Social Audit Industrie. Sie haben keine Ahnung, was das ist? Okay. Ich zeige Ihnen das. Setzen Sie sich mal dahin. Also, ich bin die Social Audit Industrie und Sie wollen also einen Job in der Social Audit Industrie. Tue ich das? Ja.

Wir prüfen Fabriken, was auch immer zu, Lieferer, in Lieferketten und zertifizieren Sie, ob da auch alles in Ordnung ist. Das heißt, ich soll also jetzt in eine indische Fabrik reingehen und schauen, ob da genügend Notausgänge existieren. Humor ist uns ganz wichtig. Aber ich glaube, Sie haben nicht die richtige Vorstellung von unserer Branche. Kann das sein? Sagt Ihnen Buro Veritas etwas? Rena? Das sind private Firmen mit Milliardengewinn. Und der Markt für Zertifikate wächst. Schneller als Gandhi zu Fuß war. Sie werden also von Firmen, die Sie unabhängig überprüfen sollen, beauftragt. Nicht nur beauftragt, auch bezahlt. Was genau machen Sie eigentlich bei diesen Audits?

Sie wollen also einen Blick in unsere Geschäftspraxis? Okay, gucken Sie da rein. Da sehen Sie alle unsere großartigen Beispiele. Ali Enterprises. Das war eine Textilfabrik in Pakistan. Die hat hauptsächlich für Kick produziert. Aber die Firma ist abgebrannt. Ja, die Zertifizierung von Ali Enterprises durch die Tochterfirma der italienischen Zertifizierungsgruppe Rena gilt bis heute als eines der leuchtesten Beispiele unserer Branche. Aber die Firma ist abgebrannt. 260 Arbeiterinnen getötet. Und doch war diese Fabrik ausgezeichnet mit dem SA 8000 Zertifikat. Eines der führenden Zertifikate in diesem Bereich. Aber die Firma ist abgebrannt.

Das wäre ja auch ein Wunder gewesen, wenn nicht, bei dem Zustand. Wollen Sie mal einen Blick in so einen geheimen Prüfbericht nehmen? Schauen Sie mal. Die sind sonst geheim. Ich sage es Ihnen. Hier in dem Audit von Rena steht aber, es habe Feuerlöscher gegeben, in ausreichender Menge. Ja, einen. Und der war kaputt. Ja. Aber Rena sagt, es hätte Brandschutzschulungen gegeben. Ja, aber die Firma, die diese Schulungsbescheinigung ausgestellt hat, wohl nicht. Das liest sich ein bisschen so, als wären die AuditorInnen gar nicht vor Ort gewesen.

Das würde zumindest erklären, warum dann die blockierten Notausgänge, die vergedeteten Fenster und das illegale Hölzene Zwischengeschoss nicht im Prüfbericht vermerkt waren. Hätten die nicht einfach hinfahren können? Hören Sie mal. Wir sind die Social-Audit-Industrie. Wir verkaufen ein Produkt. Sicherheit? Nein, Zertifikate. Und da muss man in Hinblick auf Preis und Aufwand wettbewerbsfähig bleiben. Hinten fahren ist also zu teuer. Sie sind eingestellt. Aber warum zwingen Sie die Staaten denn nicht, selbst zu kontrollieren? Wir sind ja keine Kolonialherren. Das überlassen wir Pakistan.

Das ist auch Pakistans Entscheidung, staatliche Arbeitsinspektoren einzusparen und dann die Unternehmen zu subventionieren, die SA-8000-Zertifikate kaufen. Hat das die Arbeitsbedingungen denn verbessert? Unsere ganz enorm. Es sind bei Ali Enterprises Hunderte von Menschen verbrannt. Ist da denn jemals an Haftung gedacht worden? Das ist, was unsere Branche bisher so groß gemacht hat. Nein. Aber hier steht, es gab ein offizielles Beschwerdebefahren vor der OECD gegen Rina. Hochoffiziell sogar. Da hat man Rina gefragt, ob Rina die Zertifizierungsmethoden verbessert hat. Rina hat gesagt, nein, nein, nein. Warum? Wie? Und das war's? Seien Sie nicht albern. Natürlich nicht.

Rina hat darüber hinaus sich geweigert, seine Zertifizierungsmethoden zu verbessern. Das ist ja ein tolles Business, das Sie hier haben. Das sage ich doch die ganze Zeit. Und Rina ist ja nur ein kleiner Fisch. Sie sollten sich mal ansehen, was der TÜV da so treibt. Was ist das denn? Das ist der Bromadinho Staudamm in Brasilien. Der gehört zu einer Mine. Ich glaube, die brauchen den Damm wegen unserem Eisenerz oder so. Der Damm ist gebrochen. 2019, ja. Wollen Sie einen Auditbericht? 272 Menschen tot. Der gesamte Fluss vor Ort kontaminiert. Ja, dass immerhin die Trinkwasserversorgung für Millionen Einwohner... Das war ein Erfolg für Nestlé, oder? Ich mag, wie Sie denken.

Aber eher für den TÜV Süd. Sehen Sie, der TÜV Süd oder beziehungsweise dessen 100-prozentige brasilianische Tochter. Die haben ja dem Bergbauunternehmen Wale, das für den Damm verantwortlich ist, eine Art Stabilitätserklärung verkauft. Und das nur wenige Monate, bevor der Damm brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Aber der Staudamm war doch bekannt für seine Instabilität. Oh ja. Mit Eiern aus Stahl. Vielleicht waren die Prüfer vom TÜV auch nie vor Ort. Nein, also das weiß man nicht so genau. Wozu auch? Sie hätten ja alle Daten gehabt von Wale. Insofern dem zu überprüfenden Unternehmen. Ja, der TÜV Süd hatte doch keinen Grund, an der Seriosität von Wale zu zweifeln.

Sonst hätten Sie ja parallel nicht einen Beratervertrag mit Wale vorhanden. Sagen Sie, glauben Sie nicht, dass es die Qualität einer Prüfung beeinflusst, wenn man gleichzeitig mit dem zu überprüfenden Unternehmen einen Beratervertrag aushandelt? Wie kriegen Sie denn sonst so einen Beratervertrag? Könnte man oder müsste man dann nicht vielleicht sagen, dass der TÜV den Bruch des Staudams und damit Hunderte von Toten in Kauf genommen hat? Siehen Sie, der TÜV ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Und da tanzt man als Prüfer schon mal auf der feinen Linie zwischen dem, was der Kunde gerade noch so hören möchte. Nein, nein, das ist die Linie. Ja, klar.

Wale gehen also so lange im Auditbereich shoppen, bis sie einen Bericht bekommen, der ihnen gefällt. Was sagen denn die brasilianischen Behörden dazu? Oh, die sagen, ein TÜV-Zertifikat. Exzellente! Oder? Aber macht das den TÜV denn nicht direkt verantwortlich? Nein! Um Gottes Willen, man hat doch festgestellt, dass der TÜV Süd intern überhaupt keine Schwachstellen in der Organisation aufweist. Wer hat das festgestellt? Der TÜV Süd. Das Ganze hatte also keine Konsequenzen. Der TÜV Süd hat jetzt ein Komitee gegen Reputationsrisiken. Aber hier steht, dass der Wale-Konzern den Dorfbewohnern eine Entschädigung von fast 6 Milliarden Euro zahlen muss. Ja, ja, ja. Aber nicht der TÜV Süd.

Aber dafür ermittelt die jetzt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den TÜV Süd wegen fahrlässiger Tüte. Aber nicht gegen den ganzen Konzern, sondern gegen einzelne Mitarbeiter. Wissen Sie, was Ihnen da Ihr künftiger einzelner Mitarbeiter sagt? Nicht mit mir. Tja, schade. Ich hätte ja Chefpotenzial in Ihnen gesehen. Aber gut. Wirklich. Für den Job bin selbst ich nicht zynisch genug. Sind Sie sicher? Wie meinen Sie das denn? Na ja, Sie können sich ja mal in meine Position versetzen. Komm Sie, probieren Sie es mal aus. Ja, einfach mal an meine Stelle. So. Und dann vertreten Sie den TÜV Rheinland in der Sache Ranaplaser. Was? Nein, nein, nein.

Das ist die Textilfabrik, die vor ein paar Jahren eingestürzt ist. Sie haben empörung, ist meine Rolle. Sie sind der TÜV Rheinland. So. Also, Sie haben als TÜV Rheinland dem Textilhersteller Phantom Apparel in Ranaplaser ein Zertifikat verpasst. Und zwar haben Sie in Ihrem Bericht sogar die Bauqualität des Gebäudes als gut bezeichnet, trotz sichtbarer Baumengel. Und das nur wenige Zeit vor dem Zusammenbruch. Was ist in der Welt? Wollen Sie das erklären? Ja, wir sollten ja die Arbeitsbedingungen vor Ort prüfen und nicht die Statik. Okay. Puh. Damit komme ich durch? Ja, gut.

Ein paar Betroffene haben offiziell Beschwerde eingereicht vor der, nicht, dieser OECD, weil man tote Kinder aus dem Trümmern gezogen hat. Gegenüber Betroffenen lehne ich jede weitergehende Verantwortung ab. Wie? Mit welcher Begründung? Na ja. Schauen Sie, wir Social Audit Firmen, wir sind in der Regel nur denen verantwortlich, die uns beauftragt haben, aber nicht den Betroffenen. Ja, aber dann gibt es ja viel mehr Anreize, Mängel nicht zu entdecken, als sie zu entdecken. Ja, Sie sind eingestellt. Aber diese unseriösen Zertifikate Ihrer Branche erlauben es den großen Marken noch Menschenrechtsverletzungen zu ignorieren. Und Sie sind auch eingestellt. Was?

Man müsste Audit Firmen auf menschenrechtliche Sorgfalt prüfen. Wo wollen Sie hin? Sie wären auch eingestellt. Nein, ich kündige. Ich gründe eine Firma, die menschenrechtliche Zertifikate für menschenrechtliche Zertifiziere ausstellt. Wir nehmen 200 Stück. Wissen Sie, was ich nicht verstehe, ist, warum macht man denn die Audit- Berichte nicht einfach per Gesetz öffentlich? Oder man bezieht einfach mal die Gewerkschaften vor Ort mit ein? Oder verrückte Idee, man macht mal jemanden wirklich haftbar. Da jammert doch jemand. Schauen Sie mal rein. Können Sie was erkennen? Der ist da drin. Ja. Was machen Sie denn hier? Das ist der Lieferketten-Gesetz. Ja. Herzlich willkommen im System.

Herzlich willkommen bei den Opfern am Ende der Lieferkette. Ach Gott, jammern, der Unternehmer. Hören Sie, die Umsetzung des Lieferketten-Gesetzes kostet die deutsche Industrie gerade mal 0,005 Prozent ihres Umsatzes. Das ist es doch gar nicht. Schauen Sie, wir haben die Lieferketten erfunden, um besser ausbeuten zu können. Und jetzt sagen Sie, wir sollen die Lieferketten in den Lieferketten stoppen. Ist das wirklich Ihr Plan? Was sollen wir denn sonst machen? Sie könnten zum Beispiel mal aufhören, ständig mich zu fragen, was Sie machen sollen. Stoppen Sie mich endlich. Stärken Sie die Gewerkschaften entlang der Lieferketten. Führen Sie eine zivilrechtliche Haftung ein.

Regulieren Sie den Welthandel meinetwegen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich da... Ich wollte ja auch noch den Zaun am Wochenende... Sonst muss ich weiterhin machen, was ich will. Das ist so langweilig. Was Sie wollen, ist immer mehr Profite machen. Nein, ich will nicht mehr Profite. Ich muss mehr Profite machen wollen. Die Systemlogik zwingt mich dazu. Schlimm. Er muss unter menschlichen Umständen tagtäglich andere hart für sich arbeiten lassen, weil ihn die Profitlogik dazu zwingt. Deutsche Unternehmer, vergessene Opfer des Kapitalismus. Vielleicht gehe ich ins Freibad. Nee. Nee, ist auch langweilig. Vielleicht gehe ich ins Fernsehen. Nee. Ist auch langweilig.

Vielleicht gehe ich aus dem Fernsehen.

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