Rechtsextremismus
Terroranschläge in Paris , Rechter Terror , Überwindung von Hass durch Toleranz für alle Religionen , Integration von Neonazis , NSU , Rassismus bei der Polizei , Dummheit , Vergleich von linker und rechter Gewalt, Opfer rechter Gewalt, Verstrickung von Verfassungsschutz und NSU, Holocaust
Zusammenfassung KI, aus dem Transkript
Die 'Anstalt' untersucht die deutsche Reaktion auf rechtsextreme Gewalt und den NSU-Komplex, wobei die Episode insbesondere die Versäumnisse der Polizei, des Verfassungsschutzes und der Politik hervorhebt. Durch satirische Überhöhungen und fiktive Szenarien werden die Komplexität der Ermittlungen, die Gefahr von Fehlinterpretationen und die problematische Auseinandersetzung mit NS-Vergangenheit thematisiert. Die Sendung kritisiert die mangelnde Sensibilität gegenüber Opfern und die pauschale Verurteilung von politischen Strömungen. Insgesamt stellt 'Die Anstalt' eine scharfe Reflexion über die deutsche Gesellschaft und ihre Umgangsformen mit schwierigen historischen und politischen Themen dar.
Transkript 5.839 Wörter
Paris stellt alles dar, was die religiösen Fanatikern hassen. Auf viele kleine Art und Weise das Leben genießen, einen Kaffee trinken mit Kroissants, schöne Frauen in kurzen Rücken, die einfach nur so frei lächeln, eine Flasche Wein sich mit Freunden teilen, ein bisschen Parfum, Kinder, die im Jardin du Luxembourg spielen. Das Recht, nicht an Gott zu glauben, rauchen, flirten, Sex außer der Ehe zu haben, ein Buch lesen, lachen, sich streiten, sich lustig über die Religion machen, sich lustig über Politiker machen, die Angst darüber, was es nach dem Leben gibt, den Toten überlassen. Frankreich, Paris, wir lieben dich. Paris, wir weinen mit dir.
Paris, wir wissen, du wirst wieder weinen, du wirst wieder lachen. Ja, du wirst wieder lachen und du wirst wieder singen. Paris, du wirst wieder Liebe machen. Das ist ein Brief von einem Leser von New York Times. Es gibt ganz viele Briefe, die wir bekommen haben. Und für uns Franzosen, wissen Sie, in solchen Zeiten, das ist verdammt wichtig zu wissen, dass wir gute Freunde haben und dafür vielen, vielen Dank. Aber Alper, die Frage ist, was machen wir jetzt? Wir haben eine Sendung, eine komplette Sendung, wir haben sie vorbereitet. Es geht um NSU, es geht um Rechtsextremismus, es geht um Nazis. Es sind gerade Menschen auf bestialische Weise, auf inhumane Weise ermordet worden.
Wir fragen uns wirklich, ob wir diese Sendung machen sollen. Klaus, was ist das überhaupt für eine Frage? Max, Klaus, was ist los? Natürlich macht ihr die Sendung, natürlich macht ihr weiter. Wir machen alle weiter. Wenn wir aufhören zu lachen, dann haben die gewonnen. Kann ich Ihnen helfen? Das fällt mir nicht leicht, aber ich möchte eine Selbstanzeige machen. Das haben wir hier nicht oft. Nehmen Sie Platz. Also gut, Name bitte. Hitler. Mit zwei T? Ja, wie Herrenmensch. E wie Internierung. T wie Totenkopf. L wie Lager. E wie Eichenblatt. R wie Rassist. Worum geht es? Ich glaube, ich habe mich der einen oder anderen Straftat mit Rechtsextremen im Hintergrund schuldig gemacht.
Entschuldigen Sie, bevor wir hier etwas als Rechtsextreme Straftat werten, da müssen Sie schon einige Kriterien erfüllt haben. Schauen Sie mal, ich habe das quasi erfunden. Man könnte sagen, ich habe die Rechte daran. Schießen Sie mal los. Ich habe nach meiner Wahl in Deutschland eine grausame Terrorherrschaft errichtet. Nach der Wahl, das heißt, Sie sind demokratisch legitimiert? Ja schon, aber da hat sich die Kommunisten schon weggesperrt. Darüber hinaus habe ich ebelste Volksverhetzung betrieben. Ok, das ist natürlich strafbar. Allerdings nur, wenn Sie dabei den öffentlichen Frieden gestört haben. Haben Sie das? Na ja, im Grunde nicht. Das haben wir eigentlich alle mitgemacht.
Entschuldigen Sie, aber dann kann ich Ihnen helfen. Ich habe Polen überfallen. Ja gut, das haben die Habsburger und die Russen auch. Aber sehen Sie, ich kann bei Ihnen beim besten Willen keinen Rechtsextremen Hintergrund entdecken. Ich bin Antisemit. Ich habe sechs Millionen Juden ermordet. Ganz allein? Natürlich nicht allein, dazu brauchen Sie schon ein ganzes Volk. Welche, die mitmachen und welche, die wegschauen. Dann wäre ja ein ganzes Land eine rechtsextreme Vereinigung. Oh Gott, allein der Papierkraum. Sehen Sie, wir haben schon etwas über Sie hier, Herr Hitler.
Ich sehe, Sie waren 1919 im Auftrag der Reichswehr unterwegs und haben die Deutsche Arbeiterpartei, ein Vorgänger der NSDAP, ausspioniert. Ja, und? Na ja, das heißt, Sie sind ein V-Mann. Guten Abend. Ach, er ist wieder da. Und wer sind Sie? Ich bin der Führer. Bitte? Ich bin der Führer, also der V-Mann-Führer, Verfassungsschutz. Ach so, Verfassungsschutz, ja. Oh, will das schon wieder aussagen? Ja, na ja, gut, ich habe das alles hier zu Protokoll genommen, alles schriftlich. Ja, das machen wir in unserer Ablage. Das machen wir in unserer Ablage. Verstehe. Ach, was muss man denn eigentlich tun, um mit diesem Land als rechtsradikal zu gelten? Schreibe ich halt ein Buch.
Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, zum Menschen bei Wagner. Die Frage, die uns doch alle am meisten bewegt, ist doch die. Schaffen wir das? Werden es nicht zu viele? Müssen wir uns nicht eingestehen, dass diese Gesellschaft keinen Platz mehr für diese Menschen hat? Sehen Sie überall im Land verbreiten Nazis Angst und Schrecken. 600 Angriffe auf Flüchtlingsheime. Allein dieses Jahr in Köln wird die Oberbürgermeisterin Henriette Reker niedergestochen in Magdeburg Flüchtlinge mit Baseballschlägern gejagt. Deshalb mein Thema heute. Deutschland an der Belastungsgrenze droht uns die Nazilavine. Darüber möchte ich heute mit meinen Gästen diskutieren. Markus Gröber von der CSU.
Er sagt, wir schaffen das nicht. Die Kommunen können diese Rechtsextremen nicht mehr aufnehmen. Außerdem... Heiko Schmidt von der SPD. Er sagt, Transitionen reichen nicht. Wir brauchen Ausreisezentren für Nazis. Und rechts von mir sitzt ein Franzose. Herzlich willkommen vielleicht gleich bei Ihnen Herr Gröber die Frage. Ihr Parteichef Seehofer sagt, die Situation ist außer Kontrolle. Er spricht von Notwehr. Es kann ja nicht sein, dass die Demokraten in diesem Land bald in der Minderheit sind. Das muss man auch anders sehen. Man muss die Ängste der Menschen in den Unterkünften ernst nehmen. Die stehen da mit ihren Kindern. Dann kommen Horden von gewaltbereiten Nazis auf sie zu.
Deswegen sage ich klipp und klar, was wir jetzt brauchen, sind Zäune. Um die Asylbewerber. Vor allem um die Nazis. Und um Sachsen. Wir brauchen eine Mauer. Eine antifaschistische Schutzwahl. Zäune bringen gar nichts. Die Nazis, wenn die reinkommen wollen, schaffen das trotzdem. Deshalb laufen die unregistriert alle durch das Land. Muss man nicht bei den Ursachen ansetzen? Da, wo die Nazis entstehen, also in Deutschland. Wir können doch nicht alle Nazis aufnehmen. Wir sind doch nicht das Weltnationalamt. Wir brauchen eine faire Verteilung der Nazis in ganz Europa. Victor Orbán hat gesagt, er nimmt keine auf. Er hat schon ganz viele. Österreich ist auch schon voll.
Das muss man doch auch nicht sagen dürfen. Viele von diesen Nazis sind ja auch kriminell. Bitte das nicht zu pauschalisieren. Es gibt darunter schon einige hochqualifizierte Brandstifter. Wir haben jahrelang Entwicklungshilfe nach Dresden geschickt. Da wird man doch von den Nazis erwarten können, dass sie sich friedlich verhalten. Die Frage ist eher, wie können wir junge Mädchen vor Sex mit den Nazis warnen? Ja, das hilft. Das machen wir uns. Da hilft letztlich nur das Strafrecht. Ich bin deswegen für eine völlige Legalisierung des § 218. Sie wollen die Abtreibung von Nazis legal machen? Selbstverständlich. Wie kommen die Wandern doch ungehindert über den Geburtskanal der Mutter ins Land?
Das ist typisch wieder die gleiche oberflächliche Argumentation. Wir müssen an die Schleuser ran. Die Hebammen. Das sind Geburtshelfer. Diese Nazis passen nicht zu uns. Die haben ganz andere Werte. Was wir brauchen, ist das Grundgesetz auf Deutsch zu bringen. Interessanter Vorschlag. Warum kommen die Nazis ausgerechnet zu uns? Das ist traditionell. Historisch begründet ist das so, dass wir Deutschen eine ganz große Willkommenskultur haben. Gegenüber Nazis. Warum ballen sich die Nazis immer im Osten von Ländern? In Frankreich genauso. Deshalb habe ich mir die Frage gestellt. Jetzt habe ich eine Antwort. Die nehmen sich eine Landkarte. Die sagen rechts, rechts, rechts.
Dann landen die automatisch im Osten. Interessant. Es tut mir wirklich leid, das zu unterbrechen. Mein Name ist Kurt Dürzeven. Ich finde es toll, dass Sie eine Sendung haben, aber leider auch bezeichnend, dass kein Opfer von rechtsextremer Gewalt eingeladen wurde. Nicht mal ein Migrant. Ich bin nicht von hier. Aber Franzosen sind keine Ausländer. Stimmt. Und Sie sind Ausländer? Nein, ich bin Kölner. Aber ursprünglich sind Sie bestimmt ... Ich bin in Köln geboren. Sie sehen sich als Deutscher. Ich lebe hier. Ich arbeite hier. Aber dennoch bin ich für Sie kein Deutscher. Hören Sie mal. Wir bei der Anstalt grenzen niemanden aus. Wir sind es nicht so. Das will ich erst mal testen.
Können Sie mir bitte die Namen der Mitglieder des NSU nennen? Böhner, Schäpe, Mundlos. Und den Ralf Wohlleben kenne ich auch noch. Sogar den Wohlleben? Und jetzt die Namen der Opfer? Käsewetter. Das war klar. Entschuldigen Sie. Ich weiß, das ist einfach. Sie war ja Deutscher. Ja, wo Sie es gerade sagen. Frau Käsewetter war Deutscher. Halid Josgat in Kassel Deutscher. Mehmet Kubasik in Dortmund Deutscher. Enver Simsek hat 30 Jahre in Deutschland gelebt. Sie müssen verstehen, Simsek ist schwer auszusprechen. Ach so. Aber bei Ihrem Tierforscher Simek hat es funktioniert. Abdurrahim Özedoro, Suleyman Taschköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, Ismail Yashar und aus München Theodoros Bulgarides.
Der Mann war Fahrkartenkontrolleur bei der Deutschen Bahn. Wie viel Deutscher kann man noch sein? Das waren jetzt die Opfer des NSU. Aber da sind ja noch viel mehr. Ja, das sind alles Menschen, die von Rechtsextremen ermordet wurden. Und diese grauen Flächen, die man da sieht? Für diese Menschen hatte man nicht mal Bilder. Wie viele sind das insgesamt? 173. Und man spricht von einer Dunkelziffer von bis zu 800 Menschen. Sagen Sie, seit 1945? Nein, seit der Wiedervereinigung 1990. Warum weiß ich das nicht? Warum wissen wir das nicht? Weil ihr keine Angst haben müsst vor rechtsextremer Gewalt. Immer um obdachlose, behinderte Menschen, Antifaschisten. Und eben um uns. Gewalt überall, Gewalt.
Es knallt überall. Und meistens knallt es wegen Religion. Ich habe immer gedacht, Religion, das ist Toleranz. Das ist Respekt. Das ist Liebe. Habe ich damals was falsch verstanden? Ja, das kann sein. Ich war immer sehr naiv, meine Damen und Herren. Wissen Sie, ich habe so lange gedacht, Tour de France hat was mit Sport zu tun. Madame Perra, Sie kennen, oder? Nein? Also wenn wir die deutsch-französische Freundschaft auf Vordermann bringen wollen, Sie müssen sich ein bisschen für Frankreich interessieren. Madame Perra, das war meine Lehrerin von der 5. Klasse. Und Madame Perra, sie hat uns gesagt, in dieser Klasse gibt es ganz viele verschiedene Religionen. Und es funktioniert wunderbar.
Also wenn es hier funktioniert, gibt es keinen Grund, warum es auf der ganzen Welt nicht funktionieren könnte. Auch das habe ich geglaubt. Das stimmt auch wirklich. Wir hatten überhaupt keine Probleme. Es gab Katholiken, es gab Muslime, es gab Protestanten, es gab Juden. Ich war normal. Einmal hat Madame Perra uns gesagt, wir machen ein kleines Experiment. Ihr seid vielleicht noch ein bisschen zu klein, aber wir versuchen es. Wir machen ein Philosophieunterricht zum Thema Hass. Und dann hat sie uns gefragt, Kinder, habt ihr schon jemals jemand gehasst? Nein. Wir haben uns auch nie im Sinn gekommen, irgendjemand zu hassen wegen seiner Religion. Das wäre kilometerweit entfernt von uns.
Außer den Zahnarzt natürlich. Aber das ist ja normal, der hat es verdient. In Frankreich haben wir einen Schulzahnarzt. Wir gehen die ganze Klasse zusammen zum Zahnarzt. Und wir hatten einen Zahnarzt, der war, wir haben ihn wirklich nicht gemacht. Der Typ hat sich in alles eingemischt. Wissen Sie, wofür er sich durchgesetzt hat? Er hat sich durchgesetzt, dass der Süßigkeitsautomat höher gebaut werden sollte, damit nur noch die Eltern und nicht mehr die Kinder das erreichen. Vollidiot, der Typ. Und Madame Perra, als sie das erfahren hat, hat sie gesagt, gut, das ist interessant. Hausaufgabe für nächste Woche versucht, den Zahnarzt nicht mehr zu hassen.
Und dann sagte sie noch, eine Religion haben. Sucht die neue Religion. Es kann sein, dass ihr da was findet. Gut, wir haben uns getroffen. Aber die Katholiken und die Protestanten, die haben ihre Bibel dann mitgebracht. Der Jude sei ein Thora, der Muslim sei ein Koran. Ich meine Übshefte. Dann haben wir angefangen zu suchen, was könnte da passen für den Zahnarzt. Wir haben nix gefunden. Doch ein Ding haben wir gefunden, das stand Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber nein. Wir haben gedacht, das könnte passen zum Zahnarzt, aber das könnte genauso passen zum Optikeur. Wir haben nix gefunden, meine Damen und Herren. Wir sind an dem Süßigkeitsautomat vorbei.
Und jeden Tag, wir konnten das Ding nicht erreichen. Der Hass für den Zahnarzt, das war noch größer. Das war genau das Gegenteil von dem, was Madame Pira wollte. Bis zu dem Tag, wo wir eine Idee hatten. Wir haben die Bibel auf die Thora gelegt. Darauf den Koran und 2, vielleicht 3 Ausgaben von den Übshelften. Dann sind wir ganz langsam und vorsichtig drauf gestiegen. Tatsächlich konnten wir wieder den Süßigkeitsautomat erreichen. Wissen Sie, was passiert ist? Auf einmal, der Hass für den Zahnarzt war komplett weg. Und da haben wir verstanden. Moment mal. Jetzt ist es klar, was Madame Pira immer sagt. Wenn wir die Millionen zusammenhalten, dann gibt es für alles eine Lösung.
Diese ganzen NSU-Ermittlungen, wenn ich das sage, das ist blanke Rassismus. Sie übertreiben. Ich kenne 2 Polizisten, das sind nicht alles Rassisten. Die Polizei wird doch in jede Richtung ermittelt haben. Außer nach rechts. Obwohl mit derselben Waffe 9 Migranten ermordet worden sind. Wollen Sie damit behaupten, dass es bei den NSU-Ermittlungen nicht mit rechten Dingen zuging? Mit rechten Dingen, Sie sagen es. Sehen Sie, zum Beispiel nach dem Mord von Enver Simcek und Havik Kilic, da hat man eine Sondereinsatzkommando gegründet. Sie waren doch türkischer Herkunft. Aber das sagt viel mehr darüber aus, wo die Polizei die Täter vermutet hat. Man hat das später geändert. Hier in Bosporus.
Bei der Suche nach den Tätmann hat man sich zunächst nur auf das Umfeld der Opfer konzentriert. Das ist völlig normal. Schauen Sie, wenn Sie kein erkennbares Motiv haben. Dann wird eben im Opferumfeld ermittelt. Okay, das ist normal. Aber ist es normal, von irgendeiner blonden Frau zu suggerieren, ihr Mann hätte ein Verhältnis mit einer Deutschen, nur damit sie bricht und aussagt? Ja, aber er soll als Blumenhändler Heroinstreckmittel über die holländische Grenze geschmuggelt haben. Eine Lüge, eine Falschaussage von einem Kronzeugen, oder wie man das nennt. Die Polizei hat das zunächst ungeprüft übernommen.
Aber diese kleinen Tütchen, die einem der Blumenhändler immer bei den Schnittblumen mitgibt, ich meine, das könnte doch ... Sehen Sie, die Polizei konnte sich nicht vorstellen, dass die Rechtsextremen die Täter waren. Hier, der Mord an Kielic. Danach hat ein Zeuge ausgesagt, er hätte einen Täter gesehen, der auf einem Fahrrad davon gefahren ist. Wissen Sie, was der Kriminalkommissar gesagt hat? Er hat noch nie einen Nazi auf einem Fahrrad gesehen. Haben Sie jemals einen Nazi auf einem Fahrrad gesehen? Nein. Eben. Jahrelang sind die Verdächtigte mitschuldig gemacht worden. Die Polizei hat Wohnungen der Angehörigen mit Spürungen durchsucht, Telefone angezapft, verdeckte Ermittler eingeschleust.
Nach den Morden in Bayern hat man 900 türkische Kleingewerbetreibende aufgesucht. Aber die Nazis haben sich auch besucht. Richtig. Hier standen sie von den 700 Neonazis. Rund um Nürnberg hat man neun kontaktiert. Und was haben die gesagt? Die haben gesagt, dass die Migranten alle Kriminelle sind. Wollen wir die Nazis befragen? Ja, aber als Verdächtige, nicht als Experten für Migrantenkriminalität. Zum Beispiel das Attentat auf die Kolbstraße. Moment, was war das noch mal? Kolbstraße. Kolbstraße. Eine Geschäftsstraße in Köln. Ich war neun Jahre Anwohner dieser Straße. 2004 explodierte die Nagelbombe, bei der 22 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.
Erst mit der Recherche zu dem Theaterstück Die Lücke im Schauspiel und die Arbeit der Initiative Kolbstraße überall hat man gemerkt, was diesen Menschen widerfahren ist. Nicht nur der Anschlag, auch die Demütigung durch die Medien und die Polizei. Sie wurden alle kriminalisiert und mundtot gemacht. Zum Beispiel der Exporthändler genau gegenüber von dem Friseur, wo die Bombe explodiert ist. Am dritten Tag nach dem Anschlag kommen drei Zivilpolizisten zu ihm und fragen ihn so ganz nett, sagen Sie mal, was glauben Sie, wer das war? Und er sagt frei raus, weil er davon überzeugt ist, ich glaube, das waren Nazis. Daraufhin beugt sich einer der Polizisten zu ihm runter und macht... Ja, und dann?
Ja, und dann hat sich die Polizei über das Schweigekartell im türkischen Milieu beschwert. Andere Täter kamen überhaupt nicht infrage. Das passt auch zu einem Gutachten. 2007, Landeskriminalamt, man kam zu dem Schluss. Da die Tötung von Menschen in unserem Kulturraum mit einem hohen Tabu belegt ist, ist der Täter weit außerhalb des hiesigen Normen und Wertesystems verortet. Kulturell sind wir Deutsche also gar nicht so mordfähig. Spannende Aussage, 70 Jahre nach Auschwitz. Ja, sehr langes. Also gut, es gibt rassistische Denkmuster bei den Polizeibehörden. Okay, aber allein damit lässt sich die ganzen Ermittlungspannen vom NSU einfach nicht erklären.
Dazu braucht es noch eine gehörige Portion Unfähigkeit. Allein der Polizeieinsatz zum Tod von Mundlos und Böhnhalt, das war ja, als in seiner Professionalität erinnert er an den Berliner Flughafenbau. Sie übertreiben schon wieder, oder? Gehen wir mal zurück. 4. November 2011, Eisenach, Bankraub. Die Entdeckung des NSU. Die Täter fliehen mit einem weißen Wohnmobil. Das wird später in einem Wohngebiet von 2 Streifenpolizisten gefunden. Als sie sich dem Camper nähern, hören sie 3 Knallgeräusche. Dann fängt der Camper Feuer. Entschuldigung. Was soll das sein für eine Uniform? Bitte? Ich bin Streifenpolizist. Okay. Probieren wir es uns trotzdem vorzustellen.
Man findet später in dem Camper 2 tote Nazis, Mundlos und Böhnhardt, dazu 8 Waffen, mit denen sie mutmaßlich 10 Menschen erschossen haben. Die sind tot. Dann ist alles klar. Das ist kein Problem. Die haben sich umgebracht, angesichts der übermäßigen Polizeigewalt. Das waren Terroristen. Die waren bewaffnet bis an die Zähne. Die haben 10 Leute umgebracht. Warum sollten die sich umbringen, aus Angst vor uns? Stimmt, das war anders. Die waren ganz lange Nazis. Irgendwann hatten die keinen Bock mehr. Die haben sich beruflich verändert. Die haben gesagt, wir bekämpfen die Nazis. Die haben mit sich selbst angefangen. Was ist das für eine abstruse Theorie? Ich weiß es nicht.
Obwohl, die offizielle Version kann ich Ihnen nicht genau sagen. Dazu haben wir Experten. Ich als Kriminologe spreche von spontaner Deradikalisierung. Da habe ich noch nie was von gehört. Das Phänomen ist vorher und auch danach nie wieder aufgetrieben. Was ist denn eine spontane Deradikalisierung? Das ist ganz einfach. Schauen Sie, Böhnhardt schießt nach draußen auf die Polizei. Die Maschinenpistole klemmt. Schock, schwere Not klemmt. Draußen Polizei. In diesem Moment beginnen die beiden, sich spontan zu deradikalisieren. Und zwar gründlich. Sie beschließen, aus dem Leben zu scheiden. Sie suchen im Camper nach einer anderen Waffe, die geladen ist. Und ganz wichtig, nicht wieder klemmt.
Sie entscheiden sich für die Winchester Pumpgun. Damit schießt Mundlos Böhnhardt in den Kopf. Danach macht sich Mundlos im Camper auf die Suche nach etwas Brennwaren, um ein hübsches Feuer im Camper zu veranstalten. Anschließend setzt er sich ans Ende des Camper, nimmt die Pumpgun und schießt sich selbst in den Kopf. Wie lange soll das denn alles gedauert haben? 20 Sekunden. Bitte? 20 Sekunden. Das ging aber auch ganz schön flott, oder? Na, es war eben eine sehr spontane Deradikalisierung. Also, Moment. Wenn Mundlos das Feuer gelegt hat, bevor er sich erschossen hat. So, das ist ja sicher. Da muss er ja Rauch eingeatmet haben. Ist denn Ruß in seiner Lunge gefunden worden?
Na ja, es gibt die Aussage von Ex-BKR-Chef Zierke vom Bundestag. Der hat gesagt, man habe Rauch in der Lunge von Mundlos gefunden. Also, insofern legen Sie richtig. Das ist absolut falsch. Was ist das mit dem Ruß? Ja, und die Aussage von Zierke. Schauen Sie, wir von der Gerichtsmedizin Jena haben die Toten untersucht. Und wir konnten bei beiden weder Ruß in der Lunge noch brandtypisches Kohlenmonoxid im Blut feststellen. Moment mal, aber das heißt ja dann, dass die beiden schon tot waren, als jemand dann den Campingwagen angezündet hat. Dann würde ich jetzt gerne auf jeden Fall die Waffen... Die Waffen? Ja, auf Fingerabdrücke untersuchen. Das ist eine sehr gute Idee.
Es gibt leider keine drauf. Dann haben Sie Handschuhe angezogen. Bitte? Nein. Okay, dann haben Sie sich... Sie haben keine Handschuhe angehabt, haben sich mit den Waffen aber umgebracht, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Also der perfekte Mord, äh Selbstmord. Ja, oder es hat ein anderer vielleicht... Moment mal, es war ein Mundlos und ein Böhner. Schauen Sie, man hat keine Fingerabdrücke gefunden. Das heißt, die beiden müssen es gewesen sein. Warum? Weil das zu den anderen NSU-Tatorten auch passt. Was denn? Weil die beiden dort keine Fingerabdrücke gefunden hatten. Ja, dann müssen sie es gewesen sein. Ja, richtig. Alles nicht so schlimm. Man hat ja zwei Patronenhülsen gefunden.
Ne, zwei Leichen, zwei Patronenhülsen. Fall erledigt. Das war ja eine Pumpgun. Und bei einer Pumpgun, das kennt man ja aus so Filmen, da muss man ja immer noch mal durchladen, damit die Patronenhülse rausfliegt, also hat er mit selber schon weggeschossenem Hirn noch mal durchgeladen, oder was? Naja, Nazis agieren gerne mal etwas kopflos. Gut, dann haben die sich das Hirn weggeschossen. Aber dann muss ja Hirnmasse gefunden worden sein, am Tatort. Man hat Hirnmasse gefunden, etwa so 700 Gramm. Aber wenn das zwei Erwachsene waren, dann müsste das knapp drei Kilo gewesen sein. Das ist viel zu wenig Hirn. Das waren Nazis. So, dann sichere ich jetzt hier weiter den Tatort.
Ich weiß nicht, ob ich da so ... Das würden Sie natürlich gerne machen, aber ich sage Ihnen gleich, die Spurensicherung muss ich schon ein bisschen gedulden. Wir vom Abschleppunternehmen haben dann zunächst mal den Kemper auf eine 40 Grad schiefe Rampe hochgewuchtet und dann quer durch die Stadt gefahren. Dabei ist natürlich einiges durcheinander gerumbilden. Insofern würde ich nicht von einem gesicherten Tatort sprechen, wenn ich mir das so ein bisschen verabschieden würde. Was ist das denn hier? Die gibt es überhaupt nicht nach Handbuch. Ist das hier so eine spontane Deprofessionalisierung oder was? Beruhigen Sie sich mal. Nein, jetzt bleiben wir mal. Das ist unüberleglich.
Und überhaupt, die offizielle Version, die klingt wie die reinste Verschwörungstheorie. Verschwörungstheorie ist das, wenn Spinner unhaltbare Hypothesen aufstellen. Wie heißt das, wenn die Polizei unhaltbare Hypothesen aufstellt? Wahrscheinlicher Tathergang. So ist das bei dem ganzen Thema. Man fragt sich immer, ist das noch Dummheit oder ist das schon böse? Es ist völlig okay, erst mal von Dummheit auszugehen. Das ist ja was sehr Menschliches. Ich glaube, das Problem bei Menschen grundsätzlich ist, dass seine Dummheit genauso groß ist, so unendlich groß, wie seine Klugheit. Die Spezies, die die Relativitätstheorie aufgestellt hat, hat auch Handyschmuck erfunden. Und ich merke das bei mir.
Ich bin über 90 % der Zeit damit beschäftigt, dumme Dinge zu tun. Das fängt an bei normal dummem Ding. Neulich hat z.B. ein Bekannter gefragt, wie findest du eigentlich Dostoyevsky? Dann habe ich geantwortet, ja. Zentraler Bestandteil seiner Werke war die menschliche Seele, deren Regungen er mit Mitteln der Literatur nachgespürt hat. Den Satz habe ich bei Wikipedia gelesen und auswendig gelernt. Ich habe noch nie einen Satz von Dostoyevsky gelesen. Dann unterhalten wir uns angeregt eine Stunde lang über Dostoyevsky. Bis der andere sagt, muss ich auch mal lesen. Das ist ganz normale Dummheit. Die richtig harte Dummheit beginnt da, wo man Sachen weiß, die aber einfach ignoriert.
Trotzdem gibt es immer noch Menschen, die sagen, das ist keine dumme Frage, sondern nur dumme Antworten. Wir kennen doch alle die Frage, den Klassiker, schläfst du schon? Das ist keine kluge Frage. Und jetzt mache ich mich drüber lustig. Aber ich wecke nachts meine Freundin auf und sage, du schnarchst. Was soll sie machen mit dieser Information? Was soll sie mir antworten? Oh, sorry, danke, dass du es sagst. Ich höre sofort auf damit. Und das Schlimme ist, sie sagt es wirklich. Und ich schlafe beruhigt ein, bis sie wieder schnarcht. Ich bin also dumm und kuschel mich in meine Dummheit. Das ist ein bisschen tragisch, aber nicht böse.
Dummheit wird erst böse, wenn man denkt, dass man selbst zwar schon ziemlich dumm ist, aber auf jeden Fall die anderen noch viel dümmer als man selbst. Beispielsweise, wenn man sagt, Linksextremismus ist genauso schlimm wie Rechtsextremismus. Ich habe mir das angeguckt. Das ist eine linksextreme Straftat. Eine linksextreme Straftat, ganz offiziell, ist die Sitzblockade gegen Neonazis. Und da muss ich sagen, da muss man dringend was gegen machen. Wenn ich nachts durch eine dunkle Gasse laufe, ist das meine größte Sorge. Hoffentlich gerate ich nicht in eine Sitzblockade. Währet den Anfang, sonst wird sich jeder irgendwo hinsetzen. Da muss man auffassen.
Und klar muss man sagen, ab und zu ist es so, dass jemand umgebracht wird, weil er nicht deutsch aussieht. Aber wenn der NSU-Prozess eines zeigt, dann doch das. Wenn so was passiert, immer unter staatlicher Aufsicht. Ich glaube, das ist das Problem. Bei den Linksextremen sind ja kaum V-Leute involviert. Da weiß man gar nicht, wo die sich wieder als Nächstes hinsetzen. Das macht Angst. Dann habe ich geguckt, was ist offiziell eine rechtsextreme Straftat? Da geht man ja als Laie davon aus, wenn jemand eine Flüchtlingsunterkunft anzündet. Die Profis differenzieren. Wenn jemand ein bisher unbescholtener Bürger eine Flüchtlingsunterkunft anzündet, gilt das nicht als rechtsextreme Straftat.
Warum auch? Ich glaube, dass er sie umbringen will einfach nur so. Vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag. Kann ja immer mal sein. Die Lieblingsmannschaft hat schlecht gespielt. Oder die Freundin schnarcht. Zack, da brennt die Hütte. Ich bin überhaupt nichts gegen Sitzen. Nur auf den Kontext kommt das an. Man sollte sich da den deutschen Tugenden berufen. Z.B. sitzen bleiben, ein Sitzen haben, aussitzen. Das ist Deutsch. Das kann alles nicht sein. Das gibt es doch nicht. Was machen Sie da? Die Frage ist doch, was machen Sie da? Ich versuche, das NSU-Puzzle zu lösen. Aber mir fehlen da noch ein paar Teile. Nein, das Puzzle ist fertig. Viel Spaß beim Nach Hause gehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mundlos, Böhnhardt und Schäpe das alles alleine waren. Doch, das waren die ganz alleine. Böhnhardt und Mundlos haben gemordet, während Schäpe ihnen den Untergrund sauber gemacht hat. So ähnlich sieht das auch der Bundesanwalt. Das war zu keinem Zeitpunkt ein Netzwerk. Sie klingen, als würden Sie für den Verfassungsschutz arbeiten. Sollten wir nicht alle die Verfassung schützen? Natürlich, ich versuche es gerade. Vielleicht passt das hier. Das passt da nicht hin. Das passt da hin. Thüringer Heimatschutz. Sagt Ihnen das was? Das war so eine Art Stammkneipe, Stammtisch. Sie haben sich einmal in der Woche getroffen. Das muss eine große Stammkneipe gewesen sein.
Hier steht, Thüringer Heimatschutz war ein Netzwerk aus 150 gewaltbereiten Neonazis. Große Männer, großer Durst. Wer ist dieser Tino Brand? Den hatte ich vor... Oh, der passt jetzt da hin. Tino Brand, das war der Chef des Thüringer Heimatschutzes. Umgeschriebenes Blatt. Er war mitverantwortlich für die Radikalisierung des NSU. Er war Ihr kleiner Führer. Warum schreibt man Führer mit V? Das ist die neue Rechtsschreibung. Kann es sein, dass Tino Brand V-Mann beim Verfassungsschutz war? Ja, warum? Weil er erklären würde, warum er trotz 35 Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung nicht verurteilt wurde. Was steht dieses V in V-Mann eigentlich?
Das steht für Vertrauen. Vertrauen, gell? Interessant. Tino Brand sitzt inzwischen wegen 66-fachem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Gefängnis. Warum haben Sie so jemanden vertraut? Er kam immer pünktlich zu den Treffen. Sagen Sie mal, dieser Pfeil, das sieht so aus, als hätte er von irgendjemand Geld bekommen. Oh ja, da gibt es eine riesige Unterstützer-Szene für die Rechten in Thüringen und auch ein bisschen vom Verfassungsschutz. Er hat nicht umsonst für uns gearbeitet. Das würden Sie ja wahrscheinlich auch nicht tun. Oder würden Sie das vielleicht tun?
Brand hat vermutlich mit ihrem Geld den höheren Heimatschutz aufgebaut und behauptet, dass er mit ihrem Geld auch das Trio gefördert hätte. Na gut, aber er hat uns dafür auch exklusive Informationen geliefert. Das ist lustig, weil ich erinnere mich an Tino Brand, der mal ausgesagt hat, dass 95% von dem, was er ihnen exklusiv erzählt hat, dass das hätte jeder mitbekommen, der mit ihm am Tisch saß. Soll ich auch wieder recht sagen? Thomas Starke, oh, der passt jetzt hierhin. Gucken Sie mal, was habe ich über den? V-Mann, zweieinhalb Jahre Knast wegen schwerer Körperverletzung, hat dem NSU Sprengstoff besorgt und die erste Wohnung nach dem Untertauchen.
Ich sage ja immer, wir haben im Untergrund die Wohnungsnot gelindert. Oh, der passt jetzt hierhin. Michael See genannt Tarif. Was haben wir über den? Versuchter Totschlag. Dreieinhalb Jahre Gefängnis hat die Zeitschrift Sonnenbahner herausgebracht. Sagt Ihnen das was? Können Sie mich raten, war das nicht das Organ des Freundeskreises nationaler Nudisten? Fast. Nationaler Sozialisten. Ich wusste, es war was mit Braun. Hören Sie. Laut meinen Unterlagen stand im Sonnenbahner so Sachen wie meinen führerlosen Widerstand organisiert und Zellen im Untergrundbild. Das ist wie eine Betriebsanleitung für den NSU. Das haben die doch gar nicht gelesen.
Man hat die Zeitschrift gefunden in der Garage von Beate Zeeffel zusammen mit dem Sprengstoff was viele vergessen. Häufig sind diese Männer ja nicht nur V-Leute sondern auch noch Nazis. Tarif hat gesagt, dass er jede Ausgabe von diesem Sonnenbahner seinem V-Mannführer quasi zur Genehmigung vorgelegt hat. Sie werden doch einem V-Mann nicht vertrauen. Sie haben doch damit angefangen. Tarif hat sogar ausgesagt, dass er mal einen Anruf bekommen hat ob er mithelfen könnte Mundlos Böhner Zschäpe zu verstecken. Wissen Sie was er gemacht hat? Er hat den V-Mannführer angerufen. Und? Was haben wir gesagt? Schon mal nach. Sie haben nein gesagt. Also? Sie hätten den NSU frühzeitig stoppen können.
Aber der Preis wäre viel zu hoch gewesen. Schauen Sie wir hätten eine hochkarätige Quelle verloren. Verstehe Sie. Beobachten den Terror lieber als ihn zu stoppen. Finger weg. Was machen Sie da? Ah, Thomas Richter. V-Mann Corelli. Schau mal. Der hat eine Menge Geld von ihm bekommen. Um fast 300.000 Euro. War auch unser bester Mann. HJ Tommy. War sogar Mitglied im Kukluks Clan. Für solche Spitzenkräfte müssen Sie ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Er muss ein guter Mann gewesen sein. Er hat sich schon frühzeitig auf die Existenz vom NSU hingewiesen. Sechs Jahre vor dessen Entharnung. Das kann nicht sein. Er hat Ihnen eine CD mit Hinweisen auf den NSU geschickt. Mit Daten. Das kann sein.
Sie haben die CD jahrelang nicht ausgewertet. Das kann sein. Wissen Sie, wer es gefunden hat? Das BKA. Zitat. Sie waren nicht in der Lage, ihn am eigenen Haus zu finden. Wissen Sie, wie groß unser Haus ist? Was wollen Sie denn? Die CD ist doch jetzt da. Aber 10 Menschen sind nicht mehr da. Sie hätten das vielleicht verhindern können. Sie hatten V-Leute. Man schätzt so 40 V-Leute rund um den NSU. Wozu? Sie haben geholfen, Rechtsradikale zu radikalisieren. Sie haben sie mit Sprengstoff ausgerüstet. Mit Ideologie und Geld. Was soll das sein? Betreutes Morden? Das kann sich alles gar nicht beweisen. Das ist reines Hörensagen. Und ich höre mich sagen, das Puzzle ist fertig. Stopp.
Warum hat Beate Schäpe am Tag vom Tod von Mundlos und Böhner einen Anruf bekommen aus dem sächsischen Innenministerium oder einer anderen Polizeidienststelle? Da hat sich jemand verwählt. Über 10 Mal. Frau Merkel hat den Opfern versprochen, wir klären auf, auch die Hintermänner. Wenn das so ist, dann will ich mal nicht so sein. Entschuldigung, kann ich bitte mal die Akten, die jeweiligen, über die V-Leute bekommen? Hey! Viel Spaß bei der Wahrheitsfindung. Das ist alles geschreddert. Die deutschen Ermittlungsmethoden sind ein bisschen merkwürdig. Wann wurde das gemacht? Ihr steht 11.11.2011 kurz vor 11 in Köln. Das ist jetzt ein Witz, oder? Das ist Timing.
Zufällig auch der Tag, an dem die NSU-Ermittlungen begannen. Wer trägt hier für die politische Verantwortung? Hier steht Klaus-Dieter Fritsche. Was ist denn aus diesem Konfettimann geworden? Der ist jetzt Merkels oberster Koordinator für die Geheimdienste. Das ist gut. Das heißt, Merkel kann ihn zwingen auszusagen. Hat er schon. Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss. Da hat er gesagt, es dürfen keine Staatsgeheimnisse verraten werden, die Regierung handeln und terminieren. Das ist richtig. Denn das gefährdet das Staatswohl. Was? Die Aufklärung von Nazi-Verbrechern das gefährdet das Staatswohl? Die spinnen die Deutschen. Das gibt es doch nicht. Was ist das alles?
Wie sollen wir denn mit diesem Schnipsel gegen Rechtsradikale und Rechtsextreme vorgehen? Entschuldigung. Ja, bitte. Vielleicht kann ich Ihnen helfen. Entschuldigung. Wie denn? Wer gegen die Nazis kämpft, der kann sich auf den Staat überhaupt nicht verlassen. Ich erzähle Ihnen mal eine Geschichte. Gerne. Machen Sie. Ich hatte eine Boutique. Vor meiner Boutique hat sich plötzlich ein NPD-Stand aufgemacht. Das hat mich wahnsinnig geärgert. Aber dann kamen ganz viele Leute und haben gegen diese Nazis demonstriert. Das hat mich sehr gefreut, weil da waren auch so transparente nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Ich habe mich so gefreut. Dann kam die Polizei.
Da habe ich mich nicht mehr gefreut, weil die Polizei hat sich nämlich vor die Nazis gestellt und hat die Nazis geschützt, anstatt das Gegenteil zu tun. Nämlich die Demonstranten zu schützen. Ja. Da habe ich einfach die Wut gekriegt. Und dann habe ich einen Polizisten am Revier gepackt. Und dann habe ich ihm gesagt, sagen Sie mal, was machen Sie eigentlich hier? Sie schützen diese Nazis. Die haben doch Deutschland ins Unglück geschickt. Ja. Da sagte der zu mir, lassen Sie mich los. Wenn Sie mich nicht loslassen, dann werde ich Sie verhaften. Da habe ich gesagt, das können Sie ruhig tun. Ich habe Schlimmeres erlebt. Ich war in Auschwitz. Das ist Esther Begerano.
Sie war in Auschwitz inhaftiert und hat das Lager nur überlebt, weil sie im Mädchenorchester von Auschwitz war. Das heißt, Sie mussten dort spielen? Ja. Ich musste dort Akkordeon spielen. Ich konnte gar nicht Akkordeon spielen, aber ich habe gelogen und habe gesagt, ich kann spielen. Das hat auch irgendwie geklappt. Wenn man so etwas erlebt hat, hat man da überhaupt noch Lust auf Musik? Natürlich. Natürlich habe ich Lust auf auf Musik. Ich singe. Ich singe in einer Band. In einer Band? Ja. Ich singe mit meinem Sohn zusammen. Und mit Kutlu. In Kutlus Band. Und was macht ihr für Musik? Wir rappen. Wir sind Rapper. Allerdings, ich rappe nicht. Ich singe. Das machen die Jungs den Rap?
Ja, die Jungs machen das. Aber Sie singen immer noch jetzt? Klar. Und Esther sagt immer, sie wird so lange singen? Ja, also ich singe so lange, bis es keine Nazis mehr gibt. Großartiger Vorsatz. Danke schön. Dann machen Sie das letzte Artikel hier. Bei uns. Meine Damen und Herren, die Maiko von Mafia Juran Resta Bijerano. Bitte schön. Sage nie, du gehst den letzten Weg. Ein Lied in der jüdischen Sprache. Es wurde von dem jüdischen Dichter und Partisan geschrieben. Und dieses Lied wurde sofort zur Himmle des jüdischen Widerstandes. Und dieses Lied hat uns sehr viel geholfen. Zu überleben. Und dieses Lied singen wir jetzt für alle Menschen. Damit es Ihnen geholfen ist.
Und damit Sie sich freuen können. Aus denen du schaust, um wieder Schritt für Schritt in die Zuversicht zu gehen. Neugeboren mit Kraft, um diese Welt durchzustehen. Das Lied geschrieben ist ein Blut und nicht mit Leid. Sie ist nicht gediedelt. Von der Freude läuft er frei. Das hat Erfolg. Zwischen Fallen, dicke Wände. Das Lied gesungen mit Naganes in die Hände. Von der Freude läuft er frei. Zwischen Fallen, dicke Wände. Das Lied gesungen mit Naganes in die Hände. Begerano, Michael von Mafia und wir widmen dieses Lied allen Opfern des Naziterrors und allen Opfern von jeglichen Terror auf dieser Welt. Paris, Beirut, Ankara. Wir fühlen mit den Angehörigen und trauen um die Toten. Vielen Dank.
Das war die Anstalt. Vielen Dank. Michael von Mafia. Joram. Begerano. Vielen Dank. Vielen Dank. Auf Wiedersehen. Vielen Dank. Auf Wiedersehen. Vielen Dank.
Dieses Transkript entstand vor der Zeitstempel-Funktion. Eine Neu-Transkription ist in der Verwaltung möglich.