Rechtsruck mit der Bundestagswahl 2017 und Abrechnung mit den „ Vorgängern “
Einzug der AfD in den deutschen Bundestag, Bundestagsabgeordnete mit ehemaliger NSDAP-Mitgliedschaft , mediale Aufmerksamkeit für die AfD, Unterschiede zwischen und Gemeinsamkeiten von Populismus und Kabarett, Heimat als Rückzug in Zeiten der Globalisierung, politische Unzufriedenheit führt oft nicht zu Verbesserungen, sondern fördert extremistische Tendenzen, Schere zwischen Arm und Reich , Gründe für das Erstarken rechtspopulistischer Tendenzen, in Würde altern, soziale Gerechtigkeit als schwieriges Wahlkampfthema
Zusammenfassung KI, aus dem Transkript
Die Anstalt analysiert die politische Landschaft Deutschlands im Kontext der 2017er Bundestagswahl und der Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte. Die Satire zeigt die Verstrickung etablierter politischer Akteure mit extremistischen Tendenzen und die Manipulation der öffentlichen Meinung durch simplen Populismus. Ein zentrales Thema ist die Angst vor sozialer und wirtschaftlicher Veränderung, die sich in der Unterstützung für die AfD manifestiert. Die Sendung kritisiert die Inkompetenz und die Sinnlosigkeit politischer Debatten und stellt die Frage nach der Verantwortung der politischen Eliten gegenüber der Gesellschaft.
Transkript 8.519 Wörter
Liebe Freundinnen und Freunde des politischen Humors, es gibt nichts schön zu reden. Wir haben diese Bundestagswahl knapp verloren. Knapp. Wir haben ihn in die Fresse bekommen. Wir haben unser selbst gestecktes Ziel nicht erreicht. Aber was? Besonders bedrückend ist die Stärke der neoliberalen FDP. Fuck! Die zweistellig im Bundestag vertreten ist. Ebenso wie die neoliberale Rechtsnationale AfD. Fuck! Wir möchten uns bei den Zuschauerinnen und Zuschauern bedanken, die uns in der letzten Zeit den Rücken gestärkt haben. Das können wir sogar namentlich machen, waren ja nicht so viele. Vielen Dank an den P, Horst P und Ecki S. Ja, vielen Dank.
Was mein Kollege sagen möchte, ist es uns offensichtlich nicht gelungen, mit unseren Kernbotschaften beim Zuschauer durchzudringen. Wir haben in Perücken und Strumpfhosen vorgetanzt, wo es schief läuft. Wie tief müssen wir das Niveau für diese Entertainment-Verwahrlosen da draußen noch hängen? Wir übernehmen die volle politische Verantwortung für dieses Wahlergebnis. Es ist Zeit für eine Erneuerung. Und deswegen wird Claus von Wagner mit sofortiger Wirkung zurücktreten. Und Sie? Ich werde auch zurücktreten und Ihre Position besetzen. Was? Und Sie werden meine Position besetzen. Damit sind wir neu aufgestellt für die Zukunft. Fuck! Fuck! Fuck! Sie da sind? Das ist der Untergang. Es stimmt!
иб Wir werden alle sterben. Ihnen ist schon klar, Herr von Wagner, war die wollen, dass sie Angst vor Ihnen haben. Ja, kann man Sie berücksichtigen? Das haben Sie geschafft. Ich habe Angst. Wir atmen tief durch. Die AfD hat lediglich 12,6 Prozent erreicht. Ja, Moment mal, die Nazis haben 1928 auch klein angefangen, mit 2,6 Prozent. Sie wollen doch bitte nicht die Bundestagswahl mit der Reichstagswahl von 1928 vergleichen. Das war doch völlig andere Zeiten damals. Damals, da hatte die SPD satte 29 Prozent. Schön, schön. Ja, sehr lustig. Nein, ich finde das toll. Schön, schön, dass Sie das alle so leicht nehmen können. Ich möchte an die mahnenden Worte erinnern.
Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Eine Lawine hält niemand mehr auf. Ah, ein politischer Punkt, literarisch untermauert durch Knarzig vorgetragenes Zitat. Sagen Sie mal, das kenne ich doch eigentlich nicht. Das ist Kestner. Ich bin, meine Herren, hergekommen, weil ich mich also nicht vergewissern möchte, dass Sie auch nach diesen Wahlergebnissen bereit sind, Konsequenzen zu ziehen. Natürlich. Wir haben ja schon Konsequenzen gezogen. Es war brutalst mögliche Konsequenzen. Sie meinen, diese Personalrochade, das alberne Ding, Herr Wagner, das soll, das soll... Ich bin Uthoff von Wagner, ist er da. Ja, mag sein.
Es spielt auch keine Rolle, wer von Ihnen was ist. Fest steht doch, dass Sie beide während der letzten Legislaturperiode diese Anstalt hier maßgeblich gestaltet haben. Sehe ich das richtig? Ja, das kann man so. Immerhin, so. Und bitte, was ist das Ergebnis? Jetzt lassen wir mal die AfD beiseite. Die FDP ist wieder im Bundestag. Die FDP, die wir mit quasi, wie soll ich sagen, mit chirurgischer Präzision aus dem Bundestag heraus operiert hatten, ist jetzt wieder drin. Also das lassen wir nicht. Als die FDP 2013 aus dem Parlament gekegelt wurde, da waren Sie doch gar nicht mehr hier. Genau, das war doch eher der Verdienst von diesem seltsamen kleinen Mann mit dem Herrenhand der Schlieb.
Der hat doch den Brüderle persönlich in seiner Bohle erseuft. Wie funktioniert das eigentlich? Fische ertrinken doch noch nicht im Wasser. Also verleppern wir uns mal nicht, ja. Ich fordere von Ihnen eine Bilanz. Sie haben hier dreieinhalb Jahre. Haben Sie sich hier ein Abzappeln, abzappeln dürfen? Und was ist die Bilanz unterm Strich? Was bleibt denn da? Also Entschuldigung, also ich erinnere mich nicht, dass Sie jemals hier eine Bilanz vorgetragen hätten. Also wenn jemand Bilanz zieht, dann doch erstmal Sie. Natürlich. Sie haben uns doch das Schlamassel mit der AfD maßgeblich mit eingebrockt. Wie bitte? Natürlich.
Sie haben doch zur Verrohung der öffentlichen Auseinandersetzung beigetragen, indem Sie ständig nach dem Zorn gerufen haben. Also das ist ja, wollen Sie mir eine Schuhe schieben? Darüber wird noch zu reden sein. Und was Ihre Bilanzwünsche an mich anbelangen, können Sie jederzeit von mir haben. Das wäre nicht die erste Bilanz, die ich sehe. Geben Sie mir 15 Minuten. Geben Sie Ihre Bilanz. Gut, hervorragend. Dass du nicht enden kannst, das macht dich groß. Und du nicht beginnen kannst, das ist dein Los. Sie sind hier. Kommen die anderen auch. Wir sind für halb elf verabredet. Wieso weiß ich das nicht? Da sollten Sie mal drüber nachdenken. Ja, da sollten Sie mal drüber nachdenken.
Ja, da soll ich mal drüber nachdenken. Ich bereite mich nur kurz vor. Das hilft. Haben Sie noch ein Zimmer, das ich... Ein Zimmer? Er glaubt immer noch, dass das eine echte Anstalt ist? Ja, Sie kennen sich ja aus. Einfach nur zum Notiz machen. Ja, bitte. Ich finde raus. Wir sehen uns noch nicht. Herr Malmseimer, schön, dass Sie da sind. Ich auch. Warum sind Sie denn da? Wir sind zu Ihnen gekommen, um in diesen schwierigen Zeiten die Last der Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen. Das ist sehr nett von Ihnen. Könnten Sie uns diese Last vielleicht abnehmen? Ach. Uns einfach mit nach draußen nehmen. Warum sollen wir die denn rausnehmen? Die kommen doch immer wieder. Wie Nasenhaare.
Was machen wir jetzt damit? Ganz einfach. Was? Wir lassen Sie verschwinden. So zum Beispiel. Das ist doch... Was soll denn das jetzt? Ja! Wir bekämpfen Sie mit Humor. Ach, mit Humor? Humor ist doch eine Waffe. Bitte, Sie denken Sie an die Blondinen, an die Ostfriesen, an die Sachsen. Die hat man nur Kraft des Witzes gesellschaftlich unmöglich gemacht. Das stimmt doch überhaupt nicht. Das ist doch absolut sicher. Okay, stimmt. Aber ein Witz um die Rechten aus dem Bundestag heraus zu kegeln, das muss schon ein klasse Witz sein. Ja, der muss natürlich sofort in den Volksmund übergehen. Der muss die AfD tödlich treffen. Okay, zum Beispiel. Ach so, da kommt also Gauland kommt zum Arzt. Okay, gut.
Und weiter. Und dann sagt er, Herr Doktor, ich habe Flüchtlinge. Okay, okay, okay. Und weiter. Und dann sagt der Arzt, schieb ab, Alter. Tödlich, ha? Ich weiß nicht, Herr Uthoff. Außerdem ein Arzt, der politische Witze erzählt. Also das, das kannte man bisher eigentlich nur von... Home. Sweet Home. Hallo Jungs. Hallo. Herr Priol, Herr Priol. Jetzt kommt wieder stundenlanges Merkel-Bashing und dann kommen wir wieder nicht zur AfD. Herr Priol, dass Sie sich überhaupt noch aus dem Aufzug raustrauen. Ha, dass Sie sich überhaupt noch raustrauen in dem Aufzug. Warum bitte sollte ich mich ja nicht raustrauen? Naja, weil ja Angela Merkel trotz ihrer jahrelangen Anstrengungen immer noch da ist.
Oh, die Merkel. Da erleben Sie mich völlig tiefenentspannt. Echt? Oh, das will ich mir anschauen. Schauen Sie, schauen Sie, wenn die Ikone der Stabilität, die mächtigste Frau der Welt, die gefühlt ewige Schutzpatronin der CDU-Mehrheit, das schlechteste Ergebnis seit 1949 einfährt, da habe ich doch... Und die Einzige, die es nicht zur Kenntnis nimmt, ist auch Sie. Ich wüsste nicht, was wir anders machen sollten. Wie sie da stand bei der Pressekonferenz in ihrem grauen Wammes, wie die ältere Schwester von Kim Jong-un. Eine Verdrängungsleistung, wie ein Hochsee-Tankerner. Und dann, vorgestern, nächste Klatsche Niedersachsen. Wobei, diese Wahl wird ja total überbewertet.
Im Grunde genommen ist es doch völlig egal, wem VW das nächste Regierungsprogramm schreibt. Aber die Niederlage der Union macht doch die Erfolge der AfD erst möglich. Ach so, die AfD, die zwölf Prozent, das dreckige Dutzend. Schauen Sie mal nach Österreich. Da haben die Rechten 60 Prozent geholt. Kurz und strache. Hier haben wir jetzt nur noch die Wahl zwischen einem kleinen Braunern und einem großen Braunern. Und hoffen auf eine Melange bei uns. Die AfD, die Republikaner, die NPD, die Schildpartei, die DVU, sogar Erika Steinbach. Ein gelungenes Beispiel für die missglückte Integration von Flüchtlingen. Also was soll ich da über die AfD?
Hat jemals eine Partei begonnen, sich schneller zu zerlegen? Am Tag nach der Wahl kommt die Petri, sagt Petri Heil und haut in den Sack. Da haben sie mal schön blöd rumgehockt bei der Pressekonferenz. Cool blieb nur der Gauland. Toller Name. Hat es jemals einen treffenderen Nachnamen für solch einen rechten Sack gegeben? Obersturmbannführer Gauland vortreten zur Ordensverleihung. Der hat den kalten Abgang ganz locker gekontert. Er hat nur gemeint, ach, schauen Sie, wir von der AfD sind halt nun mal ein gäriger Haufen. Haufen habe ich sofort gelten lassen. Sogar einer, der noch dampft.
Aber bei gärig habe ich überlegt, und da habe ich mein Synonymwetterbuch rausgekramt, um zu gucken, was gärig bedeutet. Das ist ganz, finde ich es auch, ja, da ist es gärig mit der Altbacken, dumpf, faul, faulig, ranzig, schimmlig, schlecht, übelschmeckend, ungenießbar, verdorben, verfault, vergammelt, verrottet, verschimmelt, verwest und wurmstichig. Das war richtig treffend, richtig. Aber was? Die sind ja immer noch da. Das scheint die Alten nicht wirklich zu beunruhigen. Die kennen das halt. Wie, die kennen das? Moment mal, unser Außenminister Sigmar Gabriel hat gesagt, wir haben zum allerersten Mal Nazis im Deutschen Bundestag.
Wir haben zum ersten Mal Nazis im Deutschen Bundestag, die nicht Mitglieder in der SPD sind. Oder in der CDU oder in der FDP. Also, Entschuldigung, das ist, ja, ja, ja, ich weiß, ja, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt kommt wieder die alte Geschichte. Ja, das Parlament damals war halt eben noch ein bisschen angegammelt. Klar, da gab's ein paar braune Stellen. Okay, ja, aber wir hatten ja nichts damals. Ja, wir hatten, ich komme nach dem Krieg, da waren wir eben, da mussten wir eben zurückgreifen auf Ernst Ahrenbach. Wen? Ernst Ahrenbach, FDP-Abgeordneter und während des 3. Reichs in der Botschaft in Paris tätig. Ja, Diplomat, was wir da schon gemacht haben, Papierkram.
Ja, Papiere für Deportationen nach Auschwitz. Also, wie gesagt, gute Mitarbeiter waren damals schwer zu bekommen am Anfang. So Anfang, Ahrenbach war bis 76 FDP-Abgeordneter. Gut, das wird bestimmt irgendein Hinterbänkler gewesen sein. Im Vorstand der FDP-Fraktion. Was hat man da schon zu sagen? Er hat im Auswärtigen Ausschuss dafür gesorgt, dass Nazimörder nicht nach Frankreich ausgeliefert werden. Okay, gut, das war jetzt ein FDP-Mitglied. Unter vielen. Ahrenbach war Teil einer Nazi-Klick, genannt Naumann-Kreis, der den 50ern bewusst systematisch die FDP unterwandert hat. Ja, aber da in der FDP werden ja bestimmt auf Widerstand gestoßen sein, nicht? Auf andere Nazis.
Auf andere Nazis, verstehen Sie? Auf andere Nazis. Ja, aber warum? Ja, zum Beispiel auf den Stellvertreter von Heydrich und auf den Referenten von ... Lassen wir die FDP, das ist ein Sonderfall, die FDP war ja immer schon, naja, flexibel. Gut, gut, gut, Sie haben recht. Nehmen wir doch einen CDU-Mann. Theodor Oberländer. Wer? Der war während des Dritten Reichs Experte auf dem Gebiet der Ostforschung. Ja, sehen Sie ihn Wissenschaftler, was wird der schon? Ich meine, Ostforschung, das war ja bestimmt so. Ethnische Säuberung in Polen. Okay, das ist nicht gut. Aber danach hat er doch ... Danach war er Minister für die Angelegenheiten der Vertriebenen.
Ja gut, auf dem Gebiet kannte er sich zumindest aus. Heinz Reinefahrt. Der sieht doch ganz ... aus. Der Schlechter von Warschau hat den Aufstand im Warschauer Ghetto niederschlagen lassen. Einer der schlimmsten Kriegsverbrecher des Dritten Reiches. In der Bundesrepublik saß er dann. Im Knast. Im Kieler Landtag. Aber zumindest war er nicht im Bundestag. Aber ich meine, das waren jetzt schreckliche Einzelfälle. Einzelfälle? Was ist das jetzt? Das sind die Einzelfälle, bundestagsabgeordnete ideale NSDAP-Mitglied waren. Kann er jetzt nicht mal Schluss sein mit dieser Vergangenheit? Die waren doch bestimmt nicht alle Nazis. Sie haben Recht, das waren doch nicht alle Nazis.
Da fehlt ja zum Beispiel noch Hans Klopke, der war Nazi, obwohl er gar nicht in der NSDAP war. Er war maßgeblich bei der Ausfertigung der Nürnberger Rassengesetze. Gut, aber der hatte doch keinen großen Einfluss auf die Bundespolitik. Er war Adenauers Kanzleramtschef. Okay, ein braunes Schaf in der Regierung macht noch keinen. Landwirtschaftsminister Ertl, Innenminister Zimmermann, Wirtschaftsminister Schiller, Außenminister Genscher, Bundeskanzler Kiesinger und die Bundespräsidenten Scheele und Carstens. Ja, jetzt stopp. Da sind manche, die sind mit 17 in die NSDAP eingetreten für ein paar Monate. Ja, Sie meinen also das Nazireich ist rechtzeitig zusammengebrochen? Nein, nein.
Was Sie hier machen ist ganz klar. Sie stellen verwirrte Jugendliche neben Massenmörder. Das kann man nicht machen. Gut, Punkt für Sie. Ich gebe zu, das kann man nicht machen. Auf der anderen Seite sagen Sie mir, wie viele Monate muss man Mitglied gewesen sein, um dann richtiger Nazi zu sein. Und abgesehen von den einfachen Mitgliedern, ich kann Ihnen Tausende von Menschen nennen, die unter Hitler zur Elite gehört haben und später in der Bundesrepublik maßgebliche Positionen besetzt haben. Vielleicht machen Sie das. Warum zählen Sie das denn alles auf? Wissen Sie, was Sie hier machen? Sie verharmlosen die AfD.
Neben dem schlechter von Warschau, da sieht doch der Gauland aus wie ein Wackeldackel. Warum ich das mache? Weil Sie hier immer kopflos rumrennen und sagen, wehret den Anfängen. Weil Sie nicht begreifen, dass das Denken von Gauland und Co. eine Fortsetzung ist. Was meinen Sie damit? Völkisches Denken, wie das der AfD, das ist doch nicht neu. Zum Beispiel das deutsche Staatsbürgerschaftsgesetz. Das ist im Grunde völkisch. Das ist jetzt eine steile These. Kurzes Quiz. Wenn Sie als türkischer Gastarbeiter vor 40 Jahren zu uns gekommen sind, seitdem hier arbeiten, leben, Steuern zahlen, sind Sie dann Deutscher? Natürlich nicht. Oder?
Wenn Sie als Aussiedler 40 Jahre in Russland gelebt und dort gearbeitet und steuert gezahlt haben, sind Sie dann Deutscher? Natürlich nicht. Oder? Verraten Sie mir, wer ist Deutscher? Der Russe ist Deutscher. Der Russe? Aber er und seine Vorfahren haben noch ewig in Russland gelebt. Ja, aber seine Vorfahren sind irgendwann mal vor langer Zeit aus Deutschland nach Russland gekommen und deswegen fließt in sein Lager ein deutsches Blut. Soll ich den Arzt noch mal holen? Deutscher. Deutscher ist, wer sich zum deutschen Volkstum bekannt hat und dieses durch Abstabbung, Kulturerziehung und Sprache bestätigt hat. Ja, Sie haben Gauland.
Das ist das bundesvertriebenen Gesetz, das heute noch festlegt, wer Deutscher ist. Übrigens raten Sie mal, wer maßgeblich bei der Erstellung des Gesetzes war. Ich glaube, ich will es nicht wissen. Hans Globke! Was? Nein! Der Hitler-Spezialist für Rassenfragen? Ja, derjenige, der festgelegt hat, was ein Achtel- und Vierteljude ist. Der hat festgelegt, was in der Bundesrepublik Deutsch ist? Genau deswegen fällt das völkische Denken der AfD auf so fruchtbaren Boden, weil wir alle noch glauben, dass Deutschsein etwas mehr sei als ein Pass. Wir haben uns von der Nazi-Ideologie nicht abgegrenzt. Wir haben eine Erinnerungskultur geschaffen. Wir stehen zu unserer Schuld.
Aber nicht zu unseren Schulden. Polen verlangt jetzt eine Billion Dollar Reparationen. Das sind jetzt Forderungen von Rechtspopulisten. Da muss man sich entschieden dagegen stellen. Ist das heute Kampf gegen rechts, wenn man die Schulden der Nazis nicht zahlen will? Ja. Und billiger. Das ist doch nicht realistisch. Das kann man keiner zahlen. Das sind Wahnsinnssummen. Das waren ja auch Wahnsinnsverbrechen. Das war doch wie bei den Banken. Unsere Verbrechen waren einfach too big to pay. Das hat man sich 90 auch gedacht bei der Wiedervereinigung. Da wären nämlich spätestens Reparationen fällig gewesen.
Aber Genscher hat im 2 plus 4-Vertrag so rumgetrickst, dass Deutschland seitdem nicht mehr für die Schulden der Nazis zahlen muss. Moment, wir sind seitdem ein anderes Land. Hören Sie sich? Nein? Wenn Gauland sagt, man kann uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten, sie sind nicht Teil unserer Identität, dann spiegelt er eigentlich noch nur wieder die Haltung dieser Republik und auch ihre. Also ich finde, wir haben schon viel zu lange über die AfD gesprochen. Ja, 17 Minuten. Um genau zu sein, siebenzehn Minuten und 43 Sekunden haben Sie bereits über die AfD gesprochen. Ich habe es hinten in meinem alten Büro alles gemessen und das muss sich ändern. Und das hier muss auch weg. Was soll das?
Es ist eine Zumutung so prominent. Das ganze Zeug, dich da hinzustellen. Ich möchte wenigstens in diesen Spiegel schauen können, ohne dass mir gleich schlecht wird. Und jetzt sage ich Ihnen mal eine kleine Rechnung. Die AfD hat bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent erzielt. Richtig, die heutige Sendung wird voraussichtlich 60 Minuten dauern. Gemessen am Wahlergebnis hätte die AfD also insgesamt knapp acht Minuten Aufmerksamkeit verdient. Diese acht Minuten haben sie aber bereits jetzt um mehr als 100 Prozent überschritten. Und damit machen ausgerechnet Sie, ausgerechnet in dieser Sendung dieser Partei noch größer als sie ist.
Und das Allerschlimmste ist, ausgerechnet Sie, lassen sich von denen thematisch vor sich hertreiben. Mit Verlaub, meine Herren, schön blöd. Entschuldigung. Was soll denn das? Entschuldigung. Auf welcher Seite? Herr Pelsig, ich kann das verstehen, diesen Einwurf. Aber das ist doch so. Über 90 Abgeordnete von denen sitzen inzwischen im Deutschen Bundestag. Das muss man auch mal sehen. Ja natürlich muss man das auch mal sehen. Das muss man sehen. Das muss man sehen. Man sieht es ja auch. Und mit Verlaub, Entschuldigung, was ist prinzipiell daran falsch, wenn sich in einem Parlament abbildet, was draußen im Land gedacht oder eben leider nicht gedacht wird. Was sagt man denn dazu?
Dazu sagt man Demokratie. Und noch etwas. Passen Sie auf. Ist dieser Wahlerfolg nicht die allergrößte Niederlage für die AfD, weil sie doch immer behauptet hat, dass unsere Demokratie nicht funktioniert? Das ist doch eine wunderbare Pointe. Der Wahlerfolg zerstört das Fundament. Und noch eine gute Nachricht. Gauland hat am Wahlabend ja gesagt, wir holen uns das Volk zurück. Moment, was ist daran gut? Also mich holt er nicht zurück. Mich holt er auch nicht zurück. Mich holt er auch nicht zurück. Und Sie holt er auch nicht zurück. Und verstehen Sie, gute Nachricht. Wenn wir nicht dabei sind, dann ist das Volk nicht ganz vollständig. Ja? Also eine gute Nachricht. Also, wir sind noch stark.
Momentan. Also... Ja. Aber... Herr Pelzig, das war jetzt schon ein wenig populistisch. Ja. Da treffen Sie mich am wundesten Punkt, den ich habe. Das ist ja genau mein Problem. Was denn? Ich frage mich seit geraumer Zeit. Und heute frage ich mich ganz besonders. Seit 22.15 Uhr frage ich mich immer, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Kabarettisten und einem Populisten? Ach, schau mal. Entschuldigung. Entschuldigung. Der Populist übertreibt und polemisiert. Genau. Weiter, weiter. Reden Sie sich weiter um Kopf und Kragen. Der Populist warnt übertrieben vor dem Abgrund. Was haben Sie schon gewarnt? Der Populist.
Der haut denen da oben eins auf die Mütze und ist froh, wenn von unten kommt. Bravo, endlich sagt mal jemand. Moment. Ich weiß es. Der Populist bietet am Ende die Rettung an. Das stimmt. Das macht der Kabarettist nicht. Aber was bieten wir am Ende an? CDs. Am Ausgang. Das wird gesagt werden. Und jetzt habe ich gedacht, jetzt wechsle ich mal das Thema. Wir müssen mal das Thema wechseln. Und dann habe ich gemerkt, im Grunde wechsle ich ja gar nicht. Ich wechsle das Thema ja auch wieder nicht. Weil ich möchte jetzt kurz mal über ein Wort sprechen. Ein sehr deutsches Wort und ein sehr altes Wort. Und das hat eine große Karriere wieder gemacht. Nämlich der Begriff Heimat. Heimat.
Alle sprechen plötzlich über Heimat und Identität. Über Identität möchte ich heute nicht reden. Schon allein deshalb, weil ich das Wort so schlecht aussprechen kann. Aber über Heimat. Was ist Heimat? Im Mittelalter war Heimat ein Rechtsbegriff. Im Mittelalter bedeutet der Heimat das Recht, sich an einem ganz bestimmten Ort anzusiedeln. Und dieses Recht konnte man erwerben. Und zwar nicht nur durch Geburt oder Herkunft, sondern auch durch Zuzug. Das Recht schaffte die Heimat und nicht in erster Linie die Geburt. So entstand dann Heimat. Und Heimat entstand schon gar nicht nur durch Geburt. Und schon gar nicht nur durch Gefühle. Diese ganzen Heimatgefühle, das Gefühlzeug.
Das haben uns dann ein paar hundert Jahre später erst diese Romantik eingebrockt. Weil diese literarisch durchaus begabten Holshusen überfordert waren von der Aufklärung. Und wir haben diesen ganzen Heimatrotz. Diesen ganzen Gefühlsrotz tragen wir darum. Bitte, ich hab ja gar nichts gegen Gefühle, schau mich nicht so an. Ganz im Gegenteil, ich hatte neulich selber mal eins und ich war sehr zufrieden damit. Und ich verstehe ja auch, dieses Heimatbedürfnis, schauen Sie diese verreckte Dreckswelt an. Man schaut diese Welt an und fühlt sich machtlos. Aber in der Heimat eben nicht.
In der Heimat da bist du, da hast du Einfluss, da kannst du gestalten, da kannst du auf den Tisch klopfen, gegen den Putz hauen. Wenn der Nachbar den Möhne trennt oder wenn nach 23 Uhr noch einer auf der Straße zu laut lacht. Und wenn dann am Abend die wimmernden Schreie aus dem Nebenhaus in dein Wohnzimmer dringen, dann beunruhigt dich das nicht weiter. Weil du kennst es, du weißt es. Aha, es muss 20.16 Uhr sein, die Tagesschau ist rum und Herr Müller verprügelt wieder ganz pünktlich seine Frau. Dann verstehst du das. Heimat ist Verstehen. Wenn ich hier und verstanden werde, sagte der Bundespräsident Steinmeier am Tag der Deutschen Einheit, auch ein neuer Heimatkundler.
Kathrin Göring-Eckhardt von den Grünen, die hat ja die Heimat entdeckt. Was hat sie gesagt? Wir lieben dieses Land, weil es ist unsere Heimat und wir lassen uns die Heimat nicht spalten. Da habe ich gedacht, warum sollten wir die Heimat eigentlich nicht spalten? Das wäre doch vielleicht ganz gut, wenn man mal zwei Heimaten hätte. Eine Heimat als Ort, wo man versteht und verstanden wird und für Euro 5 Dieselmotoren. Wissen Sie, was der Steinmeier in seiner Heimatrede am Tag der Deutschen Einheit auch noch gesagt hat? Er beklagte die Mauern zwischen Arm und Reich in Deutschland. Mauern zwischen Arm und Reich. Sehr hübsch formuliert. Da kann er auch mitreden, da kennt er sich ja aus.
An diesen Mauern hat ja seine Partei durchaus ein wenig mitgemauert. Diese Mauern, diese Mauern, diese Mauern werden ja immer höher. Verstehen Sie? Da ist es durchaus vorausschauend, wenn man den Verlierern jetzt ein hübsches Wott über die Mauer wirft. Heimat. Heimat, das Tröste, das Wärme, das verbindet. Wenn du dich gerade in so einer Stadt wie München fragst, wie lange du diese aberwitzigen Mieten kannst, wenn du in einer Stadt wie hier und in anderen Städten auch die Tage zählen kannst, bis wieder irgendein Immobilienhai, irgendein Drecksack dich aus der Wohnung wirft.
Und wenn du dich fragst, werden noch genügend Pfandflaschen in den Abfallein an meiner Heimat zu finden sein, wenn ich mal alt bin. Wenn du also nichts mehr bist und nichts mehr hast, dann hast du noch die Heimat, die sich gratis lieben lässt. Schön. Wie sagte Boris Becker neulich, ich liebe dieses Land, und er sagt Bobble Bobble, dachte ich da. Jetzt scheinst du aber wirklich pleite zu sein. Heimat. Mein Gott. Wissen Sie, was für mich Heimat ist? Der Geruch von Kartoffelsuppe mit viel Majoran. Da spüre ich, dass früher das ist Heimat.
Und mit dieser Geruchsheimat habe ich wirklich Glück, weil ein Freund von mir, der ist bei einer Tante in Wiesbaden aufgewachsen und die war inkontinent, ist Wiesbaden jetzt seine Heimat? Nein. Mein Freund sagt, für ihn ist Heimat, wo es nach Pisse riecht. Aber was ist Heimat? Was ist Heimat, Schatzi? Ich möchte so sagen. Heimat ist für mich das, wo ich herkomme. Wo mich jeder kennt. Wo ich über die Straße gehe und jeder sagt, hau ab. Ja. Ja. Herr Triol. Jetzt weiß ich, was ich all die Jahre nicht vermisst habe. Das ist ein Zufall. Sie bleiben noch ein bisschen bei uns. Was ist los? Ich erkläre Ihnen gleich. Setzen Sie sich mal hin. Oh. Das ist Heimat. Die werden wir auch brauchen. Wieso?
Gleich kommt der Dombrovski und will uns eine Bilanz seines Wirkens zum Vortragen bringen. Ach, du liebe Zeit, schon wieder. Wieder mal. Ja, wieder mal. Und ich vermute, es wird wie immer sein. Er fängt an mit der ersten Sendung wieder mal. Dann kommt irgendwas zum Zaun. Ja. Und dann wird er doch wahrscheinlich Sloterdijk. Sloterdijk ist bei jedem. Und dann kommt noch irgendwas mit Vernunft, Wucht und Ungarn. Auch noch. Und vergessen Sie sein Kerntema nicht. Warren Buffett. Der Warren Buffett, den hat er immer. Den macht er immer. Herr Dombrovski. Prost. Das ist ganz reizend, dass Sie mir helfen wollen für diese kleine Bilanz. Obwohl ich Routine habe, das ist ja nicht so.
Vielleicht können Sie mir ein bisschen helfen, dass ich davon ein bisschen Rückmeldung kriege. Ich hatte mir gedacht, dass ich vielleicht mit der ersten Anzahltsendung anfange. Das war vom Januar 2007. Ich hatte damals nämlich den damaligen ungarischen Ministerpräsident zitiert. Er hat einen bemerkenswerten Satz gesagt, statt das Große und Ganze in Angriff zu nehmen, treiben wir Politiker uns gegenseitig in den Wahnsinn. Aber was wäre, wenn wir unsere Popularität nicht deswegen verlieren, weil wir Arschlöcher sind, sondern weil wir große gesellschaftliche Aufgaben vollbringen wollen. Das fand ich damals, da war so ein kühner Gedanke von Aufbruch, den ich auch in mir spürte.
Dem folgte aber dann eigentlich nichts. Man ist in einer Versenkung verschwunden. Der Gedanke eigentlich auch. Damit wollte ich eins zeigen. Aber ich bin mir nicht sicher, mir wurde heute Abend hier der Vorwurf gemacht, absurderweise, dass ich mit meinen zornigen Attacken gegen die Herrschenden der AfD den Weg bereitet hätte. Das ist schon ein dicker Hund. Der Zorn ist doch an sich jetzt nichts Schlimmes. Da könnte man sehr schön einen Schlenker zu Sloterdijk machen. Das ist sehr gut, dass Sie da drauf gekommen sind. Das Bild von Sloterdijk mit dem prallvollen Zornkonto auf der Volksbank. Das gefällt mir unheimlich gut. Und ich habe natürlich auch auf das Konto eingezahlt.
Ich habe Werbung gemacht für das Zornkonto, Gelder gesammelt, Zorn gesammelt, um das Konto zu füllen. Und bin ich dann dafür verantwortlich, dass die AfD das Konto plündert? Wo denn der Zorn ist ja für was anderes gedacht. Nicht für Ressentiment, für niedere Bewegungen. Der Zorn hat seine klare Stelle. Eine Leitlinie, die Papst Gregor vor 1500 Jahren vorgegeben hat. Die Vernunft kann mit größerer Wucht dem Bösen entgegentreten, wenn der Zorn ihr dabei Dienst mal zur Hand geht. Der Zorn im Dienst der Vernunft. Das war schon vor 1500 Jahren, 6. Jahrhundert etwa. Ich weiß nicht genau. Da hat er das ausgegeben. Da war die Vernunft schon eine Leitlinie.
Da kann man doch nicht sagen, dass wir uns weiterentwickelt haben groß. Und wenn man das einordnet, da muss man überlegen, klar, wir haben Kraft durch unseren Zorn. Im Kampf gegen das Böse. Und da ist die Frage, was ist das Böse? Das Böse, das ist die Habgier. Das führt dann automatisch diese Erkenntnis zu meinem eigentlichen Kernthema. Mein Kernthema lautet... Wer ist das jetzt? Und das muss auch jetzt nicht sein. Entschuldigen Sie. Nehmen Sie es mir nicht um. Ist hier unangenehm. Was ist das? Das ist doch nicht wahr jetzt. Ach Herr Pelzig. Das geht doch zu weit. Ja Mutter? Das ist aber jetzt gerade ganz schlecht. Ich bin jetzt hier gerade bei einem wichtigen Punkt. Ja Mutter. Später.
Entschuldigung. Das war meine Mutter. Jetzt bin ich raus. Wo waren wir stehen geblieben? Der... Der Krieg Arm gegen Reich. Was? Jaja. Hab ich das schon gesagt? Hab ich gar nicht mitgekriegt. Es lag Ihnen auf der Zunge. Mein Kernthema ist in der Tat der Krieg gegen Arm und Reich. Nein, anders. Falsch. Der Krieg Reich gegen Arm natürlich. Denn die Klasse der Reichen hat diesen Krieg angezettelt und ist dabei ihn zu gewinnen. Und das ist das Kern, das zentrale Konfliktfeld unserer Zeit. Was die AfD mit den Flüchtlingen macht. Vorher hat sie es mit dem faulen Griechen gemacht. Nicht wahr? Mithilfe der Bildzeitung und anderen Kanalien. Das sind Nebenkriegschauplätze. Das sind Abweckungsmanöver.
Die Wirtschaftsflüchtlinge. Der Begriff ist, dass Kriegsflüchtlinge im Krieg Reich gegen Arm sind. Das muss man erwähnen. Das ist keine Übertreibung von meiner Seite. Das ist doch die Analyse von Warren Buffett. Ja. Das ist es. Super. Das ist gerade eingefallen. An dieser Stelle ist interessant, die Schlagzeile von vorgestern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Oh, das ist neu. Auf Seite eins titelt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vorgestern bedrohlicher Ausweitung der Schere zwischen Reich und Arm. Diese Warnung stammt interessanterweise ausgerechnet vom Internationalen Währungsfonds. Der jetzt nicht als mildtätig bekannt ist. Das ist die internationale Währungsfonds.
Das ist im Prinzip die Inkasso-Mafia des Finanzkapitalismus. Die schon etliche Länder zugrunde gründet. Warum? Haben Sie Bedenken gekriegt? Fordern Sie Gerechtigkeit? Sind Sie hellhörig geworden durch uns alle? Durch meine Tiraden auch? Und denken, wir sollten gerechter sein? Es ist keine Gerechtigkeit. Es ist die Angst. Die Angst des Internationalen Währungsfonds. Wenn Sie so konsequent weitermachen, dann können Sie nichts mehr plündern. Da ist der Kleine da. Da fiel mir Alfred Herrhausen ein. Gott hab ihn seelig. Der kurz vor seiner Ermordung damals in schönen Satz gesagt hat, wir dürfen die Entwicklungsländer nicht erwürgen.
Wir müssen ihnen so viel Luft lassen, dass sie den Schuldendienst begleichen können. Das steckt dahinter. Wenn alles bleiben soll, wie es jetzt ist, dann muss sich vieles ändern. Das war glaube ich ein italienischer Philosoph am Ende des Spätfeudalismus. Nein, nein, das war Burt Lancaster in dem großartigen Film der Leopard. Ist auch egal. Spielt ja keine Rolle. Wussten Sie eigentlich, dass ich gehen kann wie Burt Lancaster? Nein. Passt Sie auf. Das ist jetzt völlig vom Thema weg. Also so geht das nicht. Jetzt bitte. Haben Sie mir denn ... Lassen wir das jetzt. Dann kommen wir direkt zum Resümee. Ja, Mutter, jetzt geht's. Nein, nein. Da kommt heute nichts mehr Richtiges.
Können Sie bitte mitkommen? Ja, gerne. Eins müssen wir unbedingt noch in die Bilanz aufnehmen. Haben Sie eine Idee? Ja, die Erkenntnis. Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten ist eine Konstante. Aber die Bevölkerung wächst. Ah, das ist gut. Ja. Ist das von mir? Nein, das ist von mir. Das ist ... Ja. Das ist von Jean-Luc Picard. Picard? Picard? Wo tue ich denn jetzt hin? Kommandant der USS Enterprise. Star Trek. Aber sonst macht viel Schönes an. Das ist ganz eindeutig. Das ist ganz eindeutig. Die Analyse ist doch klar. Die Analyse ist doch eindeutig. Die AfD erfolgt. Der hat doch soziale Ursachen. Wir müssen da an die soziale Ungleichheit ran. Ach Gott, Sie Sozialromantiker.
Das sind im Wesentlichen Rassisten. Hallo, ich telefoniere. Mutter, ich rufe später zurück. Wenn der Schmarrn hier vorbei ist, sagen Sie mal, streiten Sie sich immer noch über die AfD? Ja, nein. Wir wollen einfach wissen, warum Menschen eine Partei wählen, die ihnen auf den Kopf macht. Oh, da gibt es in der Demokratie ein ganz wunderbares altes Hausmittel, wie man das herausfinden kann. Voll da. Federweißer. Das Gespräch mit den Leuten. Man muss mit den Leuten reden. Da weiß ich doch gleich, was da kommt. Sie haben ein Problem. Sie können einfach nicht zuhören. Aber es ist ja auch leichter, sich dauernd beklatschen zu lassen, dafür, dass sonst keiner mehr was sagt.
Wenn der Kabarettist neben dem Publikum auch noch zuhörchen tut. Sagen Sie mal ... Sagen Sie mal ... Wie spricht man eigentlich mit diesem Volk? Da habe ich mal was vorbereitet. Gehen Sie mal mit. Hinter jeder Türe wohnt das Volk. Und da müssen Sie jetzt einfach nur leuten und mal die Fragen stellen. Ich habe keine Fragen an das Volk. Jetzt haben Sie Fragen. Fragebogen, toll. Haben Sie AfD gewählt? Und wenn ja, warum? Wie würden Sie Ihre Wirtschaft ... Sie müssen auch leuten. Okay. Mutter, ich muss Schluss machen. Hallo? Sie haben AfD gewählt? Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht. Hören Sie. Ich stelle jemanden da, der jemanden darstellt, der AfD gewählt hat.
Jetzt mal mit Ernst und noch einmal. Jetzt lassen Sie mich mal und diesmal ganz ruhig zuhören, Herr Uthoff. Probieren wir noch mal. Hallo, wir sind vom Institut für Ostforschung. Und wir haben eine Frage. Haben Sie AfD gewählt? Das würde ich gerne für mich behalten. Das ist eine anonyme Umfrage. Ich habe Sie gewählt. Wie kann man in 70 Jahren nach der Nazi-Diktatur nach dem Ende so einen Scheiß zusammenwählen? Wann sollte ich Ihnen das Wahlrecht entziehen? Das war eine Protestwahl, zu der ich berechtigt bin. Ihr Demoskopie-Nutten. Entschuldigung. Entschuldigung. Das ist doch... So leicht kommen Sie nicht davon. Entschuldigung.
Wenn jemand besoffen einen Passanten niederfährt, dann ist der Lappen weg. Das sagt man auch nicht. Das sagt man auch nicht. Das sagt man auch nicht. Wenn jemand besoffen einen Passanten niederfährt, dann ist der Lappen weg. Das sagt man auch nicht. Was wollte er mit diesem Unfall wohl sagen? Sag mal, Herr von Wagner, wollten wir nicht ganz ruhig zuhören? Und jetzt wissen wir... Jetzt wissen wir ganz genau, was Sie über die AfD denken. Aber wollten Sie nicht herausfinden, was die Leute darüber denken? Dann mache ich das. Darf ich? Ja. Guten Tag. Guten Tag. Guten Tag. Guten Tag. Ok, Sie haben bestimmt AfD gewählt. Ok, Sie haben bestimmt AfD gewählt. Dann gehe ich gleich zur nächsten Frage.
Warum? Weil ich mich fremd fühle in meiner eisenden Heimat. Weil ich mich fremd fühle in meiner eisenden Heimat. Wenn ich jetzt so spreche, fühle ich mich auch fremd in meiner eisenden Heimat. Wie der Sprechen, du Fäle. Wie der Sprechen, du Fäle. Ja, aber sagen Sie mal, in Ihrer Heimat, wieso fühlen Sie sich fremd? Gerade in Ihrer Heimat gibt es ja ausgesprochen wenig Flüchtlinge. Aber im Fernsehen gibt es eine ganze Menge Flüchtlinge. Sie fühlen sich sozusagen fremd im eigenen Fernseher. Was könnte man denn machen, damit Sie sich heimischer fühlen? Wenn weniger Flüchtlinge in meinem Fernseher kommen würden. Haben Sie Probleme mit der Wirklichkeit?
Haben Sie sich meine Wirklichkeit schon mal angeschaut? Das Krankenhaus ist weg. Der Supermarkt ist auch weg. Die Frau ist weg. Warum wissen Sie das? Reine Vermutung. Wollen Sie mal lesen, warum ich die AfD gewählt habe? Da, bitte schön. Weil Ihnen jemand 435 Euro gezahlt hat? Das ist meine Renteninfosie, Hornachse. Das ist die Anerkennung von meiner Lebensleistung vom deutschen Staat. Herr Zusatzfrage, sind Sie der Ansicht, dass Sie mehr Rente von der AfD erhalten würden? Nee, aber vielleicht mehr Aufmerksamkeit nicht. Ich mache die Brüder auch nicht. Aber ich wollte den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen. Aber der Denkzettel war leer. Sie wissen doch gar nicht, was Sie denken.
Wie weit würden Sie gehen, um andere Parteien zum Nachdenken zu bringen? A. AfD wählen. B. Merkel ausbuhen. Oder C. Polen überfallen. Arschloch. Sie haben es vermasselt. So geht es nicht. Wie denn dann? Sie stehen da für Urteilsbeladen. So geht es nicht. Wie dann? Ich zeige es Ihnen. Paris. Schauen Sie mal. Firma C-Bar. Die Firma kenne ich. Das ist ein Security-Unternehmen. Die bewachen Flüchtlingsheimen. Was? Er wählt AfD, ist gegen Flüchtlinge und hat gleichzeitig einen Job wegen der Flüchtlinge. Was glauben Sie? Die Flüchtlinge sind ein Konjunkturprogramm. Da sind schon 10.000 Jobs entstanden. Das könnte noch viel mehr sein. Wenn der Staat investieren will, ist das ein Konjunkturprogramm.
Was tut er nicht wegen der Schuldenbremse? Deswegen hätte er Angst, dass in seinem Lohnsektor eine Konkurrenz entsteht. Er müsste keine Angst haben vor dem schwarzen Mann. Vor der schwarzen Null. Der Schäuble. Entschuldigung. Brauchen Sie mich noch? Nein. Der Schäuble. Wer hat denn das gesagt? Paris. Wollen Sie noch mal? Ja. Probieren Sie es noch mal. Es klingelt kaputt. Jetzt halt. Mir gäbet nichts. Entschuldigung. Sie haben den falschen Dialekt. AfD-Wähler sind Abgehängte aus dem Osten. Nein, da liegen Sie völlig falsch. Ein Riesenhaufen AfD-Wähler kommt aus dem Westen. Vor allem aus dem reichen Süden.
Aber wenn der Süden reich ist und den Leuten es dort besser geht, warum wählen die dann AfD? Weil sie Verlustängste haben. Wer viel hat, hat auch viel zu verlieren. Wenn Millionen Migranten in unsere Sozialsysteme sickern. Auto weg. Häusle weg. Alles weg. Das bringt die Leute auf den Palmer. Die Leute leben doch in totaler Sicherheit. Die haben kein Recht auf Angst. Wer weiß schon, wie es weitergeht, wenn diese weltfremden Grünen den Diesel schlecht reden. Wegen Feinscher an diesem Bad werden wir in Innenstädten eine Burka-Pflicht einführen müssen. Weil nur dieses feinmaschige Gewebe vor den angeblich gefährlichen Partikeln schützt. Diese Feinstaubdebatte.
Ich kann es nicht mehr mit dem Feinstaub werden. Von Stuttgart wäre Peking ein Luftkurort. Schluss mit der Verteufelung des Automobils. Es gibt keinen sicheren Arbeitsplatz. Sie arbeiten in der Automobilindustrie? Natürlich, ich bin der baden-württembergische Ministerpräsident. Ja. Bisschen. Bisschen. Das ist doch jetzt total unreal. Hey. Uralte Nummer, Leute barodieren. Aber lustig. Ernsthaft, wir wollen doch eine Analyse. Eine Analyse ist nicht lustig. Lassen Sie mich noch einmal. Klingen Sie? Ja, ich habe. Ich sage Ihnen auch, warum. Die AfD ist für mich die letzte Möglichkeit, abzusteigen, weil die AfD alles Fremde ausgrenzt. Dadurch entsteht noch eine Schicht unter mir.
Das ist gar nicht so schlecht. Die Linke sagt zu mir, du bist unten und musst gegen die da oben kämpfen. Aber die AfD sagt, du bist Deutschland und du kämpfst gegen die da draußen. Und das tut so total gut. Das war doch mal ... Das war endlich mal eine Analyse, mit der man was anfangen kann. Ich habe nicht zugehört. Er hat gerade gesagt, er wäre lieber Arya statt Precaria. Das klingt interessant. Das sollen wir mal erklären. Herr Penzig, können Sie das noch mal? Haben Sie es gemerkt? Sie haben es gemerkt. Alles Männer. Agil, adrett, alert, aber Männer. Das macht mir Sorgen. Der Mann als solcher steht ja in ständigem Widerspruch.
Und zwar nicht nur zu seinem Partner, sondern besonders zu sich selbst. Nein, doch. Erstaunlich viele Mitglieder meines Geburtsjahrgangs 1961 sind inzwischen schöne Männer um die 50. Wunderwerkkalender. Oder im hirnverletzten Deutsch der werbetreibenden Industrie. Wir sind neben den Over-40s, den Under-50s, die sogenannten Best-Agers. Damit sind wir das Visier derer geraten, die sich daran gesundstoßen, dass wir häufiger krank werden. Offensichtlich vor allem im Kopf entfesselte Wundärzte.
Mit der intellektuellen Präsenz eines Hühneraugenpflasters durchstreifen die Wartezimmer der Republik, um wehrlosen Mädchen jenseits der 40 durch schadhafte Gelimplantate die Haptik einer Wärmflasche zu verleihen. Ich bin durchaus Mammoman. Aber so was faszinierend. Das ist nur ein Vorschlag, während sie uns Männer, die wir immerhin auch ohne Implantate dicker werden können, in die Kunst des bestmöglichen Alterns, des Best-Aging einführen wollen. Denn richtig altern ist eine Kunst. Und wer versteht schon Kunst ganz ohne Führer? Auch das ist ein streng deutsches Phänomen. Dabei ist es viel wichtiger, in Würde zu altern. Auch wenn kein Mensch weiß, wo das liegt.
Und genau hier, hinter Hameln, scheinen sich die Widersprüche zu potenzieren. Wenn auch Potenzieren in diesem Zusammenhang vielleicht ein etwas unglückliche Wort war. Der schöne Mann um 50, mit irritierender Weise erstaunlich selten von seiner Umgebung, als das wahrgenommen, was er in Wahrheit ist. Als Schatzkästlein, als ein Hort des Wunderbaren, des Verblüffenden, des Erstaunlichen. Wir brauchen, um Mirakulöses zu sehen, oder das Mikroskop auf das kleine Zulinsen. Nein, es reicht oft, uns selbst ins Auge zu fassen und sprachlos zu werden. Angesichts der Wunder, die sich in und auf uns offenbare. Schaut halt mal her!
Gerade schöne Männer um 50, denen mit fortschreitendem Alter und manchmal vielleicht gar nicht ganz ohne Anlass, wie man hört, eine gewisse Teigige Trägheit nachgesagt. Gerade diese Männer sind oft genug Schauplatz und sind immer Veränderungen, die jene eben noch unterstellte Trägheit geradezu als Sinnstäuschung entlarven. Ich beispielsweise bin, als gleichsam Fleisch gewordene gesellschaftliche Realität und damit Spiegel bundesdeutscher Wirklichkeit, zur Zeit Schauplatz großer Wanderungsbewegungen.
Wie sich seinerzeit die Goten nach Süden wandten, neue Siedlungsgebiete zu erschließen, wenden sich nun meine Haare von den angestammten Gestaden im Stirn- und Schädelbereich ab, um neue Welten zu entdecken, die nie eine Haarzug vorbetreten hat. Es kommt noch was! In Amund scheint Deckerlust und Scotch und Pioniergeist.
Schrecken Sie derbei weder vor ausgedehnten Hüllensystemen, deren Eingänge von Nasen und Ohren markiert werden zurück, noch bremsen Sie die ausgedehnte, wogende Weite des Schultergürtels oder der Grand Canyon der Wirbelsäule im Meer des Rückens, der dann in jener Grübchen bewachtend Forte im Schatten der hochaufragenden Zwillingshügel endet, welche jene Schlucht säumen, die den Ausgang der Welt birgt. Selbst hier scheint sich Siedeln noch zu lohnen. Immer stärker flieht das Haupttar, die Sturm- und Torstenhöhen der Stirn und sucht Schutz vor den Unbilden der Witterung an geschützteren Bereichen.
Es soll Männer geben, die infolge zu kleiner Ohren über eine vollkommen mit Eigenfell ausgekleidete Mundhöhle klagen. Was natürlich das Essen unschön macht, hat mehr ständig Suppe im Haar. Und das Zähneputzen ja so vom Kämmen kaum noch zu unterscheiden. Und auch equatorial tut sich einiges. In der hominiden Entsprechung der Platten-Tektonik ändern die Kontinente ihre Gestalt. Während die rumpfmuskuläre Waschbrettplatte in die Subduktionszone hinabtaugt, um dort aufgeschmolzen zu werden, türmt sich nun als Folge intraabdominaler Konvektion das Bauchgebirge auf. Wo eben noch die asiatische Steppe war, ist nun der Himalaya gewachsen.
Diese Prozesse laufen fern ab jeder Beobachtbarkeit so langsam ab, dass selbst der, auf dem sie stattfinden, keine Notiz davon nimmt und er nur eines morgens erstaunt feststellen muss, dass von nun an nach Gehör zu pinkeln ist, weil der Piepmatz hinter den Korniliären verschwunden ist. Auch noch, altersbedingt, dass Ohrenlicht langsam erlischt, ist das der direkte Weg in eine Riesensauerei, die wiederum eine ernsthafte Prüfung der Beziehung darstellt.
Und das treibt dann die einen mit der Handel in der Hand in die Hände von Turnlehrern, die mit zum Teil abenteuerlich anbundenden Techniken, die ihre Herkunft aus den Kellern der Inquisitionen nicht einmal verleugnen wollen, versuchen, das körperliche Leistungsniveau des schönen Mannes um 50 dem vorhandenen Intellektuellen anzugleichen, mit der Chips-Tüte in der Hand auf die Couch vor das Fernsehen, welches dann intensiv durch gedankenarme Glücksspielkoch Talkshow-Mail-Lasse versucht, das intellektuelle Leistungsniveau des schönen Mannes um 50 auf das vorhandene Körperliche zu drücken. Und das sehen dann auch die Kinder. Und deshalb mache ich mir große Sorgen. Ich danke Ihnen.
Nein, nein, nein. Doch, doch, doch. Nein, nein, nein, nein. Was sein muss, muss sein. Ich sehe das nicht. Wir müssen Ihr prophetisches Talent gebührend würdigen. Der von uns hat den von neun Jahren vorhergesagt, dass der Dax bald auf 2000 Punkte abschmiert. Keiner, nur Sie. Übrigens, er hat gerade die Marke von 13.000 geknackt. Das weiß ich. Nach den Gesetze, die wir hier haben, das weiß ich. Nach den Gesetzen des freien Marktes wäre der Dax damals so, wie ich es gesagt habe, aber runtergefallen. Natürlich, natürlich. Und das Ende des Kapitalismus haben Sie ja auch vorher ... Jetzt übertreiben Sie aber. Ich übertreibe. Ich habe Sie in all den Jahren ein einziges Mal gut gelaunt erlebt.
Ein einziges Mal, als Sie mir erklärt haben, dass der Dax vor Ihnen auf dem Sterbebett landet. Sein Ende war nah. Und Sie waren der Prophet. Das haben Sie ja schön zurechtgelegt. Einiges habe ich zurechtgelegt. Das ist unser Wortprotokoll vom Herbst 2008. Nehmen Sie. Soll ich damit ... Nehmen Sie, lesen Sie. Muss das jetzt sein? Nur Mut, Cassandra. Und gut gelaunt vortragen. Gut gelaunt. Be a funny wit. Jetzt handeln Sie noch nicht rum. Ja, das habe ich gesagt. Es geht aufwärts, Herr Priol. Tausende von Westernbankern sind arbeitslos. Trauen Sie nicht mehr unter die Leute. Die Menschen haben mehr Angst vor ihrem Anlageberater als vor der Al-Kaida.
Und wir leben doch in herrlichen Zeiten, wenn es so gekommen ist. Und hier unser ganzes System brach zusammen. Das hat sich alles von selbst erledigt. Erst der Kommunismus, dann der Sozialismus und jetzt der Kapitalismus, der schon seine Patientenverfügung unterschrieben hat. Das Ende soll ja schmerzfrei sein. Und jetzt? Und? Und? Und? Ja, ich weiß, dass das falsch war. Sie haben ja recht. Ich habe nicht Ihnen was vorgemacht. Ich habe allen, ich habe auch mir selber was vorgemacht. Das war die irrationale Hoffnung, dass es eine Entwicklung der Verhältnisse geben könnte. Und ich wollte Ihr Prophet sein und dachte, ich bin ein Realist. Aber ich war nur ein Narr. Ist nicht so trüb, Werner.
So habe ich es doch gar nicht gemeint. Doch, doch. Das Leben ist ein Wanderschatten-Spiel. Und ich darin ein Komediant, der seine Zeit absnauft und abstolzt auf der Bühne und nie mehr gesehen wird dann. Ein Tölpelmund voll von Getös und Toben. Und es bedeutet nichts. Das ist Shakespeare nicht. Ja, aber Shakespeare, der hat Sie doch gar nicht gekannt. Nein, nein, es ist alles richtig so. Wissen Sie, mein ganzes Leben lang habe ich, können Sie sich erinnern, Papst Gregor, wie ich das gesagt habe, mein Glaube an die Vernunft. Schier unerschütterlich. Das ist unser Geschenk der abendländischen Kultur. Die Kraft der Aufklärung hat der Menschheit die Vernunft geschenkt und bringt sie voran.
Das war meine Überzeugung. Das ist falsch. Und wissen Sie, wo ich es gefunden habe? Adorno und Orkheim. Oh nein, die auch noch. Doch. Die haben gesagt, die vollends aufgeklärte Welt erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils. Das ist die Wahrheit, Herr Priol. Ich danke Ihnen, dass Sie mich wieder dran erinnert haben. Lassen Sie mich. Ich brauche ein bisschen frische Luft. Vielleicht noch ein Untermann. Mir fiel auch ein Zitat ein. Wer keine Visionen mehr hat, der sollte mal zum Arzt gehen. Nein, Herr von Wagner, wir können von den Alten lernen, wie man es nicht macht. Dombrowski schaut zurück, also müssen wir nach vorne schauen.
Priol ist heiter, gelassen, also müssen wir mit entschlossener Grimmigkeit zu Wert gehen. Aber was lernen wir von Malmsheimer? Ich meine, die Sache mit dem Haarwuchs, die betrifft Sie ja nicht mehr. Priol. Pälzig. Wir können lernen von Pälzig. Pälzig hat recht, wir müssen der AfD den Nährboden entziehen, indem wir die soziale Gerechtigkeit wieder größer machen. Größer als Pälzig, das sollten wir schaffen. Nur, wie machen wir das? Ich gehe in die Politik. Was? Das heißt, wir machen die Sendung nicht weiter? Nein. Aber was wollen Sie denn Wahlkreis erobern? Ich sage Kanzlerkandidatur. Ist das mit den Ortsvereinen von Pose Muckel? Ich habe schon alles vorbereitet. Eine Rede, ein Slogan.
Schauen Sie, ein Plakat. Ist das ein Hammer? Gucken Sie mal hier. Herr Utthoff. Herr Utthoff. Herr Utthoff. Sie werden einen Wahlkampfmanager brauchen, der sich exquisit auskennt in der Politik. Der über genügend Intellektualität verfügt. Und der weiß, wie es ist, sich im Scheinwerferlicht zu bewegen. Richtig, Sie haben vollkommen recht. Pälzig? Nein. Hallo? Ach, Sie. Ach, Sie. Gut, wenn sonst keiner da ist. Dann zeigen Sie mir bitte, was Sie schon haben. Liebe Wählerinnen und Wähler, hiermit erkläre ich meine Kanzlerkandidatur 2021. Mein Motto lautet, weniger Armut, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr links. Jetzt! So. Wow. Ist das ein Hammer? Super. Klasse. Kleinigkeit.
Wir wollen doch, dass Sie Kanzler werden. Natürlich. Wenn Sie sagen, weniger Armut, grenzen wir nicht so viele Menschen mit dem Slogan aus. Wen denn? Die, die nicht arm sind. Egal, ich kämpfe für die Armen. Prozentual gehen die Armen aber seltener wählen. Um was zu verändern, brauchen Sie eine Mehrheit. Das heißt? Sie müssen die erreichen, die wählen. Die reichen? Haben Sie über eine Haarverpflanzung nachgedacht? Die Armen. Super. Klasse. Kleinigkeit. Die Relative oder die absolute Armut? Welche ist besser? Die absolute Armut ist selten. Dann die andere, die relative Armut. Da sind die Armen leider nur relativ arm.
Eine alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern, die sich in unserem Land den Eintritt ins Hallenbad nicht leisten kann. Aber im Vergleich mit einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern in Bangladesch ist sie relativ reich. Sie wollen sich um die Armen kümmern. Die Frau in Bangladesch kann sie ja nicht wählen. Ich wusste gar nicht, dass die Armen so kompliziert sind. Vielleicht lasse ich das mit der Armut... Wie lautet unser Wahlkampf-Slogan jetzt? Mehr soziale Gerechtigkeit. Mehr links. Jetzt. Wirklich. Super. Klasse. Kleinigkeit. Sind Sie sicher, dass die soziale Gerechtigkeit das wichtigste Thema für die Menschen da draußen darstellt?
Oh ja, ich habe nämlich eine Umfrage gelesen. 79% der Deutschen finden, dass es zu wenig soziale Gerechtigkeit gibt in Deutschland. Ja, die zahle kenne ich auch. Sie stammt aus dem Juni. Sie ist von YouGov. YouGov. Klingt ein bisschen wie YouPorn für Statistiker. Ist das überhaupt seriös? Ja, doch. Die Hauptaktionäre sind BlackRock, LionTrust, Standard Life. Die würden nie in etwas investieren, was nicht seriös ist. Und die interessieren sich für soziale Gerechtigkeit? Ja, sehr. Deswegen haben sie eine zweite Umfrage zu dem Thema gemacht. Im August, kurz vor der Bundestagswahl. Sie wollten soziale Gerechtigkeit aber noch ein bisschen differenzierter betrachten.
Die wollten wissen, wer hält soziale Ungerechtigkeit nicht nur für ein großes Problem, sondern für ein sehr großes Problem. Das waren dann nur noch 43%. Das sind gar nicht mehr so viele. Dann wollten sie es noch differenzierter wissen. Dann haben sie gefragt, wer hält soziale Gerechtigkeit für ein sehr wichtiges Thema. Da waren es nur noch 24%. Das sind ja noch weniger. Was sind die Themen, die die Leute für sehr wichtig gehalten haben? Soziale Sicherheit, Rente, Gesundheit, Ungedöns. Aber das gehört doch alles zur sozialen Gerechtigkeit. Wollen Sie diesen Anzug eigentlich immer tragen? Wieso? Was gefällt Ihnen an meinem Anzug nicht?
Ich habe nur Angst, dass die Leute fragen, wo hat er den Sarg abgestellt. Sie wollten ja das Thema soziale Gerechtigkeit fallen lassen. Wollte ich? Es interessiert ja nur noch 24%. Dann lasse ich das vielleicht. Gut, wenn Sie darauf bestehen. Wie lautet unser Wahlkampf-Slogan jetzt? Mehr Links! Jetzt! Super! Danke schön. Vielen Dank. Danke schön. Super! Klasse! Kleinigkeit. Links, wollen Sie diesen Wahlkampf auf Nostalgie aufbauen? Jetzt hören Sie mal, Links. Das ist eine große Tradition. Ja, wie Kürbissuppe. Oder beige. Sehen Sie sich als beige? Nein. Links, da schwirren so viele Bilder rum. So was wie Wählscheiben, Telefon, Plattenbauten. Die Frisur von Margot Honecker.
Und gerade bei Ihnen sollten wir doch das Begriffsumfeld Haar weiträumig umfahren. Dann lasse ich das vielleicht auch weg. Ja, wenn das Ihre Idee ist. Wunderbar. Wie lautet dann unser Wahlkampf-Slogan? Jetzt! Super! So machen wir es. Bravo! Hervorragend! Bravo! Super! Kompliment. Selten wurde mir besser erklärt, was aus Politik werden kann. Die fröhliche Moderation der eigenen traurigen Bedeutungslosigkeit. Viel Glück! Also, ich rate Ihnen dringend ab. Als ich die Anstalt verlassen habe, hat man mir nahegelegt, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Aber so etwas muss scheitern. Wir sind Kunst. Und die Kunst ist der Schmerz. Und nicht die Therapie. Sagt Gottfried Benn.
Sollten Sie es dennoch wagen, in die Politik zu wechseln, bedenken Sie stets, ein Volk sollte niemals Angst vor seiner Regierung haben. Eine Regierung sollte immer Angst vor ihrem Volk haben. Wusste schon, der altrömische Philosoph Al Pacino in V.V.Vendetta. Großartiger Krieg! Oder, wie es schon Erasko von Rotterdam sagte, wer oft genug ans Hohle klopft, der schenkt der Leere ein Geräusch. Und das ist es. Und das ist es. Und das ist es. Und das ist es. Und das ist es. Der Leere ein Geräusch. Das war ... Das war ... Super! Klasse! Kleinigkeit! Ich habe kein Wort verstanden. Natürlich, Herr von Wagner. Die da oben haben recht.
Wir müssen der hohlen Politik mit unserer Kunst solche Schmerzen bereiten, dass sie für das Volk eine Lehre zieht. Das heißt, wir machen die Sendung doch weiter? Aber ja! Nein, nein, nein! Was ist los? Nein, nein, nein! Sie machen jetzt erst mal gar nichts mehr. Wieso denn nicht? Gucken Sie mal auf die Uhr. Das war die Anstalt! Halte mit! Roman Friol! Erfrank! Frank-Marcus Barwasser! Jochen Monsheimer! Super!
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